Ausgabe 
(23.2.1894) 16
Seite
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sul" zog. Ein großes Kreuz wurde von 32 Mann inweißen Hemden werden wohl Alben und Chorröckegewesen sein getragen und in der Jnsul bei AndreasEggers Torckel mit großer Feierlichkeit aufgerichtet. Eswurde der Grundstein gelegt, eine Kapelle gebaut, nachweiteren Vereinbarungen mit den Lindauern das auf-geführte Haus bezogen und mit den geistlichen Exercitienbegonnen. Unterm 20. Oktober 1630 nahm der Kaiserdas Kloster und seine Insassen in seinen speziellen Schutzund bedrohte Zuwiderhandelnde mit der schweren Geld-strafe von 30 Gulden. Bald aber fanden die Kapuzinerden Platz selbst nicht mehr geeignet, hauptsächlich mitRücksicht auf die andersgläubige Nachbarschaft, weshalbsie beschlossen, sich außerhalb der Stadt anzukaufend. h. ihr bisheriges Anwesen gegen ein außerhalb derStadt gelegenes zu vertauschen. Diesem Haustansch,dem der Erzkomthur beigestimmt hatte, widersetzte sichder Magistrat sofort wieder mit ganzer Kraft. Erstdem an Stelle des Erzkomthurs zugezogenen JuristenAlbert Eberhard gelang es, die Liudauer durch Vor-führung aller Gründe umzustimmen. Jetzt errichtetendie Kapuziner vor der Stadt im sog. heil. Gut ein neuesGotteshaus und nahmen den Bau eines Wohnhausesernstlich in Angriff. Als die Arbeit schon ihrer Vollendungentgegen sah, wurden sie durch die Ankunft einer schwedi-schen Heeresabtheilung auf die unangenehmste Weisegestört. Als Gustav Horn mit seinem Heer heranmar-schirte, erschienen plötzlich im Oktober 1633 schwedischeReiter vor der Stadt, machten die erste Schildwachtnieder und hätten den damaligen Kommandanten OberstKönig, der bei den Kapuzinern die Messe hörte, beinahegefangen. Er wurde aber rechtzeitig von dem damaligenGastwirth zur Taube Namens Graf gewarnt und ent-kam glücklich nach Lindau . In Folge davon ließ derKommandant, auch von der Erwägung ausgehend, derFeind möchte zur Eroberung der Stadt hier einen Stütz-punkt finden, wie richtig seine Ansicht war, werdenwir später noch bewiesen sehen,dieKirche untergrabenund alle nächstgelegenen Häuser verbrennen. Die Stadtmußte den Kapuzinern eine Wohnung innerhalb ihrerMauern einräumen.

Nachdem die Schweden aber wieder abgezogen unddie Gefahr beseitigt war, verlangten die Kapuziner ihraltes Eigenthum wieder und wandten zur Wiederher-stellung des Gotteshauses alle Mühe auf. Nun wargerade eine furchtbare Theuerung, derartig, daß dieMenschen Gras aßen, aus Eicheln, gemengt mit Staubu.Grüsch auch Linsenmehl wurde Brod gemacht; Hunde,die beim Wasenmeister geholt und als Delikatessen ver-speist wurden, und Katzen galten als Wildpret. Seuchenund Krankheiten rafften aus dem Stadtgebiet an 800Menschen weg.

Dazu kamen fortwährende Kriegsstenern, so daß diePatres der Provinz zur Wiederherstellung von Kücheund Kloster Zuschuß gewähren mußten. Dabei dachtensie aber schon an einen dritten größeren Platz und be-zeichneten hiefür die Nähe des kaiserl. od. städt. Zeug-hauses als passend. Zu dem Zweck sandten sie 2 Pa-tres der Provinz zu Kaiser Ferdinand III. als Vertreter, diemit Empfehlungs-undVefürwortungsschreiben einiger hoherHerren versehen waren. Sie entledigten sich ihres Auf-trages mit großer Geschicklichkeit. Der Kaiser gewährtein seinem Eifer für den Katholizismus ihren Wunschund stellte mittels kaiserlichen Diploms den schon er-

