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igen einzigartigen Kirchen-Chorgestühle, das in alleneinzelnen Theilen ein wahres Meisterstück der Kunst-fertigkeit in der Holzschnitzerei und Bildhauerarbeit ist.In den 70 Jahren waren alle diese reichen Kunstschätze,die ein beredtes Zeugniß für die Kunstsinnigkeit undden Kunstfleiß der Karthäusermönche sind, noch erhalten;seitdem soll Vieles „unter den Hammer" gekommen undins Ausland gewandert sein.
Noch steht das zum gräflichen Schloß umgewandelteKlostergebäude mit mehreren Karthäuserzellen. An Stelleder Stillen Karthäuser ist der Lärm und das geschäftigeTreiben des vollen Lebens eingezogen, aber es ist, alsob das ernste und düstere Gebäude mit seinen mönchischennun modernisirten Zellengebäuden an dem modernen Auf-putz keinen Gefallen fände Und melancholisch seiner fromm-ernsten Vergangenheit gedenke.
Nach Aufhebung des Bassenheim 'schen Herrschafts-gerichts im Jahre 1848 wurde Buxheim dem kgl. Land-gerichte Memmingen zugetheilt. Heute zählt die Pfarreica. 580 Seelen.
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Zu unseren BildernNach der Taufe.
Der junge Weltbürger ist soeben in die Zahl der Christenaufgenommen worden. Das Tauswasser ist über seinen Scheitelgeflossen und der Taufpathe hat für ihn das Glaubensbekenntnißabgelegt und ist jetzt neugierig, die Gesichtszüge des Täuflingseingehender besehen zu können. Dies ist um so leichter, als dieTrägerin des Kindes sich nach Lüftung des Schleiers eben überdas Wohlbefinden des kleinen Weltbürgers vergewissert. Dieganze Darstellung ist lebenswahr und bis in's Detail natur-getreu. Besonders ist auch der Altar und dessen figürlicherTheil mit größter Sorgfalt von dem berühmten Maler behan-delt, der das Gemälde geschaffen, nach welchem unser Bild ge-zeichnet ist. Der Künstler hat sich mit diesem Werke neuen Lor-beer errungen. _
Tanzende und heulende Derwische.
Derwische heißen bekanntlich die muhamedanischen Mönche.Im Allgemeinen wohnen sie vereinigt in Klöstern; einige sindauch verheiralhet und dürfen dann außer dem Kloster wohnen,müssen aber wöchentlich einige Nächte im Kloster schlafen. Siefasten, kasteien sich, üben strenge Gebräuche, führen gewisse reli-giöse Tänze auf, deren Hauptschwierigkeit in einem oft stunden-langen, meist aber 5—7 Minuten anhaltenden Drehen genauauf einer Stelle, erst mit auf der Brust gekreuzten, dann überden Kopf gehobenen Armen, wobei ihr weiter, gelöster Rockeinen Kreis um sie bildet, besteht, worauf sie besinnungslosniederfallen. Es sind das die tanzenden Derwische. Aehnltchesgilt von den heulenden Derwischen, nur daß diese die Sache nochviel toller treiben. Die Derwische sind durch das ganze tür-kische Reich verbreitet und stehen beim Volk in hohem Ansehen.
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Allerlei.
