Erklärungen und stillen Geständnissen, aus denen mandie Herzen schlagen hört und die emporflammende Liebezu einander aufsteigen sieht. Agnes hat aber schon beimTurnier den Prinzen in Albrecht erkannt an den lichtenFarben, die er trug, die an's Himmelszelt gemahnen. Jetzterblickt sie den Verlobungsring an seinem Finger undstellt dem ungestümen Flehen die entschiedenen Wortegegenüber:
„Nie anders würd' ich je die Eure werden,
Denn als vor Gott Euch angetraute Gattin."
Schweren Herzens scheiden sie von einander, indemer fühlt, daß er ihr, die ihm keine Hoffnung gewährenkann, gehorchen muß, weil ihr Geschick ihm höher stehtals seines.
„Ob's glücklich oder leidvoll enden werde," — daswill ihr die Zauberin sagen, die sich hinzugedrängt hatund ihr diese Worte in's Ohr flüstert.
Der zweite Akt führt uns zuerst nach Vohburg , woAlbrecht vom Fieber heftig ergriffen worden war und nachjeder neuen Kunde von der Holden schmachtet. EinenTrost bringt ihm die Nachricht, daß Agnes in ihremKämmerlein allabendlich das Lied gesungen, das er ge-dichtet und ihr gegeben hat. Auch er greift zur Lauteund stimmt die erste Strophe an:
„Ich grüße Dich, Maria, Dich, Du Magd des Herrn,
O Mutter voller Gnaden!
Du gleichst im Thau dem Morgenstern,
Wenn Thränen mich beladen.
Ich grüße Dich herzinniglich,
Maria dort, ich grüße Dich!"
Dieses Weihelied des Glaubens und der Andachtwird nun zum leitenden Faden des Hauptspicls, der trotzaller Ränke des Gegenspiels sich durch die ganze Hand-lung zieht, bis er schließlich in einer versöhnenden underhebenden Weise den tragischen Conflict löst, der durchdie tragische Schuld geschürzt werden sollte. Der OheimAlbrechts, der Herzog Wilhelm, erscheint in Vohburg undbringt Albrecht die Nachricht, daß seine Braut mit einemLiebhaber entflohen und das Gelöbniß damit gelöst sei.Nun ist die ganze Situation mit einem Schlage geändert,und der Oheim, sowie der Rathgeber Albrechts, der DechantJohann Prunner vom Kloster Jndersdorf, werden be-wogen, nach Augsburg zu gehen, um die Badertochter,deren Ruf von Schönheit und Ziichtigkeit auch zu ihnengedrungen war, zu prüfen.
Inzwischen hatte Agnes dem Verlangen nicht wider-stehen können, bevor sie ihren Entschluß, in ein Klosterzu gehen, ausführt, ihr mögliches Schicksal zu erfahren.Wie einst Lconora von Gloster durch die Hexe GreteJordan die Geister beschwören ließ, um den Schleier derZukunft zu lüften, wie sie dabei vom Gegenspiel der Jork und Buckingham, die sie dazu hatten verleiten lassen, be-lauscht ward und wie sie dadurch in ihr Verderben ihrenGemahl, den Herzog Humphrei, den Neichsprotcctor unterHeinrich VI. , mit hinabzog, so läßt nun auch Agnes vonder Mutter Lintrud die Zauberkugel enthüllen, auf derdie Dämonen der Finsterniß eine Vision erscheinen lassen,welche zum Orakelspruch wird:
„Ein junges Weib mit langem, gold'nem Haar,
Im Staat der Fürstin, den Geinahl zur Seite,
Von vielem Volk umringt und froh umjubelt-
Das bist Du selbst! . . .."und später:
„Nach kurzer Frist wirb Euer Glück zu Wasser —"Auch hier hatte ein Führer des Gegenspiels, Nein, derihr zuerst die Hexe auf den Hals geschickt, um sie zu ver-derben, die Beschwörung belauscht. Es kommt in der
