an die christliche Lehre erinnernd ist der Glaube anJenseits, an Himmel (Elyfium) Neinigungsort undHölle (Tartarus) in den Schriften Platon' s. Davon —nur Weniges. „Das, was einem jeden Menschen schonauf Erden für das vollbrachte Gute oder Böse zutheilwurde, ist an Größe und Zahl nichts im Vergleichmit dem, was jeden von beiden nach dem Tode erwar-tet. (!)" Bezüglich des Neinigungsortes heißt es: „DieStrafe der Genugthuung im Neinigungsortebesteht hauptsächlich darin, daß der Einzelne für dasUnrecht, das er jemals verübt hat, — und gegen wieViele er es übte, der Reihe nach Buße thut — undzwar zehnmal (!) für jedes einzelne Unrecht." So —Platon *). Ich bemerke zur Zehnzahl, daß dieselbenach den ältesten Neligionslehren schon zur Zeit Abra-hams zu den mystischen Todtenzahlcn gehörte und Zehndie Lösung (Buße) der Schuld bedeutete. Aus dieserZehnt stammt auch unser deutscher Zehent — Lösc-pflicht (die seit 1848 „abgelöst").
So befremdet es uns also nicht, wenn auch dieheidnischen Slaven einen ähnlichen religiösen Glaubenund demgemäß ihr Todtenfest hatten. Die Slaven werdenallerdings, als sie Christen geworden, ihren alten Tagnoch beibehalten haben, und so fiel ihr Todtenfest ausden Sonntag Lätare.
Wir Christen haben es am Allerseelentag, und derFunkensonntag kann bei uns nimmer die Bedeutungeines Todtenfestes haben. — Eigenthümlich ist es, daßan einzelnen Orten nur — und namentlich bei denCalvinern in der Schweiz — das Funkenfest an Lätarestattfindet, während es an den meisten andern Orten amSonntage Invocavit abgehalten wird. Als ein Gedächt-nißtag für die Verstorbenen, bezw. für die armen Seelen,eignete sich nach unserer Meinung die kirchliche Lection
— Psalm 91—15 — besser, wo der Psalmist den „Herrn"sagen läßt: „Er ruft zu mir und ich erhöre ihn, ichsteh' ihm bei in der Trübsal rc."
Zum Schluß will ich noch bemerken, daß über denFunkensonntag auch die Meinung existirt: mit demFeuer und Funkenschlagen habe man den „Blitz desDonar" (des germanischen Heidengottes Thor) symbolisirenwollen, welcher „den Winter besiegt." Das kann aller-dings bei einzelnen Stämmen, namentlich in nördlichenLändern, der Fall gewesen sein. Indeß scheint mir dieseMeinung nur von denjenigen vertreten zu sein, welche
— ganz irriger Weise — in der ganzen Mythologie undden alten Religionen nichts Weiteres als nur eine„Naturvergötterung" gelten lassen wollen — und dieSpreu von dem Weizen nicht zu scheiden vermögen.Bevor man zu einer Naturvergötterung gelangen konnte,mußte man doch einen Begriff von Gott, von einemübersinnlichen allmächtigen Wesen haben, dessen Machtund Kraft die Natur mit ihren verschiedenen Kräftenerzeugt — geschaffen.
Beharren wir also bei unserer Anschauung, so wiein religiöser Beziehung überhaupt, so im Besondern inHinsicht auf den Funken- — oder Todtensonntag.
*) Denjenigen, die Näheres hierüber erfahren möchten,empfehle ich das nur 15 Blätter umfassende, aber für die Sachevortreffliche und in seiner Art einzig dastehende Schriftchen:„Was sagt Platon vom Jenseits". Des PhilosophenLehre von den „Letzten Dingen." Aus Citaten Plato-nischer Schriften in deutscher Uebersetzung zusammengestellt vonDr. Joseph Murr. Innsbruck 1891, im Verlag der Veretns-buchhandlung. D. V.
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Zu unseren Bildern.
palestrina.
