Ausgabe 
(16.2.1894) 14
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PapierinKoreaist einer der wichtigsten Handels-artikel dieses Landes: freilich nicht sowohl der dünneStoff, den wir so heißen, sondern vielmehr dicke Platten,die geradezu für Alles gebraucht werden. Die Fensterbestehen aus mit Oel getränktem Papier, das in hölzerneRahmen gespannt ist; statt der Teppiche und Mattenbreitet man Papier auf den Fußböden aus; ebenso be-nützt man das Papier zu Laternen von jeder Größe, zuLabakbeuteln und Fächern. Wenn es regnet, so stülptder Koreaner über seinen gewöhnlichen Hut einen zweitenkegelförmigen aus Oelpapier und legt einen Regenmantelum, selbstverständlich aus Oelpapier. Koffer und Büchsenaller Art macht man aus dickem steifem Papier. Alankann sich bei solch mannigfaltiger Verwendung denken,welche große Massen von Papier hergestellt werden müssen,und Papier ist auch das einzige Erzengniß Koreas , dasin großen Mengen nach China ausgeführt wird. DieHerstellung ist eine sehr einfache. Bei der Stadt Söul am Flusse steht eine Hütte neben der andern, worinPapier gemacht wird. Papier und Lumpen werden zuerstin Bottichen durch fließendes Wasser dnrchgewaschcn,dann in langen hölzernen Trögen von Männern mitbloßen Füßen zu Brei zermalmt. Dann bringt manden Brei in große hölzerne Behälter mit lauem Wasserund trägt ihn hier auf Bambusmattcn gleichmäßig auf,diese trocknet man in der Sonne, bis sie hart sind.Dann schneidet man die Bögen in Streifen und behan-delt diese wieder, wie das erstemal, nur gibt man zudem Wasser diesesmal Samen und Wurzelstück einerPflanze, dieTakpool", d. h. Stärkeholz, heißt. Dadurchwird das Wasser schleimig, und das Papier erhält seinenTon und seine Haltbarkeit. Nun trocknet man die Bögenwieder und klopft sie auf Granitplatten mit hölzernenSchlegeln, bis sie die gewünschte Dünne oder, wennman mehrere über einander gelegt hat, die verlangteDicke haben. Dann werden sie noch weiter getrocknetund wandern dann zusammengefaltet in die Vorraths-kammer. 10 bis 11 Arbeiter fertigen am Tag 250solche Bögen, 4' Fuß lang und drei Fuß breit, einBogen kostet an Ort und Stelle 250 Kash oder 23 Pfg.Früher wurde in Deutschland auf ähnliche Weise Papier hergestellt, das sog. Büttenpapier, es fand aber nichtdie vielfache Verwendung, wie bei den Bewohnern Koreas ,die darin ganz besonders erfinderisch sind.

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Des Zauberers Rache. Ein Ungar, der derVorstellung eines amerikanischen Zauberkünstlers beige-wohnt hatte, sprach nach Beendigung derselben im Cafvlaut und heftig gegen den Künstler und meinte, dieungarischen Zauberkünstler seien viel bedeutender. DerAmerikaner, der zufällig zugegen war, verständigte sichschnell mit dem Kellner, trat dann zu dem Ungarn undsagte:Ich bin der Zauberer, von dem Sie eben sprechen.Sie halten mich für unbedeutender, als die ungarischenTaschenspieler, weil ich weniger durch die Hand, als durchBenutzung der wunderbaren Kräfte der Natur zu wirkenversuche. Aber ich kann, wenn ich will, viel größereTricks ausführen, als einer der jetzt lebenden Kollegen,ich kann das Unmögliche wahr machen. So z. B. werdeich Ihnen sogleich, ohne alle Vorbereitung, eine Ohrfeigegeben, und der hinter Ihnen sitzende Kellner soll vorSchmerz laut aufschreien, während Sie selbst nichts davonempfinden!"Das wollen wir sehen?" erwiederte dererstaunte Ungar. Als er und der Kellner sich vorschrifts-

mäßig placirt halten, machte der Amerikaner die Um-stehenden noch einmal darauf aufmerksam, daß er durchausnicht vorbereitet sei, und versetzte hierauf dem Ungarn eine derbe Ohrfeige. Sogleich sprang der Kellner hinterihm aus, hielt sich die Backe und schrie laut vor Schmerz.Der Ungar aber sprang ebenfalls sogleich auf und rieffreudigen Tones der Gesellschaft zu:Hob' ich gleichg'sagt, daß Zauberer nix versteht! Hob' ich Ohrfeigenauch g'spürt!"

Ein soeben bei Trewendt in Breslau erschienenesBuchDer Sprachwart" von Theodor von Sosnosky liest unter Anderm verschiedenen älteren und neuerenDichtern und Schriftstellern den Text. Wobei wir indessenals mildernden Umstand betonen, daß künstlerische Phan-tasie allzu leicht über die Schranken gemessenen Erwägens,die der Sprachphilister ängstlich innehält, hinüberträgt.Aber was zu arg ist, ist zu arg. Da heißt es:Erwar wie eine vereiste Flamme geworben." (Alfred Fried-mann.) Der Untersberg lag ihm gegenüber wie einHaufen Nichts, wie der Schatten einer Leiche. (Wilbranöt.)Der Mond, der bleiche Scelcnhirt, trieb seine Schafevor sich her (Alfred Fricdmanu). Das größte Sünden-register aber haben selbstverständlich die Jüugstdeutschen;so sagt Hcrrmami Bahr in seinerGuten Schule":Strauchelnder Athem",sich sträubendes Mark",einsteil schreiender Held",das freche Näschen, das mitdem Gesicht nicht gleichen Schritt halten wollte, sonderneigensinnig seine eigenen Pfade seitwärts trabte" u. dgl. m.

Schachaufgabe.

Von H. und E. Bellmann.Schwarz.

Weiß zieht an und setzt niit dem 2. Zuge matt.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 12:

Weiß. Schwarz.

1. T. S565 66 65

2. T. 05§5 05-64

3. S. M63 s- K. L4V4

4. T. §5-1)5 -j- Matt.