zwungen, so kalkulirt Man, das Verhältniß zu lösen. —Die dritte Scene spielt auf dem Turnierplatz in Regens-burg und bringt eine Reihe von handelnden Vorgängenzur Aufführung, die an Großartigkeit der Effekte und anEklat der Erscheinungen von keiner Shakespeare 'schenSchöpfung übertroffen wird. Die Motive sind in dieAugen springend, die Wirkungen erschütternd; die Span-nung wächst bis zur Fieberhitze. Die hohe Gestalt Albrechtsin voller Rüstung, umgeben von Rittern und Knappen,jubelnd begrüßt vom Volk, tritt auf; sein Kampfroß wirdihm nachgefühlt. Ihm brennt das Herz vor Eifer,
„ . . . . mit vollem Stoß
Den Widerpart zu heben aus dem Sattel,
Und zu »erstechen manchen guten Speer."
Turniervögte verweigern ihm den Eintritt in die Bahnmit vorgehaltenen Stäben. Erstaunt und ihnen seinenSchild entgegen haltend ruft Albrecht aus:
„Was kommt Euch an? Kennt Ihr nicht diesen Schild,Den gold'nen Leu im weiß und blauen Feld? . .und als seine Ritter ihm sagen, daß sein Wappen herabgethanist, das er nach dem Brauch gesandt hatte, und die Schrankesich von innen schließt:
„Was geht hier vor? Wer wagt es, diesen SchimpfMir, einem WiltelSbaSer, anzuthun,
Als wär' ich ein um Raub verschmier Ritter,
Und nicht ein Fürst, der Kriegeslorbeer pflückteUnd Bayerns Namen in die Feinde trug!"
Seine Ritter fchaaren sich um ihn, die Schwerter werdenentblößt, das Volk durchbricht die Schranken. Der Vice-dom gebietet Ruhe; der Herzog Ernst befiehlt von derTribüne herab, die Anklage und ihren Beweis zu ver-lesen. Rcm berichtet, daß die, mit der Albrecht in Unehelebt, von einer Hexe unterrichtet, sich auf's Bezaubernlegte, um durch Liebestränke Albrecht in den Bann zubekommen. Der Vater klagt:
„Entwürdigt hast Du Dick und Deinen Stamm,
Indem Du dieser Dirne Dich ergabst —"
Albrecht fällt mit gewaltiger Stimme ein:
„Und so erklär' ich denn vor Jedermann,
Daß, die zu Vohburg mir zur Seite lebt,
Mein ehrlich mir vor Gott getrautes Weib."
Und als der Vicedom, die Wetterführung des Verfahrensandeutend, zum Herzog Ernst gewandt die Worte spricht:
„Ihr seht nun selbst, daß ihn das Weib bezaubcrt —"da schwillt der Unmuth das Herz Albrechts an, und ererklärt, seine Vermählte nach Straubing führen zu wollen,„Wo sie mit mir das Schloß bewohnen wird,
Der gleichen Ehren theiihast, wie ich selbst."
Das Volk und ein Theil der Ritter rufen: „Hoch lebeAlbrecht und sein Eh'gemahl!" Der Herzog Ernst aberbricht in die prophetischen Worte aus: „Weh' ihr, wennsie es wagt, an seiner Seite als Herzogin in Straubing einzuziehent" — Das Unheil ist im Lauf und nicht mehraufzuhalten. Der 4. Akt beginnt wirklich mit dem Ein-zug des Paares in Straubing unter unermeßlichem Volks-jubel. Albrecht wird durch einen Boten des HerzogsHeinrich zu dringenden Geschäften abberufen. Wir sehenzitternd, wie die Katastrophe näher rückt. Während desGottesdienstes bei den Karmelitern erscheint in dem leerenKreuzgang ein Engel und legt auf eine noch freie Grab-stelle eine Lilie. Agnes kommt mit Afra aus der Kirche,findet die Lilie —
„Wie frischgefall'ner Schnee so rein und weiß,
Seltsam! Dort liegt sie, wo zu ruh'n ich wünsche."