Am 2. Februar l. Js. waren es 300 Jahre, daß der großeMeister der Kirchenmusik, Palestrina , zu Grabe getragen wurde.Des Künstlers wirklicher Name heißt Giovanni Pierluigi . InPalestrina, dem crten Präneste, vier Stunden von Rom , warseine Wiege gestanden. Um 1524 hat er dort das Licht derWelt erblickt. Früh zeigte sich die schöne Stimme und dasmusikalische Talent des Knaben, was seine armen Eltern be-stimmte, ihn für die Musik ausbilden zu lassen. So kam derjunge Giovanni in die Sängerschule, die einst Papst Julius II. gestiftet hatte, und unter die Leitung des Claudius Goudimel.1551 wurde Palestrina selbst Lehrer an der Kapelle Giulia,erst Sangmeister der Knaben, dann Kapellmeister zu St. Peter im Vatikan, um einige Jahre später aus eine Berufung Julius III. diese Stelle mit der eines Sängers der päpstlichen Kapelle zuvertauschen. Papst Paul IV. entließ, streng aus die BeschlüsseConzils von Trient haltend, die verheiratheten Sänger. Diestraf auch Palestrina , der sich, als er Kapellmeister gewordenwar, vermählt hatte. Eine ergreifende Komposition für diePassionswoche „Jmproperia" lenkte aller Blicke auf den Ton-meister, dem indessen die Stelle eines Kapellmeisters ani Lateranzugefallen war. Nach den Beschlüssen des Conzils von Trient sollte eine vollständige Reform der Kirchenmusik durchgeführtwerden. Palestrina bekam den Auftrag, in einer Probemesseeine neue, zur Andacht stimmende Musik nach den Absichtendes Conzils zu setzen und er that es. Er schuf den neuenweihevollen Kirchenstil in seiner Llissa xaxas Naroolli, der drittender drei Probemessen, die er einr-ichte. Pius IV. , Paul's IV.Nachfolger, verglich, als er am Fronleichnamsfeste 1565 zumersten Male das Werk hörte, die Klänge desselben mit denTönen, die Johannes in der Offenbarung im himmlischen Jeru-salem vernommen. Palestrina wurde nun Kapellmeister anS. Maria Maggiore, 1565 Tonsetzer der päpstlichen Kapelle,1571 wieder „Kapellmeister an St. Peter im Vatikan ." Alssolcher componirte er noch Psalmen, dann die berühmten 29Motetten aus dem Hohen Liede. Palestrina ist der Schöpferdes katholischen Kirchenstils in d>r Musik. In seinen 13 BändenMessen hat er die heilige Tonkunst, wie sie im Dienste desCultus der katholischen Kirche steht, festgelegt.
Nerstosien.
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu undwem sie just passieret, bricht' sie das Herz entzwei. Auch dieOsterhofbauernnanni hat das nun an sich erfahren müssen.In mächtig aufloderndem Zorn jagt der alte, geldstolze Bauersein einziges Kind von Haus und Hof, blos weil die Liebedesselben auf einen zwar treuen und braven, aber armen Bur-schen gefallen ist. Das begütigende Zureden der Mutter hilftnichts, der starre Eisenkopf des Bauers duldet keinen Wider-spruch, und solange der Vater lebt, darf das Kind den Fußnicht mehr auf den heimathlichen Boden setzen.
Dilder aus Palästina.
Grab Mariens. — Wenn man von Jerusalem aus denGarten Gethsemane und den Oelberg besucht und den steilen Pfadzur Thalsohle hinunter gestiegen ist, hat man den Weg nachder nahen Kirche mit dem Mariengrab, wohin der Legendezufolge die Apostel den Leichnam der Maria trugen und bestat-teten, und wo die Gottesmutter bis zu ihrer Himmelfahrtruhte. Von der Kirche ragt nur die Vorballe aus dem Boden.Eine große Marmortr.ppe führt innerhalb des Portals in dieTiefe. Am Fuße der 47 Treppenstufen ist die eigentliche Kirche.In dem längern Arm des Kirchenschiffs, das am Boden undan den Wänden meist noch den gewachsenen Fels zeigt, stehtder Sarg Mariä, allein anstatt des Felsengrabs, welches früherhier zu sehen gewesen sein soll, ist das Grab nur ein hoherSarkophag in einer kleinen viereckigen Kapelle, welche an die-jenige in der Grabeskirche erinnert.
ThalJosaPhat. — Das Thal Kidron oder Josaphatbeginnt nördlich von Jerusalem , verläuft etwa eine starke halbeWegstunde gegen Osten, biegt dann scharf gegen Süden ab undfließt am Fuße des Morta zwischen diesem und dem Oelbergehin. Die Abhänge des Thales sind heutzutage mit Schuttbedeckt, allein noch immer stell genug, um das Ersteigen zuerschweren.