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gleich, stand sie mit geistigem Auge bereits vor der Er-füllung des Glaubens, vor der Seelen Seligkeit. Sieerleidet den Tod wie eine Christin: Tod, wo ist deinStachel; Hölle, wo ist dein Sieg? —
Nach der Anschauung der Antike wäre nun eigent-lich die Katastrophe beendet, welche den Knoten desGeschicks gelösct hat. Nem und der Vicedom sind ihrebenfalls zum Opfer gefallen. Höchstens wäre noch einStraf- und Racheakt oder ebenfalls ein gewaltsamesEnde des Herzogs Albrecht zu erwarten gewesen. Einesolche Lösung aber lag der Absicht des Dichters fern.Mit der Opferung der Helden können zwar im sittlichenBewußtsein die verwickelten Pfade des Verhängnisses ge-ebnet, die eigene Schuld kann gesühnt werden. Aberfür uns folgt nach dem Tode ein neues Leben, undwie die Seele durch den Glauben unsterblich wird, sowerden die Handlungen unsterblich durch den Nachruhmund die Nachwirkung. Agnes hat ein Vermächtniß hinter-lassen an Albrecht, in dem es zunächst heißt, daß siedie Schickung, die ihr von oben gesandt wurde, stand-haft ertragen wird und daß sie dankbar des Glückeseingedenk bleibe, das ihr zugewendet wurde durch seineLiebe. Dieses Bekenntniß entspricht durchaus ihrer Aus-sage vor Gericht:
„Ich folgte Albrecht nur um seinetwillen,
Denn daß ich nicht dem Glück entgegenfahre,
Das sagte mir die Stimme in der Brust;
Doch glaubt, hätt' ich es noch einmal zu thun,
Ich würde gleichwohl keinen andern wühlen."
Dann legt sie ihm die Bitte an das Herz, daß er seinem Vaternimmermehr entgelten lasse, was er, verführt durch andere,ihr angethan. Er soll denen, die er zu schirmen berufenist, nicht Unheil anthun durch einen Bürgerkrieg, sondern,der Selbstsucht ledig, dem Volke allein seine Zukunftweihen. Diese Botschaft des Friedens und der Ver-söhnung wird dem nach Straubing zurückkehrenden Albrechtunmittelbar nach der Trauerbotschaft übergeben:
„Die Sonne ist erloschen! Agnes todt!
Ertränkt vom mörderischen Vicedom!"
Der Nachezug, den die Geschichte nun folgen läßt, wirddurch die liosntia. xoötian zusammengezogen in einrächendes Gelöbniß, das aber der Dechant von Jnders-dorf mit dem Vermächtniß der Agnes in die richtigeBahn lenkt:
„Denn war es auch ein himmelschreiend Unrecht,
Das sie erlitt, so ward durch ihren TodDes Krieges Geißel unserm Volk erspart,
Für dessen Heil als Opfer sie gestorben."
Albrecht blickt verzückt zum Himmel zu der seligen Gestalt,die ihm das Vermächtniß der Versöhnung hinterlassenund nur vom lichten Gewölk umgeben um Gewährungbittet:
„Sie winkt mir mit der Palme in der HandUnd weist empor, wo ihren Lohn sie fand!
Stets höher auf entschwindet sie dem Blick,
Zur Glorie ward ihr irdisch Mißgeschick,
Und wie vom Licht die Wolken aufgezehrt,
Fühlt sich das Herz der Rache abgekehrt.
Wohlan, ich will befolgen ihr GeheißUnd zeigen, daß ich zu vergeben weiß."
Die Versöhnung mit dem Vater erfolgt sofort. Albrechtwird ein Wohlthäter seines Volkes und legt den Grundzu seiner späteren Größe. Der nach eigenem Eiugeständ-niß durch falschen Rath und weltliche Vorurtheile be-thörte Herzog Ernst läßt über dem Grabe der Agneseine Sühnkapelle bauen, die sein ewiges Heil verbürgensoll. Später aber wurde ihre Asche bei den Karmelitern
beigesetzt, wo sie ahnungsvoll sich selbst die Ruhestattausgesucht hatte. So endet das Leben und Wirken, dasGlück, die Schuld, die Buße der blondgelockten AgnesBernauer, des Engels von Augsburg , der uns durchdes Dichters Vermittlung zeigt, wie irdische Liebe zurhimmlischen erblühen kaun. Wir aber, ergriffen underhoben durch die Betrachtung eines solchen Schicksals,sinken in das Knie und stimmen an ihr letzt' Ave Marie!
---S-MSS--
Himmelsschau im Monat April.
—X. Merkur 8 entfernt sich am 11. am weitestenwestwärts von der Sonne und kann in der Morgen-dämmerung gesehen werden.
Venus tz ist Morgenstern und geht auf zwischen4 U. 16 M. und 3 U. 30 M. Früh.
Mars F im Steinbock ist Morgenstern und gehtauf zwischen 3 U. 38 M. und 2 U. 33 M.
Jupiter sj. steht am Abendhimmel und gehtzwischen 11 U. und 10 U. unter.
Saturn H kommt am 12. in Opposition mit derSonne, in Erdnähe und strahlt in größtem Glänze. Saturnist die ganze Nacht sichtbar und erreicht gegen Mitter-nacht seine größte Höhe über dem Horizont.
In die Nähe des Mondes kommen am 2. Venus ;am 4. Merkur (vom C bedeckt um Mitternacht); am 9.Jupiter ; am 19. Saturn; am 29. Mars.
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GotdkSrrrer.
So Viel in Gott, ebensoviel ist man im Frieden — so vielaber außer Gott, ebensoviel ist man außer dem Frieden.
Tauler.
Im Kampf mit Gefahr
Erhebt sich, wie machtvoll zur Sonne der Aar,
Der Geist aus kerkernden SchrankenZu Göttergedaukcn.
Matthisson.
Kreuztied.^
Heil'ges Kreuz! Sei hochverehrt!Hartes Nuh'bett meines Herrn!Einstmals sch'n wir Dich verkläret,Strahlend gleich dem Morgenstern.Sei mit Mund und Herz verehret,Krcuzstamm Christi, meines Herrn!
Heil'ges Kreuz! Sei uns're FahneIn dem Kampf, in jeder Noth!
Die uns wecke, die uns mahne.
Treu zu sein bis in den Tod!
Sei mit Mund und Herz verehret,Kreuzstamm Christi, meines Herrn!
Eines sei uns noch gewähret:
Ruft uns einst der Ruf des Herrn,Sei im Sterben noch verehret.
Leucht uns als ein Morgenstern!
Sei mit Mund und Herz verehret,Kreuzstamm Christi, meines Herrn!
*) Dieses Lied wird in sehr vielen Gegenden des ober-bayerischen Gebirges am Charsreitag Abends in der Kirche miteiner Andacht gesungen, daß der fromme Eindruck dieses ein-fachen Gesanges manches unserer beliebten modernen sogenannten„Oratorien" in den Schatten stellt. Der Einsender -x-.