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hellenische Knnsteinflüsse bauten — über die mamer-tinischen Gefängnisse und die Oloaoa Nuximunicht weit hinausgekommen. Ein Hineinfallen in die letzterekonnte im späteren Norn übrigens mit Leichtigkeit quittgemacht werden, da ja die vielen Bäder und Thermen,welche in allen Stadttheilen entstanden, es ermöglichten,alsbald wieder makel- und fleckenlos unter den Mit-bürgern zu erscheinen. Man wird leicht begreifen, warumauch in den großen Städten der Gegenwart die Dring-lichkeit der Errichtung von Bädern und Waschanstaltenso häufig Betonung findet.
Der übernommene künstlerische Nachlaß Griechenlands zeigt sich in Rom am deutlichsten in der immensen Zahlantiker Statuen, welche die vielen Museen bergen. Be-kanntlich hat Schiller im Hinblick auf die Antiken ein-mal gesagt, daß dieselben den Wandalen Stein seien. Zugewissen Zeiten find sie übrigens auch den Römern nichtsanderes gewesen. Man denke doch an jenen Hagel präch-tiger Statuen, den im Jahre 537 die bedrängten Römerund Byzantiner von der Höhe des Hadrianeums auf diestürmenden Gothen niedergleiten ließen. Damals flog jaauch unser werthvoller „Barberinischer Faun" garunsanft auf die Köpfe der Stürmenden, um einige vondiesen zu unfreiwilligen Genossen seines immerdauerndenSchlafes zu erküren. Daß die Antiken bei solcher Ver-werthung und Behandlung selbst oft Köpfe, Arme undBeine einbüßten, ist sehr erklärlich, und es hatte daherIn der Renaissance, als man förmlich nach Antiken schürfte,mancher Bildhauer vollauf zu thun, dieser oder jenerantiken Gottheit wieder auf die Beine zu helfen. Dieehrenwerthen Olympier konnten sich wirklich gratulirenzu den chirurgischen und orthopädischen Erfolgen, die daan ihren ewig jungen Leibern von geschickten Menschen-händen nicht selten erzielt worden sind. Manchmal fielendie neugeschaffenen Glieder so gediegen aus, daß auch derursprüngliche Schöpfer des Werkes dieselben wohl kaumbesser hätte herstellen können. Hat man sich z. B. dochsehr lange besonnen, ob man nach verspäteter Auffindungder wirklichen Beine des Farnesischen Herkulesdiesem dieselben zustellen solle oder nicht. Waren ja dievon Guglielmo della Porta inzwischen gefertigten Ersatz-füße so ausgezeichnet gerathen, daß, wenn Herkules selbstzu bestimmen gehabt, er hinsichtlich der Wahl vor einenneuen schwierigen Scheideweg sich gestellt gesehen hätte.
(Fortsetzung folgt.)
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Die Kapuziner in Lindan.
Es war vor etwas mehr als einem Jahre, dawurde mir einmal in Bregenz ein Marienbild gezeigt,das sich auf ein Kapuzinerkloster in Lindau bezog. Der-jenige, der mir das gar nicht üble Bild zeigte, fragtemich, ob ich denn etwas darüber wüßte. Ihm sei dieSache ziemlich neu. Ich wußte damals nur, daß ander Achbrücke ein Kapuzinerklösterchen gestanden war,das gelegentlich der Belagerung Lindaus durch die Schwe-den zerstört worden war. Was ich nun weiters fand,ist der Inhalt der folgenden Abhandlung, wobei ich gleichanfüge, daß meine Hauptquelle die von Pater Romualdbearbeitete und in Kempten 1747 herausgekommene Ge-schichte der Kapuzinerprovinz von Vorder-Oesterreich ist.Benützt ist weiter „Lindau vor Altem und Jetzt" vonBoulan.
