rrotirt, werden sich genau darnach richten müssen. Meinarmer, alter Reinhardt wird auch tüchtig leiden, ver-dammte Geschichte, wenn wir ihm das Auge nur retten.Erzählen Sie mir doch jetzt, wie es eigentlich zuge-gangen, Herr Förster!"
„Das wird der Mann mit dem blutigen Gesichtam besten berichten können, Herr Doctor," erwiderte derFörster, „es ist eine räthselhafte Geschichte, diese Gegendwird ja unheimlich verrufen."
Sie traten vor die Thür, wo Schulze auf derBank mit einer Waschschüssel saß und sich das Gesichtkühlte. —
„Na, Freund Schulze, lassen Sie den Riß erstMal beschauen, und dann erzählen Sie mir die Ge-schichte," sprach der Doctor, zu ihm tretend. „Sieh,das ist gottlob nicht gefährlich, ein Stückchen Fleisch istdrauf gegangen und dann der kleine Aderlaß. Hierhängt der ganze Fetzen noch, nun passen Sie auf."
Er zog Heftpflaster aus seiner Verbandtasche undklebte den abgerissenen Fetzen Fleisch damit fest.
„So, Mann, nun wird's schon anheilen. ErzählenSie mir von Anfang an, wie das Schreckliche denneigentlich passiren konnte."
Schulze erzählte so ausführlich als möglich, und derDoctor hörte aufmerksam zu.
„Da wird so ein Teufelsbraten von Junge zumSpaß irgend ein Geschoß mit einer Zündschnur gelegtund diese aus Spielerei angesteckt haben!" rief er inHellem Zorn, „könnte man dem Racker doch auf dieSpur kommen. Sie können mit mir nach Hause fahren.Schulze. — Werde sofort bei der Polizei die Anzeigemachen, Sie müssen natürlich als Hauptzeuge dabeisein.Man wird nachgerade ängstlich dabei, sich irgendwo nochhinauszuwagen, wenn man am hellen Tage nicht mehrsicher ist, todtgeschossen oder von einem sonstigen Spreng-geschoß getroffen zu werden. Adieu, Herr Förster," setzteder Doctor hinzu, „es bleibt dabei, ich komme heute,mit dem nöthigen Rüstzeug versehen, noch einmal wieder."
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(Fortsetzung folgt.)
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Zur Weltausstellung in AntkmM.
Von Dr. Joseph Schiesl.
(Fortsetzung.)
Nach diesem kunsthistorischen Excurse, der uns einenUeberblick über die Entwickelung der niederländischen Kunstund ihrer Vertreter gegeben, wird es genügen, bei deneinzelnen Sammlungen, denen wir noch auf unserer Reisedurch Belgien begegnen, auf die hervorragendsten Werkeaufmerksam zu machen. So finden wir in der oben-genannten ssols außer einigen sehr guten italienischenGemälden besonders hübsche Po^Ms bon Rubens, Karlde Cordes und seine Frau darstellend, ferner überlebens-große Bildnisse des Erzherzogs Albrecht und der JnfantinJsabella, dann die bekannte Madonna mit dem Kindevor der Nosenstaude u. a. Zu dem Schönsten zählt auchdas Flügelbild „Die Geschichte der heiligen Anna" vonQuinten Massys , das früher in der Peterskirche zu Löwenseine Aufstellung gefunden, aber später um 200,000 Frs.für das Museum angekauft wurde. Im Ganzen enthältdie Gallerte gegen 500 Gemälde, die in zwölf Sälenuntergebracht sind. Dem Museum schräg gegenüber be-
findet sich das Palais des Prinzen von Arenberg, früherdie Wohnung des Grafen Egmont, der im Jahre 1568gemeinsam mit dem Grafen Hoorn hingerichtet wurde.Zu ihren Ehren wurde in Mitten von herrlichen Anlagenein großes Denkmal errichtet, welches die Freiheitskämpferin dem Augenblicke darstellt, wo sie brüderlich sich um-armend zum Tode gehen. Neben dem früheren, jetzt alsGefängniß dienenden Carmelitenkloster (leg xsbibs Oarnreg)stand das gräflich Kuhlenburg'sche Haus, bekannt durchdie Unterzeichnung der Bittschrift, welche 300 belgischeEdelleute in gemeinsamem Aufzuge zur StatthalterinMargaretha von Parma brachten, um von ihr die Auf-hebung der verhaßten Neligionsedikte zu erlangen. Betdieser Gelegenheit hörten sie, wie ein Günstling, der GrafBarlaimont, der Fürstin das Wort in die Ohren raunte:„Nnärrins, os n'esb gu'uu tag äs §usux", welch'letzteres Wort die Bittsteller sofort aufgriffen und zuihrem Parteinamen erhoben. Noch am selben Abendedurchzogen sie die Stadt als Bettler, mit einem Bettel-sack umgürtet und einen hölzernen Napf in der Hand,aus welchem sie auf den guten Erfolg ihrer Bestrebungentranken. So ist der Name „Geusen" historisch geworden.
Den südlichen Abschluß der an die rus ro^als an-stoßenden rus äs rsAsnss bildet der mächtige Justiz-palast. Nicht mit Unrecht hat man ihn, auch abgesehenvon den enormen Kosten, die 60 Millionen Francs be-trugen, den größten Monumentalbau unseres Jahrhundertsgenannt, da er an Grundfläche sogar den Petersdom inRom übertrifft. Soviel sich aus dem mächtigen, jedochnicht harmonisch durchgeführten Bauwerke ersehen läßt,wollte der Meister assyrische oder ägyptische Ideen darinzum Ausdrucke bringen und durch die colossalen Dimen-sionen und die Masse des verwendeten Materials eineGesammtwirkung hervorrufen. Da er jedoch wohl wußte,daß durch die mehr gewaltigen als ästhetisch schönenFormen eine eigentlich künstlerische Befriedigung im Be-schauer nicht erzielt werden kann, so gedachte er durchgriechisch-römische Architcctursormen, die er im Einzelnen,wie in den Gesimsen, den Capitälen und der Cannellir-ung der Säulen u. s. w., anbrachte, den Bau zu erleichternund ihm den Eindruck des Plumpen oder Massigen zubenehmen. Doch ist ihm seine Absicht nicht gelungen.Von den 27 großen Sitzungssälen, die der Palast ent-hält, ist der weitaus größte und schönste die salls ä'assisssgoder der Schwurgerichtshof. Prächtige Stückarbeiten unddie überlebensgroßen Bildnisse der beiden Majestätenschmücken diesen Saal, dessen gewaltige Fenster schweregoldgestickte Vorhänge zieren. Eine mächtige Kuppel,nahezu 100 ru hoch, wölbt sich über der Vorhalle, dersogenannten sails äss pas-psräus, welche in ihrer Größeund Ausschmückung mehr einem Dome gleicht, als demAtrium eines profanen Hauses. Diese Halle dient alsWandelgang für Advokaten und Klienten, die sich zwischenden Sitzungen hier besprechen, und dabei mag sich wohlmancher Spitzbube, dessen Handwerk ihn nicht geradein Fürsteuhäuser führt, über die Pracht gewundert haben,mit welcher man ihm zu Ehren einen solchen Monumental-bau geschaffen hat. Eine breite, zur Zeit der National-feste äußerst belebte Straße führt längs des Justizge-bäudes zum sogenannten Halerthor, einem alten festungs-ähnlichen Gebäude, das, früher Vertheidigungszweckendienend, nun zu einem Nationalmuseum verwandelt wor-den ist. Es enthält eine sehr reichhaltige Sammlungvon Waffen und Alterthümern aller Art; neben ägyp-