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dumpfe Grabesstimme: „Fürchte nichts, ich komme Dirzu Hilfe I"
Erschrocken blickt der Unbekannte nach dem Neben-zimmer, sieht die weißen Gerippe ihm entgegenwinken undein jähes Entsetzen ergreift ihn. Mit zwei Sätzen warer an der Thür, riß sie auf und raste wie der Sturm?wind davon.
Als der Professor am andern Tage die Geschichteeinem Bekannten erzählte und dieser ihn fragte, wer seinRetter im Nebenzimmer gewesen, erwiderte der Professormit trockenem Lächeln: „Mein verstorbener Vater." —„Wie, Ihr verstorbener Vater?" — „Nun ja, denn erhat mir immer gesagt: Junge, lerne jede Fertigkeit, dieDu Dir nur aneignen kannst, denn Du weißt nicht, wiesie Dir von Nutzen sein kann, und wäre es selbst dasBauchreden. Und da habe ich mich denn in meiner Jugendim Bauchreden geübt, das mir denn auch wirklich einengroßen Dienst erwies." —
Dieser Einblick in Wesen und Geschichte der Bauch-rednerei läßt es erklärlich erscheinen, warum heidnischeVölker des Alterthums wie der Neuzeit manchmal dieStimmen ihrer Götter zu Vernehmen oder Thiere undStatuen sprechen zu hören glaubten. Auch die Geister-Erscheinungen schlauer Zauberkünstler, die mit menschlicherStimme zu reden schienen und so bei Unkundigen denGlauben an ihre thatsächliche Existenz erweckten, fallendadurch in ein Nichts zusammen.
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Zu unseren BildernFranz Hitze.
Franz Hitze, der bekannte hervorragende Sozialpolitiker undgewandte Parlamentarier, Generalsekretär des Vereins „Arbeiter-wohl", eines Verbandes katholischer Industrieller und Arbeiter-freunde, ist geboren am 17. März 1851 in dem kleinen DorfeHanemicke im Biggethal, ist also Sohn der rothen Erde. SeinVater war ein wohlhabender, angesehener Bauer. Nach demBesuche der Rectoratschule zu Olpe absolvirte er das Gymnasiumin Paderborn. 1872—77 studiite er an der Universität Würz-burg Theologie, Philosophie, Geschichte, Literatur und Aesthetik.Hitze war Mitbegründer des Studentenvereins „Unitas". ImJuli 1878 empfing er die heilige Priesterweihe. Einige Jahrewaltete er sodann des Amtes eines ersten Caplans der deutschenPiusstiftung am Campo Santo in Rom. Als Frucht seinersozialpolitischen Sudien erschien 1880 „die Quintessenz der sozialenFrage" und 1881 „Capital und Arbeit und die Reorganisationder Gesellschaft." Im Herbste 1881 wurde er Generalsekretärdes Verbandes „Arbeiterwohl" mit dem Sitze in M -Gladbach.1882 wurde ihm das Mandat des Preußischen Abgeordnetenhauses für den Kreis Gladbach angetragen, den er seitdem vertritt.1884 sandte ihn der Wahlkreis Geilenkirchen-Erkelenz als Ab-geordneter in den deutschen Reichstag, wo er alsbald eines derhervorragendsten Mitglieder desselben, speziell der Centrums-fraktion wurde.
Die kleine Spinnerin.
Wenn im Winter dies Frauenvolk in den Heimgarten kamund beim Summen des Spinnrädchens hübsche Märchen erzählte,da war Lischen immer gerne dabei, heute nun sitzt das Mädchenselbst am Recken und spinnt. Bärbel gibt der Kleinen die ersteAnleitung und zwar mit dem besten Erfolge. Mit Geschick weißLischen das Rad zu bewegen und zierlich den Faden zu drehen.Helle Freude leuchtet aus den Augen der kleinen Spinnerinund die Andern dort, die Neugierigen, können sich schier nichtsatt sehen, daß Lischen seine Sache so gut macht.
Trieft.
