Ausgabe 
(17.7.1894) 58
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Hindelang führt nämlich ein ganz hübsches Verbindungs-Sträßchen in östlicher Richtung nach kurzer Wanderungin den Filialort Oberdorf. Dieses große Dorf, unterObstbäumen völlig versteckt, zählt mehr als 100 Häuserund über 500 Einwohner und liegtam Fuße des Jseler, welcher denHintergrund und gleichsam denscheinbaren Abschluß vorn Hinde-langer Thalkessel bildet. Auf einermäßigen Anhöhe daselbst liegt dasPrinz Luitpold-Bad, welches zwarnur einen einfachen und länd-lichen Charakter trägt, aber dessenUmgebung eine herrliche Natur mitmagischen Reizen bietet und einenüberraschend entzückenden Aus-blick in die Berge und in's Hinde-langerThal hinaus gewährt. Die-ses Bad, mit allen wünschens-werthenEinrichtun gen versehen, isteinevorzüglicheLuftkurstätteund verfügtüberreichliche, heilkräf-tige Schwefel-Mineral-Quellen.

Von Oberdorf ab führt dasSträßchen in südlicher Richtungweiter am Ufer der rauschendenOsterach bis zumWeiler Bruck; dieVorberge'rücken enge zusammen;auf einmal wendet sich das Sträß-chen um dieFelsen herum ostwärts,vorbei an dem großen, aufrechtstehenden Stein, welcher nebst derLage der hinter demselben liegen-den Ortschaft zur Ortsbezeichnung,Hinterstein' Anlaß gegeben habensoll. Das Hintersteiner Thal er-streckt sich bis zumFußedes Hochvogels. DieOrtschaft Hintersteinhat 240 Einwohner;ihre meist aus Holz ge-bauten und mit Schin-deln gedeckten sechzigWohnhäuser mit meh-reren Nagelschmied-Werkstätten dehnensich zerstreut aus ineiner Flächenlängevon 3 Kilometer.

Im Gasthause desHerrn Fügenschuhfindet man eine vor-trefflicheKüche undBe-dienung. Hinterstemist eine Perle von Na-turschönheit, nahe derTiroler Grenze, zwi-schen hohen Bergenvollständig eingebet-tet. Da herrscht Ruhe und Friede, nicht einmal einSingvogel läßt sich hören, wohl aber schicken fröhlicheHirten und Aelpler aus freudiger Brust ihre munterenJauchzer von schwindelnder Höhe herab in's einsame Thal,und ober dem Dorfe stürzt tosend das schäumende Berg-

Hinlerstcin.'

Kchallwatd

Wasser in vielen Fällen und Cascaden über die Fels-wände hernieder und eilt dem Bett der wilden Osterach zu.

Glücklich Derjenige, welcher hier in dieser stillen Ge-birgseinsamkeit und in ernster Abgeschiedenheit währendder schönen und heiteren Som-mermonate die Wunder, welchedie Natur und ihr allgewaltigerSchöpfer geschaffen, leibhaftigschauen und jugendfrisch durch-träumen kann. Hier suchten dennauch die Hindelanger währendder Kriegszeiten in den Jahren1796,1800 und 1809 eine sichereund bewährte Zufluchtsstätte.

Die Leute sind hier innig re-ligiös, sparsam und zufrieden undhängen mit ganzer Seele an Gottund an ihrer lieben Heimathscholle,der sie nur mühsam den nöthigenLebensunterhalt abzuringen ver-mögen. Sind es ja doch nur ganzkurze Monate, während welcher beidem beschränkten Horizont wegender Enge des Thales und derHöhe der Berge die Sonne ihrewärmenden und belebendenStrah-len niederzusenden vermag, nurzu bald stellen sich alljährlich Frost,Reif, Schnee und Kälte ein.

Beim Beginne, sowie amSchlüsse des Dorfes befindet sichje eine zierliche Kapelle, und imMittelpunkt steht die allerliebstfreundliche und zur Andacht stim-mende Kirche, erbaut i.J. 1804/5und von Seiner churfürstlichenDurchlaucht ClemensWenzeslaus , Bischofin Augsburg , am 1.Sept. 1805 zu Ehrendes hl. Antonius kon-sekrirt. Hochderselbetrug selbst zum Baueder Kirche 400 fl. bei.Pfarrer Franz SalesKisel in Hindelang spendete zur Erricht-ung einer Manual-Kaplanei mit eigenerBehausung oaselbstimJahre 1803 eineKapi-talsumme von 3000fl.und Pfarrer Jos. Erdtvon Aitrang 500 fl.Vor ein paar Jahr-zehnten wurde einneues Schulhaus er-baut. Seit dem Jahre1856 ist in Hinterstemein eigener Gottesacker; in demselben befindet sich einprachtvolles Kruzifix aus Metall, eine hochherzige WidmungSr. kgl. Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern .Nebenan auf einer mäßigen Anhöhe erhebt sich das ein-fache, aber hübsche Jagdschlößchen Sr. kgl. Hoheit des