In Lindau hatte mit dem Jahre 1524 die Refor-mation begonnen und sich rasch immer weiter ausgebreitet.Schon 1530 hatte Lindau mit Constanz, Straßburg undMemmingen beim Reichstag zu Augsburg eine besondereConfession: die 4 Städte-Confesfion, übergeben. Katholisch blieb nur das Stift und seine Angehörigen. WaSWunder, wenn Stift und Stadt gar häufig in allerhandStreitigkeiten verwickelt wurden.
Da gab es auf einmal im Jahr 1626 Streit beider Bürgerschaft. Der protestantische Bürgermeister Müllerwollte sein Haus an den katholischen Grafen Fuggerverkaufen, was ihm vom Magistratus nicht zugelassenwurde, ebenso wollte der ehrsame Rath die Privatbeichteeinführen — das führte zu argen Händeln selbst in derKirche.
Die Sachs ging für die Stadt schlimm aus, denn1628 wurden Graf Hugo v. Montfort u. der Bischof vonConstanz nach Lindau als Exekutions-Commission geschicktmit allerhand Aufträgen, von denen uns zwei zunächst in»teressiren. Einmal wurde eine kaiserl. Strafgarnison indie Stadt gelegt, und dann sollte die Commission weitersallen möglichen Fleiß anwenden, daß die §rntrs3 rainoresOrä.L.krauoisoi wieder zu dem Gotteshaus u.Einkommengelangen, so ihnen anno 1528 entzogen worden sein solle, siein ihrem Ordensberuf und katholischen Exerzitiis unturbirtzulassen. Der kaiserliche Erlaß datierte vom 16. Febr. 1628.
Schon 1624 war eine kaiserl. Commission erschienenund hatte Ansprüche auf das alte Barfüßer-Kloster er-hoben, um dasselbe den Kapuzinern zu übergeben. I«selben Jahre hatte nämlich die Fürstäbtissin MariaChristina beschlossen, geistliche Männer in die Stadt ein-zuführen, damit dadurch das Stift und seine Diener,sowie andere Katholiken in der Stadt der hl. Dienstederselben genießen könnten. Die Väter der Kapuziner-provinz, denen die Sache einleuchtete, brachten im Vereinmit anderen einflußreichen Männern die Angelegenheitvor den Kaiser und berief die Kommandantschaft deroben erwähnten Strafgarnison eine Kapuzinerkolonienach Lindau als nothwendig für die Ausübung derDienste der Religion. Obigem nach scheint man dabeizuerst an das alte Barfüßer-Kloster gedacht zu haben.Pater Romuald erzählt indessen, daß ein LindauerBürger, der vom Protestantismus zum Katholizismusübergetreten war und deswegen viel zu leiden hatte,sein Haus den Katholiken zum Kauf angeboten habe,um fortzuziehen. Indessen ging es hier wie bei demMüller'schen Verkauf. Man wollte denselben von gemeinerStadt Satzung wegen nicht zulassen und suchte sichmit Aufbietung aller Kräfte zu widersetzen. Beiderseitswurde die Sache vor den Kaiser Ferdinand II. gebracht,welcher den Deutschherrn-Erz-Komthur von AltshansenJoh. Jakob Freiherrn v. Stein als Commissär beorderte.Dieser wickelte die Sache zu Gunsten der Kapuziner abund gab dem Rath davon Bescheid, der sofort neuerdingsprotestirte. Der Kaiser, sehr aufgebracht, instruirte denCowmiffär noch knapper unter Androhung kaiserlicherStrenge und stellte zudem den Freiherr von Raitnan zuHöfen als Sachwalter im erwähnten Anwesenskauf auf.Da bewilligten die Lindauer den Verkauf, und nachRomuald 1630, nach Boulan schon 1629 und zwaram 28. April mußten sie den „Spectacul" erleben,daß die kaiserliche Commission von Bregenz her mitgroßer Anzahl Volks, geistlichen und weltlichen Personen,zum Stadtthor herein und durch die Stadt in die „Jn-
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