Ausgabe 
(15.5.1894) 39
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verursacht haben, daß Klausen auch von Malern, namentlich Münchnern,seit Jahren zahlreich besucht war.

Ein Aufenthalt in Klausen ist zu jeder Jahreszeit empfehlens-werth. Der Eisack , welcher viel kaltes Gletscherwasser führt, trägt zurKühlung des Thales beträchtlich bei, so daß selbst im Hoch-sommer die Temperatur eine relativ mäßige ist. Dazu wirktan den Nachmittagen ein angenehmer Luftstrich (die Orades Gardasees) erfrischend; gegen Norden ist das Thal durchLagerung der Berge vor rauhen Winden geschützt. Der Winterist meistens mild; in normalen Jahren ist die niedrigsteTemperatur8°k. Für Brustleivende dürfte Klausen imVorfrühlung vielleicht ebenso günstige Bedingungen bieten, alsdas neuerdings vielbesuchte Bozen, in dem uns Heuer derentsetzliche Staub den Aufenthalt verleidet hat.

Rings im Umkreise findet sich auf den Höhen eine große^ Anzahl von reizenden Punkten, welche^in 12 Stunden zu erreichen sindund die herrlichsten Ausblicke, nament-lich auf die Dolomitgruppen des Gröd-ner Thales, Langkofel, Geißlerspitze,Schlern usw. bieten. Unter den höherenAussichtswarten der Umgebung ist esbesonders die Kassianspitze, deren Be-steigung ohne Gefahr und Schwierig-keit mit Uebcrnachten im Unterkunfts-hause am Latzfonser Kreuz überauslohnend ist.

Freunden der Kunst bietet der vonder Königin Anna von Spanien 1699gestiftete Kirchenschatz mit seinen werth-vollen Bildern und prächtigen Kirchengeräthen, dasSchloß Velthurns des Fürsten Liechtenstein mitseinen wundervollen Nenaissance-Vertäfelungen usw.viel Interessantes.

not 1du8t möchten wir die ange-- " nehmen Erinnerungen an Klausen nicht abschließen, ohne eines

- - - - -eben so interessanten, als, um den Spruch eines lustigen Reisegenossen

--^ gebrauchen,nahrhaften" und echt tirolerischen Gasthauses zu ge-

denken, das uns ebenso durch die Eigenthümlichkeit seines Baues überrascht, als durch ausgezeichnete Küche undKeller bei billigen Preisen imponirt hat. Es ist das Gasthaus zumWeißen Lamm" des Hrn. Gg. Kantioler,ein sehr altes Haus mit einem großen Flötz im Parterre, von wo eine etwas dunkle Stiege in die Gasilocale desersten Stockes führt. Die Stiege mündet auf einen sehr geräumigen Vorplatz, an den sich ohne Abschluß ein alter

Saal mit einer Galerie aus Stein anschließt, ein in feiner Art einziger Typus der alttirolerischen Halle. Das Ganze

wirkt, wenn man's zum ersten Male sieht, geradezu frappant. Daneben liegt die sehr geräumige Gaststube, in welcheruns sofort eine Anzahl in Kreide trefflich ausgeführter Portraits in die Augen fallen. Goethe und Simrock habenauf ihrer Reise nach Italien in diesem gastlichen Hause gewohnt, was mit Jahrzahl und Jahrtag unter ihren Portraitsvermerkt ist. Daneben findet sich das Bild Steubs, des begeisterten Schildercrs Tyrols, Defreggers u. A. ZweiGärten an und in der Nähe des Hauses gewähren schattigen Aufenthalt und jenseits des Eisacks, gar lieblich von

einem Nadel- und Kastanienwald umsäumt, liegt, 10 Minuten vom Städtchen entfernt, das auch zumWeißen

Lamm" gehörige Landhausdie Gamp" mit Fremdenwohnungen und schattigen Spaziergängen.

Item: dem Schreiber dieses und seinen Begleitern hat es in Klausen sehr wohl gefallen. Mit Bildern desinteressanten alten Saales imWeißen Lamm" und des malerischen Ortes, die wir dieser Skizze beifügen, hoffenwir unsere Leser zu erfreuen.

LUISE

Zu unseren Ällder».

Herzogin Max Emanuri -j-.

Am letzten Sonntag wurde Albs durch die Nachricht vomAbleben I. k. H. der Herzogin Amalie, der Gemahlin des vorJahresfrist verstorbenen Herzogs Max Emanuei in Bayern ,überrascht. Kaum 2 Tage vor dem Ableben drang die ersteKunde von einer ernsten Erkrankung der hohen Frau in dieOeffentltchkeit. Eine ganze Reihe von Leiden, die dem Körperder hohen Entschlafenen in den letzten Tagen anhaftete, hatdas rasche, tragische Ableben bewirkt. Zu einem länger bestehendenHerzleiden gesellte sich eine Halsentzündung, ein akuter Darm-katarrh und die Ansänge einer eiterigen Bauchfellentzündung.

Die verstorbene Herzogin war geboren am 23. Oktober 1848als das vierte Kind des 188i verstorbenen Prinz-n August vonSachsen-Coburg-Cohary, und vermählte sich am 20. September1875 zu Ebenthal mit weiland Herzog Max Emanuel ; seit 12.Juni 1893 ist sie Wittwe.

Am Hache.

Hinter dem Garten neben dem Hause schlangelt sich einBächlein durch den Wiesengrund; Schilfrohr und Gesträuchwächst an seinem Rande und Wasserblumen mit breiten Blätternund gelben Blüthen wiegen sich auf seiner Oberfläche. Mit kleinLischen ist heute die Schwester dorthin gekommen, um Wasser