Ausgabe 
(16.3.1894) 22
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ficht. Charakteristisch sind die Mischungen: so spricht mankroatisch mit italienischen Endungen, italienisch mit kroa-tischen Endungen und Flexionen usw. Der Fremde kommtmit Deutsch gut an; versteht er Italienisch, um so besser.

Die Leute sind ehrlich, arbeitsam und nüchtern. Aufdem Lande gibt eS wenige und dabei schlechte Wirths-häuser, für die Fremden, welche Ausflüge machen, einrecht fühlbarer Nebelstand. Wie alle Slaven, lieben sieGesang und Musik; meistens sind es träumerische, schwer-müthige Weisen. Ihre Geistesanlagen sind nicht besonderszu rühmen, genauere Kenner der Bevölkerung stellen siein dieser Beziehung sogar ziemlich tief. Aberglaube istnicht selten, was durch die noch in jüngster Zeit erfolgteVerbrennung einesWehrwolfes" auf dem Friedhofe vonAbbazia seine grelle Beleuchtung fand.

Schifffahrt und Fischfang sind die Erwerbszweige;sie haben an der Küste einen gewissen Wohlstand bewirkt.Die ackerbautreibende Bevölkerung des Gebirges ist da-gegen sehr arm, da der lehmige Boden des Karstes inden höhern Strichen wenig abwirft. Elende Hütten, häß-liche, aber starkknochige Weiber mit gewichtigen Lasten aufdem Nucken, unglaublich zerlumpte Buben, welche Schafehüten, und kümmerlich genährte Esel bilden die Staffageder dortigen Landschaft.

Die Bewohner der Küste sind durchgängig schlanke,kräftig gebaute Gestalten, namentlich findet man hübsche,frisch aussehende Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts.Die üble Landessitte indessen, alle Lasten, auch dieschwerern, auf dem Nücken zu transportiren, hat manchenKörper vor der Zeit geknickt. Nationaltrachten haben sichnur im Gebirge erhalten, an der Küste ist völlig damitaufgeräumt worden. Dem Bekenntniß nach sind die Be-wohner römisch-katholisch und zwar ziemlich gute Katholiken.

Der Name Abbazia ist gleichbedeutend mit italienischLddaäia. (Abtei) und erinnert daran, daß einst hier eineBenedictiner-Abtei stand, welche im Mittelalter blühte,von der aber nur noch eine kleine Kirche und ein ärm-liches Pfarrhlnls als Neste entschwundener Größe vor-handen sind.

Die Frauen und die Farben.

Plauderei von Klara Neichner.

- lNochdnick vkkboitN.I

Die Frauen sind das farbige Element des Lebens,dem ja sie erst Glanz und Heiterkeit verleihen wett-eifernd mit den Blumen durch den bunten, reizvollenWechsel der Farbe!

Und doch ist dies nicht immer so gewesen! Es gabZeiten lang, lang ist's freilich her wo noch dieMänner farbenprächtig mit den Frauen concurrirten.

In der Urzeit freilich waren Farben im Norden wederbei Mann noch Weib beliebt, bis fränkischer Einfluß sichgeltend machte; höchstens Frauen und Kinder trugensonst bei besonders festlichen Gelegenheiten blau, roth oderbraun. Das farblose Schwarz aber war in alter Zeitschon Trauerfarbe, das fleckenlose Weiß dagegen die Trachtder Priesterinnen.

Eigentlich spielte die Farbe erst im Mittelalter ihregroße Rolle! Nicht nur, daß der Ritter die Farbe seinerDame trug, diese mußte auch wollte sie nach damaligenBegriffen für eine Schönheit gelten in Bezug aufFarben die vorgeschriebenen Gesetze erfüllen. Stirn undOhr weiß, die Zähne schneeweiß, das Kinn weiß wie

Alabaster, die Wangen zart und blühend, der kleine Mundwie ein lichter Rubin oder rother denn eine Rose. Brauenund Wimpern braun, die Haare goldfarben und glänzendwie gesponnenes Gold, die Augen nicht mehr wie früherblau, sondern:Zwei Aeuglcin brann nach Falkenart,darin das Weiße sich nicht spart!"

