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Tages, und viel, sehr viel durften dieselben dort sicherlauben. Hätten in Italien Richter und Polizei immerso prompt gearbeitet, wie dieses in Deutschland von jeher der Fall gewesen ist, die Kunstgeschichte hätte viel-leicht manch' berühmten Namen nicht zu verzeichnen, zumMindesten hätte die freie Arbeitszeit mancher Kunst-beflissenen recht häufig eine unliebsame, gesetzliche Schmäle-rung erfahren. Sind wir doch froh, daß man einemBenvenuto Cellini, einem Salvator Rosa und noch manch'Anderen so viel durch die Finger gesehen! Daß denKünstlern trotzdem nicht allzu wohl wurde, dafür sorgteschon damals der collegiale Geist. Gegen die Zerwürf-nisse und Handgreiflichkeiten damaliger italienischer Meistersind die Streitigkeiten heutiger Pariser und MünchenerKünstler die reinsten Geßner'schen Idyllen.
Am unbehaglichsten muß es in dieser Hinsicht im15. und 16. Jahrhundert im schönen Florenz zu-gegangen sein, wo, gewissermaßen als Schlußstein einer
Wert in gen. Wenn es auch abseits der großen Ver-kehrsadern liegt, so verdient es doch auch wegen derRührigkeit seiner Bewohner Berücksichtigung.
Das Städtchen ist schon sehr alt und war früherin den Händen vieler Theilhaber. Nach einer Bestätigungs-Urkunde von Bischof Walther in Augsburg sollen dieBrüder Wilhelm und Arnold von Biberbach im Jahre1145 das Augustiner -Nonnenkloster Weyhenberg gestiftethaben. Die Schirmvogtei haftete damals auf der BurgHohenreichen. Das Kloster wurde 1448 wieder aufgehobenund die Besitzungen desselben dem Spitale in Dillingen einverleibt. (Vom Maier- und Reutenhof in Wertingen bezog dieses Spital noch lange Gilten und Zehnten.)Die Herrschaft Wertingen mit Hohenreichen kam als einErbe des Hohenstaufen Conradin an dessen Onkel HerzogLudwig den Strengen von Bayern, indem in dessen Sal-buch vom Jahre 1275 darüber Erwähnung geschieht. 1279erhielt ein Hildebrandt von Druisheim Hohenreichen als
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Unterredung zwischen den städtischen Baumeistern, derhochberühmte Herr Brunelleschi einmal von seinenFachgenossen die stattliche Rathhaustreppe herabgeworfenworden ist. Boshafte Florentiner, welche den also Be-förderten am nächsten Tage begrüßten, sollen die neueArt von „Steinmetzzeichen" bewundert haben, welcheSignor Brunelleschi an Stirne und Nase zur Schautrug. — Merkwürdigerweise sind seit jener Zeit die alten— nur für die Steine berechneten — Steinmetzzeichen,ohne die man sich im Mittelalter kein Denkmal und keineBauhütte denken konnte, vollständig aus der Mode ge-kommen. (Schluß folgt.)
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(mit Ansichten des früheren Schlosses, worin sich jetzt daskgl. Bezirksamt und das kgl. Amtsgericht befindet und derPfarrkirche auf Seile 120 und 121).
W. Nordwestlich unserer Kreishauptstadt Augsburg ,5 Stunden nur von derselben entfernt, liegt im freund-lichen und fruchtbaren unteren Zusamthale das Städtchen
Lehen . Die Truchsessen von Reichen verkauften ihr Besitz-thum 1348 an den Augsburger Bürger Johann Langen-mantel, welcher in der Stadt Wertingen ein Schloß er-baute. (Das neuere Schloß, d. i. der vordere Theil, stehterst seit 1654 und ist an das andere angebaut.) Nach-dem in den Fehden jener Zeit Wertingen zweimal (1388und 1462) abgebrannt worden war, verkauften die Langen-mantel 1467 die Stadt und Herrschaft an den ErbmarschallMang zu Hohenreichen. Dieser erste alleinige Herr vonWertingen verlegte 1557 seinen Wohnsitz von der BurgHohenreichen nach Wertingen , wonach das Schloß in Hohen-reichen einging und Anfang dieses Jahrhunderts ganzabgetragen wurde. Die Truchsessen von Reichen schriebensich, nachdem sie die Grafschaft erlangt hatten, Marschällevon Pappenheim. Zu jener Zeit war Wertingen in eineinnere und äußere Herrschaft abgetheilt. Zur inneren ge-hörte die Stadt Wertingen mit den drei Ortschaften Gott-mannshofen, Geratshofen und Reatshofen, zur äußeren:Hohenreichen, Frauenstetten, Wortelstetten , Asbach, Possen-ried, Neuweiler, Hinterried, Neuschenau und Hirschbach.