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Wache am hl. Grabe haben. Es ist an die hl. Grab-kirche angebaut und besitzt keinen andern Ausgang, alsdurch diese Kirche, so daß, wenn die Türken dieselbegeschlossen haben, auch die Wächter am hl. Grabe ein-geschlossen sind. Das Essen, mit Ausnahme des Kaffee's,wird ihnen jeden Tag von St. Salvator aus gebrachtund durch eine kleine Oeffnung gereicht. Das Klösterleinselbst ist armselig und dabei, weil es tief in den Bodeneingebaut ist, ziemlich ungesund. Bis vor wenigen Jahrenbefand sich über demselben ein türkischer — Pferdestall,dessen Unrath zuweilen seinen Weg bis in die Zellen derFranziskaner fand. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich,der große Wohlthäter des hl. Landes, machte diesem
halten, die jeden Nachmittag unter Gebet und Gesangsich zu sämmtlichen heiligen Orten der Grabkirche bewegt.Dazu kommt der Beichtstuhl und andere Verrichtungen.
Der Dienst eines Wächters am hl. Grabe ist an-strengend, unter Umständen sogar gefährlich wegen derfanatischen Griechen und Türken, der Aufenthalt im hl.Grabkloster ungesund; deshalb muß kein Franziskanerlänger als ununterbrochen drei Monate darin verweilenund kehren die meisten wieder gern nach St. Salvator zurück.Man hat aber auch Beispiele, daß einzelne fromme Mönchefast ihre ganze Ordenszeit daselbst zugebracht haben.Eben jetzt befindet sich dort ein Sohn des hl. Franziskus— wir dürfen ihn mit Stolz unsern Landsmann nennen —
Eingang in die Heil. Grab-Kirche. Heiliges Grab.
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schmählichen Zustande ein Ende, indem er den Pferde-stall ankaufen und an seiner Stelle eine Terrasse errichtenließ. Eine andere Terrasse, die sich über dem Klösterleinerhebt, war früher der einzige Ort, wo sich die Wächteram hl. Grabe im Freien bewegen und wieder etwasfrische Lust schöpfen durften. Gegenwärtig ist es nichtmehr so streng und verläßt wohl zuweilen ein Paterseine Zelle auf einige Stunden, um eine Wallfahrt nachBethlehem , dem Oelberg oder sonst einem hl. Orte zumachen, oder mit Pilger-Landsleuten, die gerade inJerusalem weilen, sich abzugeben.
Aufgabe der Wächter am hl. Grabe ist es, denChor zu besorgen, der schon vor Mitternacht beginnt,die verschiedenen Gottesdienste am hl. Grab und denandern Sanktuarien, dann die feierliche Prozession abzu-
hochverehrt von all seinen Ordensgenossen, der nun schon12 Jahre das erhabene Amt eines Wächters am hl.Grabe versieht; es ist dies Pater Joseph Weiher, gebürtigvon Niedhof, einer Filiale der an der Ostseite des Auer-berges sich weithinstreckenden Pfarrgemeinde Bernbeuren .Schon als Student machte er eine Pilgerreise in's hl.Land, und damals erwachte in ihm die Sehnsucht, Wächteram hl. Grabe zu werden. Er nahm zum zweiten Male,diesmal auf immer für diese Welt, Abschied von Vater-land und Angehörigen, vollendete seine Studien in Beth-lehem , das Noviziat in Nazareth, feierte am Dreifaltig-keitssonntag 1881 seine Primiz in der hl. Grabkircheund trat dann alsbald in das Klöstcrlein am hl. Grabeein, wo er wohl bis zum Tode ausharren wird. EinJerusalemspilger, der vor drei Jahren gestorben ist, hat