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wurde, mit nur 8l) Mann einen Angriff auf 600,die zufällig in den Weg ihm kamen, zu wagen und zu ge-winnen, wobei viele Gefangene und 400 gesattelte Pferdeihm in die Hände fielen. Seine Feinde zu zählen, fielSpork niemals ein! Noch unglaublicher klingt deßhalbdie Thatsache , daß ein paar Jahre später er mit derselbenTollkühnheit und keiner größeren Neiterschaar ein fliegen-des Corps von zwei Regimentern zu Pferde, drei Regi-mentern zu Fuß und einem Regiment Dragoner — zu-sammen mehr als 5000 Mann — überfiel, blindlingsseiner Tapferkeit und seinem Glücksstern vertrauend, undwirklich glückte ihm der tolle Streich! Eine Standarteund 300 Pferde wurden erbeutet, 50 der Feinde ge-fangen, 100 getödtet. Freilich erhielt Spork bei diesemhitzigen Gefecht einen Denkzettel für's ganze Leben: eineböse Schußwunde am linken Auge nämlich, die lange ihmzu schaffen machte und eine bleibende Verunstaltung inseinem Gesichte als Andenken zurückließ!
Nachdem Spork im treuen Dienst der Neichsparteiwährend des ganzen dreißigjährigen Krieges sich ausge-zeichnet und bis zum Oberst seiner fliegenden Neiterschaarim bayerischen Werth'schen Negimente, einer Art von Frei-Corps, es gebracht, trat er kurz vor Beendigung desKrieges in das kaiserliche Heer, wo er zum General er-nannt ward und erst recht zu Ehren kam, besonders alsseine Neiterschaaren1664 den Sieg des österreichischen Heeresüber die Türken in der großen Schlacht bei St. Eotthard,trotz der großen Uebermacht des Feindes (250,000 Türkengegen 37,000 Kaiserliche iucl. Hilfstruppen!), entschieden.
Als die türkische Streitmacht auf die deutschen Truppeneindrang, soll Spork mit entblößtem Haupt vom Pferdgesprungen sein, um — vor seinen Regimentern nieder-knieend — laut zu beten: „Allmächtiger Generalissimusdort oben, willst Du heute uns, Deinen christgläubigenKindern, nicht helfen, so hilf nur wenigstens den Türken-hunden nicht, und wir wollen schon mit ihnen fertig werden!"
Und er wurde mit ihnen fertig! Der Kaiser aber er-hob den früheren westfälischen Kuhhirten zum Neichsgrafenund machte ihm reiche Besitzungen in Böhmen zum Ge-schenke. Da nun der neue Graf, dessen Wappen auseinem abgesäbelten Türkenkopf bestand, bekanntlich nichteinmal schreiben konnte, so lernte er wenigstens jetzt seinenNamen kritzeln und unterzeichnete fortan: „Spork — Graf",indem er die Bemerkung: daß man eigentlich doch um-gekehrt „Graf Spork" sage, auf gut plattdeutsch durch dieschlagende Erklärung widerlegte: „Ei watl ick was eherSpork aes Graf!" (Ei was! ich war eher Spork alsGraf!")
Im Jahre 1670 zum Feldmarschall ernannt, holteSpork als schon Siebenzigjähriger neue Siege und neueLorbeeren sich in Ungarn, am Rhein gegen Turenne usw.,und als endlich bei zunehmendem Alter er den Dienstguittiren und von seiner geliebten Kavallerie Abschiednehmen mußte, die ihm so an's Herz gewachsen war, wieer ihr, da — weinte er, der eisenfeste alte Haudegen,weinte heiße Thränen, und so innig hing das Heer anseinem greisen Feldherrn, daß Alle wie ein Mann sichin Bewegung setzten, um, als zum letzten Male er grüßendihnen zuwinkte, das Ehrengeleit ihm zu geben.