Im Hintergründe wird sie belauscht vom Herzog Ernst,vom Vicedom begleitet, der hervortritt und sie selbst in'sGebet nimmt: „Du hast an meinem Sohn Dich schwer
versündigt; er ist behext." Da der Herzog durch ihreunmuthige Erscheinung überrascht wird, fürchtet er nunselbst dem Bann des Zaubers zu erliegen, der den Sohnbethört hat. Auf einen Wink des Vicedoms erscheinendessen Räthe mit Häschern und Schergen. Der Herzogüberantwortet Agnes dem Gericht und verläßt die Scene,um sich zum Begräbniß des über Nacht verstorbenenHerzogs Wilhelm zu begeben. Mit dem Tode des „treuenOhms" war auch die letzte Aussicht auf Hilfe für AgneSverschwunden. Sie ist den Feinden ausgeliefert; dennihr Albrecht ist weggelockt, und die treuen Ritter, derenSchutz er sie anvertraut hatte, wurden vom Vicedomniedergemacht.
Die 3. Scene führt uns in die Gerichtsverhandlungim Schlosse zu Straubing . Nem erscheint als Ankläger.Ein zu ihren Gunsten aussagender Zeuge wird gewaltsamentfernt. Sie kann es nicht leugnen, daß sie sich in einerschwachen Stunde verleiten ließ, sich wahrsagen zu lassen;alle Zauberei erklärt sie für Verleumdung. Der Vicedomstellt ihr die Frage, ob sie gutwillig den Herzog verlassenund in's Kloster gehen wolle. Sie antwortet:
„Ich habe Treue meinem Herrn gelobtAm Traualtar und werde sie ihm halten!"
Veim Zählen der Stimmen des Urtheilsspruches ergebensich sechs schwarze und sechs weiße Kugeln. Der Vtce-dom als Vorsitzender wirft eine schwarze in die Urne;damit ist Agnes schuldig des Todes befunden. Sie wirddem Henker und dessen Schergen übergeben.
Im 5. Akt finden wir Agnes im Kerker vor einemMarienbilde knieend. Sie singt das fromme Lied, daSzum Preis der Gottesmutter ihr Albrecht einst geschaffenund das sie zur Zeit ihrer aufkeimenden Liebe so Wonne»voll auf ihrer Kammer gesungen, mit dem Schlußvers:„Ich grüße Dich, Maria, Dich, wo ich auch bin,
Du Königin der Milde!
Ich weiß, mein Ruf dringt zu Dir hin,
Knie ich vor Deinem Bilde.
Ich grüße Dich herzinniglich,
Maria dort, ich grüße Dich!"
Dann naht ein Priester, lind Gott ist nun zugegen. Dertreue Dechant von Jndersdorf, der sie getraut, reicht ihrmit dem Kreuz, das ihr einst der Herzog Wilhelm zurMorgengabe sandte und vor dem sie täglich gebetet, diehimmlische Tröstung, welche allein Rettung bringt, wennalle irdische Hilfe verloren ist, und die selbst den Todüberwindet. Das Kreuz küssend, erklärt sie:
„In ihm nur leb' ich und ihm nur sterb' ich,
Der Herr ist meine einzige Zuversicht."
Wer ganz sich seinem Schutze hingegeben, der fürchtetnichts auf dieser Erde mehr. Noch einmal will dieirdische Hoffnung aus dem Boden hervorsteigen, indemdurch gesprengte Thüren Jörg und Afra herbeieilen, diedas Volk aufgewiegelt haben, um einen verzweifeltenRettungsversuch zu wagen. Aber sie widersteht der Ver-suchung: Gericht Gottes, dir hab' ich mich übergeben!Ihretwegen soll kein Blut fließen. Sie hat mit demLeben abgeschlossen. Als Afra in sie drängt mit demHinweis, daß die Zeit entfliehe, antwortet sie mit denerhabenen Worten: „Ich bin — der Zeit voraus —in ihrem Laufe!" — und sinkt zu festem Schlafe wiederauf das Strohlager zurück, während ihre angeblichenNetter in acherontischem Donner eines nahen Gewittersverschwinden. Ja,' sie war der Zeit in ihrem Laufvorausgeeilt. Sie hatte durch die Kraft des Glaubensund durch die Stärke der Religion das Zeitliche schonauf Erden überwunden, und den heiligen Märtyrer»