9 «
Der „Funkeusonntag" — auch Totensonntag.
Von I. G. Fußenecker.
--—- ^Nachdruck verboten.;
„Das ist mir eine frembte Mär',
Von wannen knmmt dieselbe' her?"
(Alte Frankenchronik.)
Zu den uralten, merkwürdigen festlichen Gebräuchenim Volksleben gehört auch der Funken- oderTodten-sonntag: „äis8 ckoeorura", er wird in manchen Län-dern auch „Brandsonntag", „Brandfest" genannt(„Oonaiinsa. brrrnckonuin"), in Frankreich „ 1s jour cls8brLnäon8" u. s. w. Der Gebrauch dieses „Festes" be-steht darin, daß am ersten Sonntag in der hl. Fasten-zeit, an „Jnvocavit", oder am vierten Sonntag, „Lätare",vor den Dörfern, in Gebirgslündern auf den Bergen einmächtiges Feuer angezündet wird, wozu man nicht selteneine ganze Klafter Holz verwendet, wie z. B. im oberenAlgäu, in Vorarlberg, in der Schweiz u. s. w. Das
An den Funkensonntag knüpft sich manch heiteres,aber auch sehr trauriges Geschichtchen und — nicht wenigAberglauben. Letzteres ist jedoch heutzutage weniger derFall. Man hat die religiöse Bedeutung dieser fest-lichen Volkssitte verloren und damit schwand auch derAberglaube, wenn auch nicht gänzlich und überall.
„Von wannen kommt nun die fremde Mär"und was ist ihr Begehr — ihre alte Bedeutung? DieAntwort ist nicht so leicht; die Schriften und Werke, diedergleichen Fragen beantworten, haben mein altes Wissenum kein Jota bereichert. So muß ich mich denn an meinealte Mappe halten, da finde ich Einschlägiges — einstslavischen Chroniken entnommen; daraus ergibt sichFolgendes.
Die alten heidnischen Slaven begannen das Jahrum jene Zeit, in welcher bei der späteren christlichen Zeit-rechnung der Sonntag Lätare eintrat, also AnfangMärz. Nun aber begannen diese Heiden ihr Neujahr nicht
. 7^7
^1-. X
D a^s Grab
Feuer wird Abends nach dem Gebetläuten angezündet.In früheren Zeiten wurde bei diesem Feuer gebetet fürdie „armen Seelen". Charakteristisch sind: die brennen-den Funkenringe und die eßbaren Funkenringe dieses„Brandfcstes". Es handelt sich nämlich darum, nicht nurhohe Flammen zu gewinnen, sondern besonders ein mög-lichst starkes Funken sprühen. Das Letztere wird nuneinestheils dadurch erzielt, daß man die brennenden Fackelnheftig schwingt, anderntheils dadurch, daß man einenbrennenden Holzreif, den „Funkenring", im Kreisherum schleudert. An manchen Orten ist damit noch einMittel verbunden, nämlich das Funkenschlagen; manschlägt nämlich gewaltig in's Feuer, in den brennendenHolzstoß hinein und peitscht so die Funken heraus. Dereßbare Funkenring, das ist eine Art großer mürberBrezeln, welche am Funkenfeste die Mädchen ihremBräutigam oder „lieben Bekannten" spendiren müssen.In den Familien gibt es „Funken kücheln" oder„Funkenkrapfen", wie es in der Nheinpfalz heißt,wo der Funkensonntag auch noch heimisch ist.
Ma riens.
etwa nur „mit Saus und Schmaus und eitel Lustbar-keit", sondern mit einem Act frommer, tiefernster Pietät,nämlich mit einer Todtenfeier; sie weihten den erstenTag des Jahres der Erinnerung an ihre Verstor-benen. An diesem Tage zog die Gemeinde in Prozessionunter Voraustragung einer Statue, welche ihren „Gottdes Todes", Llororva, benannt (der Name erinnert an daslntein. inor8 — Tod), darstellte, singend und betend undmit brennenden „blumengeschmückten" Fackeln (wieheute noch im nördlichen und östlichen Frankreich am„Brandsonntag") hinaus vor die Ortschaft, zur Stätte,wo die Leichen ihrer Verstorbenen verbrannt wurden —und ein großes Feuer aufloderte.
Das Feuer war den alten Heidenvölkern ein mystischerund heiliger Gegenstand. Und schon bei dem ersten Men-schengeschlecht gab es ein „Brandopfer" (Kain und Abel).Und Gott (ckM — Jehova) erschien dem Moses imbrennenden Dornbusch. Auch diese Heiden trachteten, rechthohe Flammen und ein reiches Funkensprühen zu erzielen.Hier wurde ebenfalls gesungen, gebetet und dann geopfert.