Ein merkwürdiges Wasserthier. Der Paterde Breest von der Gesellschaft der algerischen WeißenVäter hat, wie wir der „Kreuzzeitung " entnehmen, anden Bischof Livinhac einen Brief geschrieben, worin erein merkwürdiges Wasserthier des Tanganyika be-schreibt, das viele Ähnlichkeit hat mit dem von Sckwein-furth in seinem Buche „Im Herzen von Afrika" geschil-derten Lepidosiren. Der Missionar de Breest schreibt:Eines Tages, als die Frauen mit dem Einernten vonReis beschäftigt waren, hörte man den Schreckensschrei:„Nguema, Nguema" (Krokodil), und alle flohen mit größterEile dahin. Das vermeintliche Krokodil war aber einanderes fremdartiges Thier, halb Reptil, halb Fisch, dasmit der Geschwindigkeit eines Pfeiles unsere Sammel-
körbe übersprungen hatte. Das merkwürdige Geschöpf bleibtstundenlang unbeweglich unter dem Wasser liegen; wennes aber in seiner Ruhe gestört wird, schwingt es sich mitHilfe seines Schwanzes mit unglaublicher Geschwindigkeitin die Höhe. Seine Sprünge haben, soweit ich es fest-stellen konnte, eine Weite von 15—20 Schritten, dannbleibt es wieder still liegen; verfolgt, macht es immervon neuem solche mächtige Sprünge. Seine Sinne scheinennicht recht ausgebildet zu sein, wenn man in Betrachtzieht, wie leicht man an es herankommen kann. EinesTages war ich nur noch 50 Centimeter von einem diesergroßen Reptile entfernt; ich rief einem Kinde zu,, es sollemir eine Lanze holen. Als das Kind nach etwa zwanzigMinuten damit zurückkam, war das häßliche Geschöpfschon im Reisfelde verschwunden. Doch war es mir ge-lungen, in den Besitz von zwei Exemplaren zu gelangen,welche die Kinder mit einer Hacke mitten in einer Pfützeerschlagen hatten; das Weibchen maß 1,10 Meter, dasMännchen nur 93 Centimeter in der Länge; wie bei denFischen ist der Körper mit Schuppen bedeckt, doch sinddiese mit einer klebrigen Schicht überzogen; man entdecktedaher die Schuppen erst beim Zerlegen. Das Thier hatweder Flossen wie die Fische, noch Patten wie die Rep-tile , an Stelle der Patten finden sich zwei Paar Anhängsel,wie Rattenschwänze, verkümmert und langgedehnt, die vor-deren waren 24, die Hinteren 19 Centimeter lang. Beidem männlichen Thiere sind diese Auswüchse nach innenmit einer Art kurzer, fetter Flosse versehen. Gleich denReptilien hat das Geschöpf Lungen, obwohl es beinaheniemals aus dem Wasser geht, auch kann es sich derAuswüchse nicht zur Fortbewegung bedienen. Außerdemhat es, wie die Fische, Kiemen mit vier Ausläufern. Einedicke Flosse am Ende des Rückgrates umgibt den Schwanzund preßt ihn buchstäblich zusammen, indem sie sich nachunten wendet. Der Rachen, der von mittlerer Größe ist,hat zwei Reihen einer knochigen Masse, welche die Stelleder Zähne vertritt. Nach den Angaben der Eingeborenenkann das Thier mit einem Biß einen Finger, ja eineganze Hand abbeißen; es scheint indessen nur ein Pflanzen-fresser zu sein; denn ich fand in seinem großen Magenmit zwei Abtheilungen eine beträchtliche Menge von Reis-stengeln, die noch mit ihren Aehren versehen waren, wo-nach es scheint, daß es seine Nahrung ungekaut verschluckt.Das Thier, das die hiesigen Eingeborenen Sembe oderSompe nennen, ist ein Gegenstand des Schreckens fürsie, sie haben einen instinctiven Widerwillen dagegen; umkeinen Preis würden sie es anrühren, auch nicht mit einerFingerspitze. Dagegen waren einige Wabembe sehr zu-frieden, von dem Fleische des Thieres einige Stücke ihrermageren Suppe hinzufügen zu können, sie erklärten, esschmecke vorzüglich. Die Eier, welche ich zu beiden Seitendes Rückens aufgehängt fand, befanden sich in einer Artlangen klebrigen Beutels und waren von außerordentlicherMenge. Die Kinder haben mir mehrere Tausend Larvengezeigt, die denen der Pythone ähnlich sind, und ver-sicherten, es seien kleine Sembe. Was ihre Angaben zubestätigen scheint, ist der Umstand, daß der Sembe, demich mich so sehr nähern konnte, von mehreren Hundertsolcher virosiorosirvö, wie sie sie nennen, umgeben war.Der Sembe legt sich einige Fuß tief in den Schlamm,dort liegt er, bis die Regenzeit ihn aus seinem schlafartigenZustande erweckt.
--KMN-