Trieft, wichtigster Hafen- und Seehandelsplatz der öster-reichisch-ungarischen Monarchie, am adriatischen Meere, Haupt-stadt des österreichisch-illyrischen Küstenlandes, erhebt sich inreizender Lage terrassenförmig am Fuße des Karstgebirges amMeerbusen von Trieft. Die Stadt besteht aus zwei Haupttheilen:
der Altstadt, die, an den Avhängen des Scbloßbergs erbaut,meist unregelmäßige und enge Straßen hat, und der Neustadt,welche sich an der Reede hinzieht und breite, regelmäßige Straßenenthält. In die Neustadt tritt der 380 m lange, 16 m breiteund 4 m tiefe „große Kanal" mit 2 Drehbrücken ein, welcherden Schiffen ermöglicht, unmittelbar an den Magazinen löschenzu können. Unter den öfst ntlichcn Plätzen sind hervorzuheben:der Große Platz mit der Marmorstatue Kai ls VI. und großenBrunnen, der Börsenplatz mit dem Standbilde Leopolds I., der Ponte-Rosso-Platz am Canal grande u. a. Die Stadt hatbreite Kais. Unter den Kirchen steht oben an der Dom vonSän Giusto, ein schon im 5. Jahrhundert gegründeter, im 14.Jahrhundert vollendeter, byzantinischer Bau mit 5 Schiffen,sehenswerthen Altherthümern, Mosaiken, Reliquien. Sonstigeerwähnenswerthe Kirchen sind die Kirche Santo Maria Mag-giore mit Fresken von Santo, die Kirche Sän Giacono, diegriechische Kirche, die serbische Kirche, die reformirte und eng-lische Kirche. Die Jsraeliten haben 5 Synagogen. Weiter hervor-ragende Gebäude sind: das neue Rathhaus, das Tergesteumauf dem Börsenplatz, das Statthaltcreigebäude u. s. w. Trieftzählt ca. 170,000 Einwohner; die Mehrzahl bilden Italiener.
Die Stiftskirche in Afchaftenburg.
Das merkwürdige Gotteshaus, von welchem wir in dergegenwärtigen Nummer eine Abbildung bringen, ist wohl un-streitig in Äschaffenburg das älteste Gebäude, sowie eines derältesten Gotteshäuser in Deutschland. Es betitelt sich: „ZuSankt Peter und Alexander", und wurde in den Jahren 970-980erbaut. Es ist eine romanische Pfeilerbasilika, die aber spätermancherlei An- und Umbauten erfahren hat. Eine letzte Neu-herstellung erfuhr sie im Innern im Jahre 1831. Das Innereder Kirche bewahrt manche Schätze. So findet sich in einemSeitenschiff ein von dem Mainzer Kurfürsten Albrecht vonBrandenburg gestifteter reich vergoldeter Sarg mit den Gebeinender heiligen Margarethe aus dem 16. Jahrhundert. Im Quer-schiff unmittelbar unter dem Thurm steht ein Denkmal desletzten Kurfürsten von Mainz, Friedrich Karl Joseph von Erthal; außerdem besitzt die Kirche ein Bronce-Bild von Johann Bischer:„Die Madonna", sehenswerthe Grabmäler und werthvolle Ge-mälde. Unter dem Kirchenschatz ist besonders hervorzuhebeneine Stola des heiligen Martin von Tours. Vor der Kirchebefindet sich ein schöner gothischer Brunnen, der Pilgerbrunnen,welcher im Jahre 1882 errichtet wurde zur Erinnerung an dasneunhundertjährige Bestehen der Stiftskirche und das tausend-jährige Bestehen der Stadt Aschaffenburg.
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ALIerlei.
Stilblüthen oder Dummheit? In einemBe-richt des „Jllustrirten Wiener Extrablatts" über einNubinstein-Concert heißt es: „Welche Titanenhaftigkeitim Uebereinanderwälzen der Harmonienblöcke!" — „Alsder Meister geendet, da erhob sich das Publikum wie einaus den Ufern getretener See und tobte Beifall." —„Um halb 10 Uhr war die Production zu Ende, undnoch um 10 Uhr, als wir den Saal verließen, producirtesich die festgestaute Menge in rasenden Ovationen."
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Nilder-HlätHsek.