Wohnung des Baders zu einer stürmischen Scene; nach-dem die Werbung Nems noch einmal zurückgewiesen wird,droht er, sie wegen Zauberei anzuklagen. Agnes gestehtihrem entsetzten Vater den begangenen Fehltritt. Denndas Befragen und Sicheinlassen mit der Hexerei warnach der allgemeinen damals herrschenden sittlichen Auf-fassung eine Todsünde, die mit dem peinlichen Verfahrenverfolgt wurde. Die Schuld war da; der unabwendbareZusammenstoß wurde vorläufig noch hingehalten, indemdie dramatische Entwicklung weiter geführt wird, um inwechselnden Aspekten zu ihrem Höhepunkt zu gelangen.Der Herzog Wilhelm und der Dechant erscheinen, habenzuvor ein Zwiegespräch mit dem Vater der Agnes, dembiedern Bader Caspar Bernauer, dann mit dieser selbst.Beide sind entzückt über die Sittsamkeit und Anmuth,wie über die bescheidene Festigkeit der Agnes. Albrechtfolgt mit Jörg, dem Ziehbruder der Agnes, und wirbtnun selbst beim Bader um die Hand seiner Tochter. DerOhm mahnt nur Albrecht, die Zustimmung vom Vaterzuvor einzuholen, aber der treue Dechant willigt ein, denEhebund alsbald einzusegnen, damit Albrecht seine vonGefahren umgebene Braut schützen könne. Der Vater derAgnes gibt seine Einwilligung und segnet das Paar.
Der dritte Akt führt uns nach Vohburg zn demAugenblicke, da die Trauung stattgefunden. Das jungePaar steht auf dem Gipfel seines Glückes, dem AgneSnoch dadurch eine besondere Weihe verleiht, indem sie ihrerGewohnheit gemäß eine Gruppe von Siechen und Armenlabt und tröstet und mit demüthigen Gebcrden Speiseund Trank austheilt. Der Dechant hat ihr vorher mitseinem Segen ein elfenbeinernes Kruzifix als Gabe deSOheims Wilhelm übergeben:
„ES möge lehren Euch,
Geduldig jede Schickung zu kesteh'n,
Im Glück gelassen, herzhaft in der Noth,
Getreu dein Herrn im Leben und im Tod."
Plötzlich ertönt ein Hornruf von der Zinne herab. DerVicedom von Straubing erscheint vor Albrecht, auf dessenWink rasch ein Vorhang vor dem Armendienst seiner Ge-mahlin niedergelassen und das Orgelspiel verstummt war,und verkündet diesem, daß sein Vater beschlossen habe,ihn mit einer Tochter aus dem reichen Hause Braun-schweig zu vermählen. Als Albrecht ihm die Antwort er-theilt, dem Herzog seine entschiedene Weigerung zu mel-den, poltert der Vicedom mit der Anzeige hervor, daßzum Hofe die Kunde gedrungen sei, Albrecht wohne nichtmehr allein in Vohburg , und tritt mit einer förmlichenVerbeugung, aber inneren Drohung ab. — Das war derHochzeitstag! Vor Agnes wird diese neue Wendung ver-borgen gehalten.
„Der Sturm zieht auf und sendet seine Boten . .
Die zweite Scene spielt sich in München ab. DerHerzog Ernst ist tief entrüstet über die Vorgänge in Voh-burg , die ihm der Vicedom in gehässiger Uebertreibungmittheilt. Alle seine Vorurtheile empören sich in ihm undalle Hoffnungen einer direkten Erbsolgeschaft seines Stam-mes werden erschüttert. Er folgt allen Eingebungen inbester Absicht, um seinen Sohn aus den vermeintlich un-würdigen Banden des Weibes zu erlösen, und willigt end-lich in einen schändlichen Plan, den der Vicedom erdachthat. Ein Preisturnier in Regensburg wird ausgeschrieben,und Albrecht, der dem langvermißten Schall der schmet-ternden Drommete folgen wird, soll nach dem Turnier-gesetz dann ausgeschlossen werden, weil er „schimpflich inUnehe lebt". Um diesen Makel zu tilgen, werde er ge-