wähnten Freiherr« von Stein als Commissär auf. Erhatte den Auftrag, die Stadt dafür zu gewinnen, einenin jeder Beziehung geeigneten Platz in der Stadt zurErrichtung eines Kapuziner-Klosters abzugeben. Die Ka-puziner seien Willens, Niemand lästig zu fallen. Ineinem Schreiben vom 4. November 1638 suchte er diesmittels eines in den schmeichelhaftesten Worten abge-faßten Schreibens beim Lindauer Magistrat durchzusetzen.Der Commissär verwandte alle Sorgfalt auf die Durch-führung der kaiserlichen Absicht und zog noch den Obersteneines schwäb. Kreis-Negiments, Ferdinand von Handel,bei. Der Lindauer Rath ging aber hierauf nicht ein,suchte vielmehr die Sache ohne Rücksicht auf den Kaiserzu verhindern, so daß schließlich der Erzkomthur jedeHoffnung auf günstigen Ausgang aufgab und den Patreshievon Mittheilung machte. Diese sahen ein, daß sienichts ausrichten, am Ende nur das bisher Besesseneauch noch verlieren würden, und verwandten wieder allesauf Wiederherstellung von Kloster und Kirche außerhalbder Stadt.

Da legte sich die Fürfläbtissin in's Mittel undwünschte, daß die Kapuziner in die Stadt übersiedelnmöchten, aber die Lindauer protestierten wieder undwollten die Kapuziner aus der Stadt ausgeschlossen wissen.(22. Mai 1640.) Nun wandte sich die Aebtissin an denKaiser, und dieser beauftragte jetzt den neuernanntenGouverneur Max Willibald Truchseß Grafen von Wolf-egg, Sorge zutragen, daß den Kapuzinern innerhalb derStadt ein Haus fundiert würde und die Patres inruhigem Besitz desselben bleiben könnten.

Die Kapuziner selbst aber vertrauten auf das kai-serliche Reskrjpt und den Schutz des Gouverneurs undführten den Ausbau ihres angefangenen Klosters fastseiner Vollendung entgegen.

Da ertönte neuerdings Waffeulärm. Da und dortherumschweifende Truppenabtheilungen der Schweden ließen sich sehen und die Patres mußten 1647 von ihremWerke abstehen, da Wrangel am 4. Jan. dieses Jahresdie Belagerung Lindaus in der Hoffnung, die Lindauerwürden aus Freundschaft wegen der gemeinsamen Religionkeine, so hartnäckige Vertheidigung leisten, begann. Dersehr rührige und heldenhafte Gouverneur machte, unter-stützt von dem ihm beigegebenen Oberstlieutenant Baronvon Crivelli, diese Hoffnung glänzend z' Schanden. Erzwang durch seine Autorität die Bürger zu ihrer Pflichtund vereitelte durch seine Kriegsfertigkeit die Eroberung.Zweifelsohne war Graf Wolfegg dazu bestimmt, derSiegeslausbahn Wrangels ein Ziel zu setzen, und seinseltenes Glück bewirkte, daß sowohl der Anfang alsder weitere Verlauf des Wrangel voraussichtlich günstigenJahres sich ungünstig gestaltete, so daß der ^Schwedemit Schimpf und Schande abziehen und dem FeindeStadt und Siegcspalme lassen mußte. Wrangel hatte3 Batterien aufgeworfen und das Schänzlin an derBrücke vergeblich gestürmt. Eine Batterie von 9 schwerenund leichten Geschützen und 1 schweren Mörser war imKapuziner -Kloster etabliert worden. Das Klösterlcinwar wiederum auf Befehl des Kommandanten gänzlichzerstört und verbrannt worden, k. Romuald weiß zwar,daß ein Lindauer Bürger in die Kirche die Brandfackelwarf, ohne daß er hiezu Befehl erhalten hatte. Ueberdie Wirkung der Geschosse erzählt k. Romuald, daß dieKugeln hauptsächlich dem Stift gegolten, trotz Correkturaber ihr Ziel nicht erreicht hätten. Sie schlugen in die