Auch die Farbe der Kleidung mußte mit dem AeußernHarmoniken! Damals bereits pflegten die Damen sehrwählerisch zu sein und ihre Gewänder so zu tragen, wiesie am besten stimmten mit der Farbe ihres Haares, ihrerAugen, des Gesichtes usw. Im Allgemeinen aber gab eSnoch nicht viel zu wählen, da jeder Stoff und jedesKleidungsstück nur seine einzige Färbung hatte. Dochhalf man sich dadurch, daß man die verschiedenen Ge-wänder, die gleichzeitig getragen wurden, von verschiedenerFarbe, zuweilen auch mit andersfarbigem Futter fertigte.Grau, Braun und Violett trugen namentlich die unterenStände; Grau diente aber auch nebst Schwarz als Ab-zeichen der Trauer; die allerbelicbteste und vornehmsteFarbe des Mittclalters war Scharlach !

Späterhin geriethen die mittelalterlichen Farben so-gar in bedeuiungsvolle allegorische Beziehungen zur Liebe!Mit gewissen Farben verband eine gewisse Bedeutung sich, auch für die Kleidung! Es entstand also eine Artvon Farbensprache. Grün war als Hoffnnngssymbol derLiebe Anfang, Noth die brennende Liebe, Grau dietrauernde, ganz unglückliche Liebe dagegen Schwarz, alsdes Leides Anfang und der Freude Ende". Treue Liebetrug sich blau, Gelb oder Gold bedeuteten Gewährungder Liebe, weßhalb auchFran Minne" selber ein goldenoder feuerrothes Kleid trügt, währendFrau Treue" sichin Blau,Frau Liebe" aber in Grün kleidet. Bunt je-doch bedeutete Falschheit und Unbeständigkeit.

Im 15. Jahrhundert wurde großer Farbenluxus ge-trieben, schillernd in allen Ncgenbogenfarben zugleichan der gleichen Person. Die Frauen aber wußten vondieser Geschmacklosigkeit sich fern zu halten, wenn sie auchlebhaften Farben sich durchaus nicht abhold zeigten; dochbehandelten sie dieselben mit mehr Harmonie und Sym-metrie, entsprechend vertheilt auf die verschiedenenStücke der Kleidung, auf Besatz und Futter, anstattnach der haarsträubenden Mode-Thorheit des sogenanntenNi-pai-ti" der Männer die ganze Figur bunt inzwei Hälften zu theilen!

Dafür verlangte das folgende Jahrhundert der Re-formation desto größere Einfachheit durch dunkle, schlichte,knappe Tracht, auch bei den Frauen, bis im 17. derEinfluß Frankreichs den Ernst der Farbe wiederum inheitern Glanz verwandelte, ja in ein Uebermaß sogar vonPrunk der-Färbung, voran Blau und Roth mit mög-lichst vielem Gold als Licblingsfarben. Die geschmacklose»Zopfzeit " des vorigen Jahrhunderts brachte im Gegen-satz hiezu wohl zartere, blässere Farben in Mode, dochherrschten unbestimmte Mischfarben und fahle, bunt-geblümte Muster vor; erst die große französische Revo-lution von 1789 schuf bessere Zeiten für die Farbe, an-fangs freilich durch Farblosigkeit! Das Weiß der moderngewordenen griechisch-antiken Tracht und allenfalls ganzblaß angehauchte Färbungen kamen zur Herrschaft, dannkehrte mit unserm eigenen Jahrhundert die Farbe allmäligzurück, indem die Damen 1810 begannen, zur weihenTunica die Schuhe, Handschuhe, Hüte, Hauben und Federnfarbig zu tragen; Gürtel und Besatz folgten bald undendlich die ganze Kleidung allerdings einfarbig nur