Ausgabe 
(23.2.1894) 16
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Kirche (Stefanskirche) und Häuser der Lutheraner undrichteten dort ungeheueren Schaden an.

Wetters erzählt er folgende Episode:

Es war im Gasthof z. Krone eine kathol. Köchin,welche einstens ihre Herrin verwundert fragte, warumalle Kugeln, auch diejenigen, welche direkt auf die kath.Kirche gerichtet waren, diese nicht beschädigten, aber umsoverderblicher gegen die Kirche und die Häuser derLutheraner wirkten. Die Dienerin antwortete ihr: Dasist nicht zum Verwundern. Der kathol. Kirche kannaus dem Grunde nichts Widriges zustoßen, weil dieKapuziner und die Katholiken dort vor dem AllerheiligstenTag und Nacht auf den Knien lägen und in größterInbrunst zu Gott beteten. Nachdem die Frau diesgehört hatte, beauftragte sie ihre Köchin, den Kapuzinernein sehr reichliches Almosen zu bringen und dieselben inihrem Namen zu bitten, auch für sie und ihr Haus dasAllerheiligste anzuflehen. Die Kapuziner sandten Grußund Dank zurück und versprachen nach ihrer Intentionzu Gott zu beten. Und siehe da, fürderhin stieß diesenHäusem kein Unheil mehr zu.

Nach Aufhebung der Belagerung stellte man dieRuinen und Befestigungen wieder her, und auch dieKapuziner waren nicht müßig, ihr Areal zu reinigen,die verbrannte Kirche wieder aufzubauen und den Gartenanzupflanzen.

Doch oh weh! im Jahre 1649 wurden im west-fälischen Religionsfrieden katholikenfeindliche Bestimm-ungen veröffentlicht, in Folge deren die religiösen Ver-hältnisse auf den Standpunkt zurückgeführt wurden, inwelchem sie sich am 1. Januar 1624 befunden hatten.Die Lindauer zeigten sich zur Annahme und Danach-handlung dieser Artikel mehr als willfährig und verkün-deten den Kapuzinern durch Notar und Zeugen am 17.Nov.1648 in Uebereinstimmung mit diesen Beschlüssen dieAusweisung. Darüber entstand ein heftiger Streit, obdie Kapuziner diesem Friedens-Artikel unterworfen wären.Wiederum verwenden sich die Landkommentur von Alts-hausen und die Patres der Provinz beim Kaiser, deram 26. Febr. 1649 schreibt, die Kapuziner auch ferner-hin zu belassen. Ebenso protestiert wiederum die Aebtissin,die die Kapuziner wieder als Beichtväters des Stifteshaben will. Hitzig wird hüben und drüben von Rechts-kundigen beider Confesfionen gestritten, die Entscheidungdes Streites wird katholischen und lutherischen Schieds-richtern überlassen. ?. Nomuald gibt selbst zu, daß dieersteren ihrer Aufgabe sich nicht gewachsen zeigten undsich die Sache nicht angelegen sein ließen, und so wurdedie Sache gegen die Kapuziner entschieden. Diese packtenihre Habe zusammen, nachdem ihnen die Stadt denKaufpreis für ihre Güter abgelöst hatte, schüttelten denStaub Lindaus von ihren Füßen und verließen dieStadt. Vorher hatten sie sich noch das kaiserliche Dekreterwirkt, ihr Exerzitium beim Stift ausüben zu dürfen,so oft sie von der Fürstäbtissin für geistliche Funktionenbegehrt würden.

Ihr Abzug war für alle Zukunft merkwürdig. Alsdie Nachricht von ihrer Ausweisung zu den Ohren derlutherischen Frau des Bürgermeisters Habisreutingerdrang, rief diese hochentzückt aus:Wann und wiebald wird sich diese hocherfreuliche Neuerung vollziehen,daß diese bebarteten Menschen aus der Stadt hinaus-geworfen werden. Sobald dies geschehen wird, werdeich im Uebermaß der Freude sterben.* Gesagt, geschehen!

Die Rache Gottes machte diese Prophezeiung zur Wahr-heit! Sobald die kaiserliche Garnison die Stadt verließ(September 1649), entfernten sich mit ihr die Kapuziner .Unter anderweitigen Zuschauern befand sich auch oben-erwähnte Frau, die beim Anblick der in die Verbannungziehenden Kapuziner in einen Lachkrampf verfiel, durchdessen Heftigkeit sie eine Frühgeburt machte und denGeist aufgab. Dieses traurige Ereigniß überstieg dasUebermaß der Freude, und die Lindauer Bürger hobensogar das Recht, daß die Kapuziner das Damenstiftbetreten dürften, so oft sie für geistliche Verrichtungendort benöthigt seien, auf und wollten sie für immer ausder Stadt verbannt wissen. Ohne jegliche Rücksichtnahmeauf den auf eine Beschwerdeschrist der Fürstäbtissinunterm 14. Dezember 1649 erfolgten kaiserlichen Erlaßverboten sie den Eintritt. Die Stadt hatte vorher demKaiser durch Dr. Valentin Heider Bericht erstattenmüssen. Dieser vertrat auch die Stadt bei einer Zu-sammenkunft in Nürnberg , -deren Bestimmungen durchdie kurfürstl. Mainzische Kanzlei am 31. Jan. 1650gesetzmäßig veröffentlicht wurden. In Folge dieser Publi-kation wurde den Kapuzinern das freie Recht, das Damen-stift zu besuchen, eingeräumt, aber sofort stemmten sichdie Lindauer mit aller Macht dagegen und verbotendurch öffentlichen Anschlag an den Thoren der Stadtden Kapuzinern den Eintritt auf das Strengste. Ob-wohl Heider selbst zu einem Vergleich rieth, ein neueskaiserliches Reskript die Kapuziner nicht zu behelligenund den Beschluß ungiltig zu erklären erschien, legtensie dem allem keinen Werth bei, verharrten in ihrer Hart-näckigkeit und erneuerten vielmehr das Verbot, das siehätten aufheben sollen. Sogar im Stift beabsichtigtensie durch dies Vorgehen die katholische Religion allmäh-lich auszurotten. Da legte sich das Stift wieder in'sMittel, die Neichs-Nitterschaft verwandte sich beim Kaiser,ersteres appellirte zugleich, und nun sandte der Kaiserein sehr scharf gehaltenes Mandat und lehrte die Lin-dauer unter Androhung der kaiserlichen Acht und andererStrafen, den kaiserlichen Adler fürchten und ihm gehorchen.Seit dieser Zeit ward den Kapuzinern der Zutritt zumLindauer Damenstift gewährt und bestätigt, und siebedienten sich dessen bis zur Säkularisation des Stiftes1802. Von da an pastorierte Stiftsvikar Stäudelin alserster Pfarrer die ehemalige Stiftskirche als Pfarrkirche.

LI. L. v. L.

Zahlenräthsel.

1 4 8 8 eine deutsche Stadt,

2 8 3 7 8 ein gewaltiges Gebirge,

3 4 8 Fluß in Osteuropa ,

4 1 mächtiger Strom,

5 6 2 3 7 Stadt in Hannover ,

6 2 8 8 2 eine Insel in fernen Meeren, eine Stadt in Ost-

indien und in einem kleinen deutschen Fürstenthum,

7 6 4 8 englisches Städtchen, berühmt durch seine Schule,

8 2 1 Nebenfluß eines großen europäischen Stromes,

3 2 8 Fluß in Nordamerika und Stadt in Palästina,

7 5 7 8 5 Stadt in Ostfrieölanv.

Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichneneinen beliebten Badeort.

Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 15:Was du thun willst, thue bald.*

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