Ausgabe 
(27.3.1894) 25
Seite
181
 
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Augsburger Postzeitung".

^L25

Dienstag, den 27. März

1894.

Für die Redaction verantwortlich: Philipp Fri'ck in Augsburg .

Track und Berlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Borbesrtzcr vr. Max Huttler) .

Astern.

Jst's nicht Frühlingsahnen,

Das uns leis umweht?

Auf den sonnigen PlanenLiebliches Grün ersteht.

Durch die dämmernden LandeGehet ein altes Lied,

Und dem beengenden BandeJeder Keim nun entflieht.

Herz, Du wartest schon lange,

Ob Dein Frühling auch nahtUnd aus Kummer und DrängeDir erscheinet ein Pfad.

Frühling will es nun werden,

Ostern läuten sie ein,

Soll's nur Dir auf der Erden,

Dir nicht österlich sein?

Heut' vom ErlösergrabeWehet herüber ein Hauch;

Glauben, Glauben nur habe,

Und Du spürest ihn auch.

Adolph Müller.

-

Die Tochter des Hauses.

Erzählung von C- Borges.

(Fortsetzung.)

Die Nachricht von der Erkrankung der Kinder ver-breitete sich mit Blitzesschnelle im ganzen Schlosse underfüllte jedes Gemüth mit Furcht und Schrecken.

Oberst Dornburg und Graf von Eckernstein zogenes vor, unter diesen Umständen schleunigst abzureisen.

Der Arzt konnte nur Barbaras Aussage bestätigen.Es unterlag keinem Zweifel, die Kinder hatten alle dreidas Scharlachfieber, denn auch Edmund hatte es vielbequemer gefunden, im Bette zu liegen und sich bei seinenKopfschmerzen hätscheln und pflegen zu lassen, als imeinsamen Schulzimmer allein bei einem Märchenbuche

zu sitzen. Eveline war sehr krank; für die beiden Knabenwar noch kein Grund zur Besorgniß vorhanden.

Fräulein Morden, wollen Sie nicht lieber abreisen?Wir dürfen Sie hier der Gefahr der Ansteckung nichtaussetzen," hatte der Schloßherr in seiner ernsten Freund-lichkeit der Gouvernante vorgeschlagen, und erstaunte überden energischen Ton, als sie entgegnete:

Nein, Herr v. Garkau. Um keinen Preis der Weltwürde ich jetzt das Schloß verlassen!"

Die Freifrau war nur mit Mühe zu bewegen, einenAugenblick von Alex' Bett zu weichen, um ihrem VetterLebe wohl" zu sagen, der noch immer gehofft hatte,einen Blick von Barbara zu erhäschen allein vergebens.

Liebe Eveline," sagte er theilnehmend, als er diebleichen Wangen und die tiefbeschatteten Augen seinerCousine sah,wenn Du Dich jetzt am ersten Tage schonso aufregst, so wirst Du die Pflege nicht lange aushaltenund selbst krank werden!"

Oh nein!" versetzte sie mit bebenden Lippen,FräuleinMorden sorgt für mich. Ich wüßte nicht, was wir jetztohne sie machen sollten, denn auf Gleichen kann ich michin Krankheitsfällen nicht verlassen sie ist zu alt. Esthut mir so leid, daß Du so schnell fort willst, aber-"

Ich freue mich, daß ich weiß, Du und die Kinderseid in treuen, sicheren Händen," unterbrach er.Eveline,ich muß gestehen, Du hast einen Edelstein in DeinerGouvernante gefunden, sie ist treu wie Gold. Wennsie nur nicht auch krank wird. Ich weiß, daß sie dasScharlachfieber schon gehabt hat, und hoffe daher, daßsie gegen Ansteckung gesichert ist."

Trotzdem ihre eigene Sorge alle Gedanken einnahm,bemerkte die Freifrau doch den leuchtenden Blick im Augedes Vetters, als er von der Erzieherin sprach. Er be-merkte das Erstaunen, zuckte lächelnd die Achseln undfuhr unbeirrt fort:

Ja, Eveline, trotz aller Deiner Warnungen istmein Herz doch so thöricht gewesen, sich ganz sterblichzu verlieben. Es ist das erste Mal in meinem Leben,daß ich ein offenes Auge hatte, und ich sage Dir, Niemandanders als Barbara Morden soll meine Gattin werden,oder ich sterbe als alter, verbitterter Junggeselle.Ich weiß, es würde heute ganz unnütz sein, darauf be-stehen zu wollen, sie zu sehen und ihr meine Liebe offenauszusprechen, aber"

Sie würde um keinen Preis das Krankenzimmer