Graf Johann von Spork zog für den Rest seinesLebens auf sein Schloß in Böhmen : „Herman-Mestiz"sich zurück als ein — noch dazu für damalige Zeitverhült-nisse — sehr reicher Mann, indem er, der einstige Kuh-hirt, Eigenthümer von 7 Herrschaften mit ausgedehntem
Grundbesitz und einem Jahreseinkommen von 50,000Neichsthalern (150,000 Mark) war!
Spork war zweimal verheirathet: in erster Ehe miteinem reichen hessischen Freifräulein, Anna Margarethavon Anfingen, die — nach dem Brauche jener Zeiten —muthig und getreu ihm in's wildbewegte Gewühl desLagerlebens folgte, und später, nach ihrem Tode, alsSechzigjähriger mit dem mecklenburgischen FreifräuleinEleonore Marie Katharina von Ftneck, aus gleichfallsaltadeltgem Geschlecht.
Trotzdem vergaß er seine erste Liebe nicht! Als seinekriegerischen Züge ihn 1674 nach Westfalen , seiner Hei-math, führten, besuchte er, der niemals seiner niedrigenGeburt sich schämte, auch sein Vaterhaus, den „Spork-Hof", um ein paar Stunden dort bei den Seinen zu ver-leben. Als er, der berühmte Mann und hohe Krieger,mit glänzendem Gefolge angeritten kam, ward er ander Thür des elterlichen Hauses von einem seiner Brüderund dessen Familie empfangen und bewillkommnet, unddamals soll's gewesen sein, daß er die hübsche Grethewieder sehen wollte, die — nun längst eine alte runzeligeBäuerin geworden — in der üblichen Landestracht dor-tiger Gegend vor dem einst so schnöde abgewiesenen unddann so hoch gestiegenen Liebhaber erschien.
„Grethcheu, wer es geahnt hätte," sprach dieser scherzendin Anspielung darauf mit gut westfälischem Dialekt, alser ihr kräftig die Hand zur Begrüßung schüttelte.
«Ja Johanuchenl Wer das gewußt hätte!" erwidertelächelnd das einst so schöne Gretchen, das auch nicht aufden Kopf und Mund gefallen war.
Ehe Johann Spork die alte Heimath wiederum ver-ließ, erwirkte er vom Fürstbischof von Paderborn , daßdie Bewohner seiner Geburtsstätte fortan von Leibeigen-schaft, Schätzung und Abgabe befreit wurden.
Er starb im Jahre 1679, fast 80 Jahre alt, undheute noch leben in Oesterreich Nachkommen von ihm, deres aus eigener Kraft vom Kuhhirten bis zu den höchstenkriegerischen Ehren und Würden brachte, als echte Illu-stration jener kriegerischen, buntbewegten Zeit, von welcherSchiller in seinem „Wollenstem" sagt:
„Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,
Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht."
Herr Rudolf Betz, Ncichsschullehrer in Kamerun (Bonebela), der gegenwärtig einen halbjährigen Urlaubin der lieben Heimath zubringt und auf einige Tageauch seine Jugend- und Studienfreunde in Nottweil be-suchte, hat einem Freunde des „Schwarzwälder Boten"eine Schilderung über die Verhältnisse und seine Wirk-samkeit in Kamerun gegeben, aus der wir folgendes ent-nehmen :
Die Duallastadt, in der sich seine Schule befindet,liegt 45 Kilometer vom Meer am Kamerunfluß, der dortdie respektable Breite von 7 Kilometer erreicht, und ist3 Stunden von der andern Duallastadt entfernt, wosein Kollege Christaller den BaculuS schwingt und wodas Gouvernement seinen Sitz hat, wie auch der Ober-häuptling King Bell. Unter etwa viertausend Bewohnernist Betz der einzige Weiße, wie auch sein Schulhausdas einzige nach europäischer Art hergestellte Gebäudeam Platze ist, da die Dualla in Hütten wohnen. DasSchulhaus selbst ist einstöckig, die Zimmer aus praktischen