Ausgabe 
(3.5.1894) 36
Seite
269
 
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^ 36. Donnerstag, den 3 . Mai 18942

Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg .

Druck und Verlag deS Literarischcn Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg lVorbesitzer vr. Max Huttler ).

KimmetfcrHrL.

Und als sie ihm nachschaute», wieer in den Himmel fuhr, siehe, da standenbei ihnen zwei Männer in weißem Ge-wände, welche auch sprachen: »Ihr Männer«an Galiläa, was stehe! ihr da und schauetgen Himmel?'

Apostelgeschichte I. 10, II.

Mein Oelberg prangt im Feierglanze,

Der Heiland führt zum Vater auf,

Die Jünger steh'n im weiten KranzeUnd schau'« zum Himmel hoch hinauf,

Sie schauen nach dem theuern Meister,

Der ihrem Aug' zu bald entschwand,

Und liebend heben sich die GeisterZu Ihm empor in's stille Land.

Wir dürfen selbst nun aufwärts schauenAus diesem dunklen Erdenthal,

Wenn unten Nebel Dich umgrauen.

Glänzt oben noch ein milder Strahl.

Seit unser Heiland heimgefahren.

Sehnt sich die Seele zu Ihm hinUnd mochte mit den SchwalbenschaarenIn eine wärmere Heimath zieh'«.

Die Erde will uns oft erdrücken.

Die Welt um uns ist kalt und leer.

Die Blumen, die uns heut entzücken.

Schon morgen blühen sie nicht mehr.

Da sucht das Herz nach bessern Gaben,

Nach Palmen, welche immer blüh'n,

Und kann sie hier mein Herz nicht haben,Soll's feuriger nach oben glüh'n.

Die Jünger steh'n und schau'n gen Himmel,Thu' ihnen gleich, o Menschenherz,

Ob einsam Du im Weltgewimmel,

Ob Du der Nacht klagst Deinen Schmerz,

Die Engel find herabgekommen,

Als unser Herr zum Himmel fuhr,

Noch heut bestren'n sie allen FrommenMit Rosen ihre Erdenspur.

Und war Dein Herz bislang gebundenAn diesen irdisch eitlen Glast,

Und hast Du Frieden nie gefunden,

Weil Du Dich fühlst als fremder Gast:

Dann steig' hinan zur OclbergZfcierUnd schau' dem Heiland nach in's Licht,

Bis auch durch Deine trüben SchleierDie Sonne des Erhöhten bricht.

Adolph Müller .

Tante Kanlra's Geheimniß.

Original-Noman von E. von Linden.

(Fortsetzung.)

In der Stadt wurden die beiden Herren von neu-gierigen Bekannten umringt, da das blutige Ereignißin dem bekannten Hohlwege bereits die Runde machteund allgemeines Entsetzen erregte. Das Gerücht, daßein unheimlicher Mordgeselle die Gegend unsicher mache,war gewiß darnach angethan, alle Gemüther mit Angstund Schrecken zu erfüllen, zumal dasselbe jetzt durcheinen Augenzeugen, welcher nur durch ein Wunder demsel-ben Schicksal entgangen war, vollauf bestätigt wurde.

Der Maler Reinhardt, welcher sich sogleich seinesjungen Freundes bemächtigt hatte, war ganz außer sichüber ven Tod des armen Warneck.

Sollte der Schuft, welcher ihm das Seine aus-geführt hat, ihm nun auch noch das Letzte, das Leben,genommen haben?" fragte er erregt.

Wer weiß," meinte Marbach,doch bitte ich Sie,lieber Reinhardt, sich nicht weiter über diese Vermuth-ung äußern zu wollen, da dergleichen, um den Schul-digen sicher zu machen, nicht in aller Leute Mund seinmuß. Ich gehe jetzt zum Gericht, um die Anzeige zumachen. Erwarten Sie mich, bitte, in Ihrer Wohnung,da ich so mancherlei mit Ihnen zu überlegen habe."

Der Maler versprach es und Marbach ging erst zudem ihm bekannten Polizei-Commissar Frenzel.

Ich stand auf dem Sprunge, nach Rotenhof hin-auszufahren, mein lieber Marbach!" rief der Beamteihm erfreut entgegen.Hat das Gerücht von neuen Ver-brechen gelogen?"

Leider nein, Herr Commissar!" versetzte Marbachdüster,die Geschichte ist schrecklich genug."

Er erzählte mit kurzen Worten, was sich in jenemHohlwege zugetragen.

Und das Kind ist ebenfalls todt?"

Mausetodt!"