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zu bolen. Eine Schaar junger Entlein tummelt sich eben imBache herum, und es ist eine Freude, dem Nahrung suchendenVölkchen zuzusehen. Lischen hat von Mütterlein ein Stück Butter-brod erha ten und auch die Lvierchen sollen davon ihren Theilbekommen. Eine Hand voll Brocken, von der Schwester Handin s Wasser geworfen — wie sie da herbeigeschwommen kommen,die Entlein, und gierig nach der Beute schnappen! LiSchcn'sButterbrod schmeckt aber auch so gut, und Mütterlein wirdgewiß nicht zürnen, wenn Lischen der flaumbedeckten, nochkaum gefiederten Schaar von seiner Gabe etwas zu Gute kom-men läßt.
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Ueber deu Flug des Menschen
hielt Professor Dr. Müllenhof im wissenschaftlichen Theaterder Urania .zu Berlin einen interessanten Vortrag, dem wirnach dem „Reichsanzeiger" Folgendes entnehmen: Zunächstsprach der Vortragende über das schon seit den ältestenZeiten erkennbare Streben der Menschen, den Flug derVogel nachzuahmen, und lieferte durch Abbildungen, diebis in das dritte Jahrtausend vor Christi Geburt zurück-reichten, den Beweis, daß diesen Bestrebungen von jeherdas größte Interesse entgegengebracht worden ist. LängereZeit verweilte der Redner bei den in Bild und Wort ge-nauer dargestellten bcachtcnswerthen Versuchen Leonardoda Vincis , des großen Gelehrten, der wissenschaftlich'ernst-lich bemüht war, Vas Problem zu lösen, und über 100 sichauf den Flug der Vögcl beziehende und eben so viele Flug-apparate darstellende Zeichnungen hinterlassen hat, die zumTheil eine auffallende Aehnlichkeit mit den modernen Bildernerkennen lassen. Mit der Absicht, als Flügel nicht nur dieArme gelten zu lassen, sondern auch die Beine zu ihrerUnterstützung mit zu verwenden, und mit Verwandlung desFlügclschlags in eine drehende Bewegung der Flügel ginger schon damals weil über die bloße gedankenlose Nach-ahmung der Natur hinaus. Wenn seine Fliegcversnche aucherfolglos blieben, so sind sie doch geeignet, noch heuteunsere beifällige Bewunderung zu erregen wegen der Folge-richtigkeit seiner Anschauungen, die hauptsächlich nur deß-halb keinen Erfolg habe» konnten, weil er auf die Beob-achtung des Vogclflugs mit bloßem Auge angewiesen warund diese Beobachtungen stets unzuverlässig und unvoll-ständig sein mußten. Immerhin muß er als der erste Er-finder des Fallschirms bezeichnet werden, der hundert Jahrenach seinem Tode, im Jahre 1617, in Italien zum zweitenMal und 1784 durch Leuormant zum dritten Mal erfundenwurde und erst in diesem Jahrhundert durch die sinnreicheErfindung eines Engländers in Form eines umgekehrtenRegenschirms mit einer für die Einweichung der Luft amoberen Ende angebrachten Oesfnung eine das unbequemePendeln vermeidende Gestalt bekommen hat. Eine vollkom-menere Beobachtung des Vogelflugs wurde durch zwei inneuerer Zeit in Anwendung gebrachte Methoden, die chro-uographische und die photographische, erzielt. Marey ließeinen Bussard und eine Taube mit einem von ihnen ge-tragenen Apparat fliegen, der so construirt war, daß inPunkten sich alle Bewegungen und Flügelschläge des Vogelsmarkirtcn. Diese Methode wurde vervollständigt durch diePhotographie, die seil der Erfindung der Trockenplattenim Jahre 1871 durch einen englischen Arzt auch zur Dar-stellung der schnellsten Bewegungen eines fliegenden oderlaufenden Thieres gebracht werden konnte und durch OttomarAnschütz bekanntlich ihre größte Vervollkommnung erfuhr,die es Bkarey ermöglichte, eine von ihm als synoptischesTableau bezeichnete Darstellung anzufertigen, wobei durchgleichzeitiges Photographircn von drei Seiten es gelungen ^ist, den Flug der Möue und anderer Vögel in seiner ganzenTechnik auf das Genaueste bildlich zu fixircn. An nachdiesen Bildern aus Wachs gearbeiteten und in den Schnell-schcr von Anschütz gebrachten Modellen hat man erkannt,daß man bis dahin sich über die Technik des Fliegcns nachden Beobachtungen mit dem bloßen Auge ganz falsche Vor-
stellungen gemacht hatte. In der zweiten Abtheilung seinesVortrags erklärte der Redner die nun gewonnenen Resul-tate. Eingehend wurden die Hauptgesetze des Fluges klar-gelcgt, die Größe der Flügelflächen und ihr Verhältniß zurGröße und zum Gewicht der Thiere, die Aehnlichkeit derFlugthiere unter einander, ihr Verhalten zum Winde unddie Größe des Kraftaufwandes beim Fluge von Thierenverschiedener Größe besprochen. Endlich wurde zum Schlußdie von Otto Lilienthal zuerst in einem Garten aus derHöhe von —1 Meter, dann in Steglitz von einem 10Meter hohen Thurm und jetzt in den 20—30 Meter hohenund sehr wohl dazu geeigneten Rhinowcr Bergen bei Neu-stadt a. D. angestellten Fliegcversnche geschildert. Unter Ge-fahren mancherlei Art ist es dem Forscher, der Zeichnung,Construction und Fliegevcrsuche in höchst praktischer Weisestets mit einander zu vereinigen sucht, nach und nach ge-lungen, Strecken von 250—300 Meter in freiem Fluge zu-rückzulegen.
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Allerlei.
In der sozialistischen „Maizeitung" singt ein Dichter„das Freiheitslied, das echte, soziale" in folgendenTönen:
„Auf daß es euch den harten Kampf ve schöne:
Prolet n, singt's — ob man euch fürder hetze,
Ob man euch drangsalirt durch Hungcrlöhne,
An euren Knochen Spieß und Säbel wetze."
Ist das nicht ein bischen viel?
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An das „Messer ohne Griff mit fehlender Klinge"erinnert folgende Meldung des „W. T. B." aus Mantuavom 1. d. M : „Heute wurde in dem Eingangsthor deshiesigen Casino's eine Bombe gefunden. Dieselbehatte weder eine Lunte, noch enthielt sie, wie dieUntersuchung später ergab, einen Explosivstoff."
Wenn's hilft. Eine Dame kommt eiligen Schritteszu einem Arzt. „Herr Doctor, mein Mann hat sich er-kältet. Nasch etwas gegen das Reißen, es muß ein rheu-matischer Anfall sein." —' „So, so," meint der Arztund verschreibt etwas; dann sagt er: „Nasch in die Apo-theke und rasch einreihen! Hilft es, so kommen Sieschleunigst und sagen es mir; ich leide selbst am Reißen."
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Annehmlichkeit. Hauswirthin sdie ein Zimmervermiethen willsj: „Und daß ich's nicht vergesse, meinHerr, kein Klavier ist im ganzen Haus!"
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ZSikder-Hlätyser.
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