Ausgabe 
(9.2.1894) 12
Seite
84
 
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das ist eine Schlange!"Gut, dann stehen Sie aufund zünden eine Kerze an und sehen 'mal nach."Sie haben gut reden; wenn ich nun aus Versehen aufdas Thier trete? Kommen Sie und leuchten Sie durchdas Fenster herein." Das geschah, k. Garmyn ent-fernte alsdann sein Mosquito-Netz vom Gesicht und sahin allen Winkeln nach dem Eindringling sich um, aber erentdeckte nichts. Endlich wagte er es, die Thüre zu öffnen,und nun begann ein allgemeines Suchen.Horcht, ichhöre sie," rief Einer, und alle hörten nun das charak-teristische Zischen der Schlange. Alles Suchen war jedochvergebens. Die Jagd wurde aufgegeben und k. Garmynnahm ein Nachtlager auf einem Halbsopha im Eßzimmer.

Am folgenden Morgen begab sich Garmyn aufdie Antilopenjagd. Da kam k. Ballus in eine an dasSchlafgemach k. Garmyn'S anstoßende Kammer undsah, auf dem Stroh träge ausgestreckt, eine arms dicke,schwarze giftige Schlange, die offenbar eine guteMahlzeit verdaute. Eilig holte der Pater eine Flinteund erschoß den Unhold; dabei ging der Körper fast inzwei Theile, und k. Baltus sah mit Staunen gelbesBlut aus der Schußöffnung fließen.Welch' eine seltsameNaturerscheinung!"

Auf den Schuß hin war ein Negerknabe hcrbei-gesprungen, und dieser schleppte die todte Schlange in'sFreie. Als er von demgelben" Blut der Schlangehörte, lachte er schalkhaft über dieseltsame Naturerschei-nung" und erklärte:Ei, Pater, das ist nicht Blut;der Schlingel hat Eier gefressen!" (und der Schuß hatteein Ei zerquetscht)sieh' nur!" Mit diesen Wortenpackte er die Schlange beim Schwanz, fuhr mit der Handüber den Leib hin und zerdrückte acht Eier, die nochunversehrt im Bauche des Thieres lagen. Nicht weitvon der Schlange lag ein todtes Huhn, vom Schlangen-biß getödtet, während es über seinen Gern brütete. Ganzglücklich über den Fang, zog der Negcrjunge der Schlangedie Haut ab, um das Fleisch, das die Neger sehr lieben,zu kochen. Diese Schlange gehörte zu den gefährlichen schwarzen. Die Schlangen sind in diesem Misssons-gebiete sehr häufig. So stieß man bei dem Bau desSchwesternhauses auf eine Boa, die vier Meter langwar. Sie wurde erlegt und ihre Haut für das Museumin Scheut aufbewahrt. Das war nun noch ein harm-loser Vorfall; ganz anders, schrecklich ist der folgendeBeleg.

II. Die Opfer der Schlangen und wildenThiere in Indien. Im britischen Vorderindien wur-den, laut amtlichen Jahresberichtes, im Jahre 1892in einem Jahre also nicht weniger als 19,025Menschen und 81,000 Stück Vieh von Schlangen ge-tödtet. Im Jahre 1891 waren ihnen 21,389 Menschenzum Opfer gefallen. Und von den wilden Thierenwurden im Jahre 1892 auch 2963 Menschen zerrissen.

Die Regierung läßt eS ihrerseits nicht an Bemüh-ungen fehlen, diese furchtbare Landesplage auszurotten.So wurden in demselben Jahre 85,000 Schlangengetödtet und als Prämien dafür 9700 Rupien bezahlt.

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A L L e r k e i.

DieBrautwerber des Landvolkes inMasnren,die namentlich im Herbste nach der Ernte mit Aufträgenoft überhäuft sind, erfreuen sich größter Volksthümlichkeit.

Ihre Geschäfte pflegen sie an den Sonntagen zu er-ledigen. Sie erscheinen im höchsten Staat, suchen sich imGarten einen Kohlkopf und steigen zu Pferde, um dasHaus auszusuchen, in welchem ihr Werbetalcnt entfaltetwerden soll. Unterwegs läßt der Freiwerber den Kohl-kopf von seinem Pferde anfressen und betritt nun erstdas Haus der ihm von dem Liebhaber bezeichneten Schönen,wo sein Erscheinen meist freudiges Erstaunen hervorruft.Bald nach der Begrüßung knüpft er ein Gespräch an, umin dessen Verlaufe auf den angefressenen Kohlkopf mitden Worten hinzuweisen:Es ist eine Ziege in unseremGarten gewesen und hat diesen Kohlkopf angefressen,nun habe ich sie gespürt bis hierher und will sie jetztsehen." Sobald diese Worte gesprochen sind, lächelnAlle: wissen sie doch, um was es sich handelt. Die be-wußte Dorfschöne verschwindet plötzlich, wirft sich in Galaund wird dann wieder herbeigeholt. Die Scherze überden beschädigten Kohlkopf werden jetzt wieder aufgewärmt.Nimmt sie dann den ihr überreichten Kohlkopf entgegen,so ist die Werbung als angenommen zu betrachten unddie Hochzeit wird alsbald bestimmt. Während des Aktesder Trauung muß dann die Braut ihrem Ehcliebsten aufden Fuß treten und beim Knieen auf seinem Rock sichniederlassen, auch wohl beim Zusammenlegen der Händeihre Hände nach oben bringen, dann hat sie währendder Ehe das Regiment, welches sonst dem Bräutigam,wenn er ihren Versuchen zuvorzukommen weiß, unfehlbaranheimfällt.

--L-LiWS--

Schachaufgabe.

Von Konrad Bayer (Olmütz ).Schwarz.

3M

Weiß zieht an und setzt in 4 Zügen matt.

Lösung der Schachaufgabe in Nr. 11

Weiß.

1. T. 82 87 ;

L. T. -44-84

3. S. 82-64

4. S. 04-86 resp. 83 Matt

oder

1. . . . . . r l l .

2. L. 87-85:

3. S. 85-67 ch

4. S. 82-84 Matt.

Schwarz.L. 84-87 :

L. oder S. 84beliebig.

L. 84-85S. 03-85 :5k. 8687