Ausgabe 
(17.7.1894) 58
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Hindelang der Mutterkirche Sonthofen gegenüber gethan, lzu einer selbstständigen Pfarrei emporgeschwungen hat,gehören zur Pfarrei Hindelang noch zehn Filialen, von.welchen drei je eine eigene deutsche Volksschule haben.

Die ganze Pfarrei zählt z. Z. 2270 Seelen.

Hindelang ist der Geburtsort der berühmten undhervorragenden Künstler und Bildhauer, der GebrüderFranz und Konrad Eberhard , von welchen vorzüglichKonrad als Professor der Akademie der bildenden Künste in München unter König Ludwig I. der christlichen Kunstseine ausgezeichneten und vielseitigen Talente weihte.

Die Pfarrkirche mit Thurm in Hindelang ist einsolider, stattlicher, im neugothischen Stile aufgeführterBau. Der Abbruch der alten, baufälligen Kirche nebstihrem etwas sich neigendeu Spitzthurme wurde AnfangMai 1864 begonnen, eine Nothkirche im Pfarrstadel er-richtet, und unter Leitung des Baumeisters Johann Bapt.

Aus der alten Kirche stammen zwei künstlerischeReliefs aus weißem carrarischem Marmor:Madonnamit dem Jesuskind" undJesus der Kinderfreund" vonden Gebrüdern Eberhard.

Beachtenswert sind auch die prachtvolle, bei 27 Pfd.schwere, silberne, mit Edelsteinen reich besetzte Monstranz,ein im Jahre 1650 gemachtes Präsent des Bischofs Erz-herzog Sigismund Franz, Erbauers des Schlosses, dannzwei kostbare, vollständige Festornate, Geschenke vom Chur-fürsten, Bischof Clemens Wenzeslaus und seiner FräuleinSchwester, Prinzessin Kunigunde.

Nach dem zerstörungswüthenden Einfalle der Schweden im Jahre 1632/33 herrschte auch in unseren Gegendenallemhalben die Pest oder derschwarze Tod". Auch inHindelang mußte ein eigener Pestgottesacker angelegt werden,1/4 Stündchen südlich im Thalgrunde in der Nähe derOsterach, mit einer Sebastianskapelle aus Holz gebaut.

Hindelang.

Kaufmann wurde die neue Pfarrkirche soweit hergestellt,daß dieselbe am 24. Juni 1867, am Patrociniumsfeste,zur Gottesdienstfeier zum ersten Male bezogen und be-nutzt werden konnte. Die hochfeierliche Consecration derneuen Kirche erfolgte durch unsern Hochwürdigsten HerrnBischof Pancratius jedoch erst am Schutzengelfest d. I.

- 1872. Die Kirche hat drei schöne Altäre und einen herr-lichen, aus Sandstein kunstvoll gemeißelten, mit den kgl.bayerischen Wittelsbacher -Wappen nebst Emblemen ver-sehenen Taufstein, ein hochherziges Geschenk Sr. k. Höh.unseres erlauchtesten Prinzregenten Luitpold von Bayern .

Sehenswerth ist darin auch eine durch opferwilligeBemühungen des kgl. Lycealprofessors Dr. Joh. MichaelKaufmann, eines geborenen Hindelangers, zu Standegebrachte, vom Bildhauer Petz in München , einem Schülerdes Konrad Eberhard , kunstreich hergestellte Statuengruppeder Mutter Gottes von La Salette.

Als aber Sturm und Unwetter am 18. Januar 1739diese Kapelle total zerstörten, wurde mit einem Legate desHasenwirthes Michael Heim zu 400 fl. und mit den Liebes-gaben anderer Wohlthäter unter Pfarrer Haug bald da-rauf die derzeitige gemauerte Kapelle hergestellt, in wel-cher während der Sommermonate jedes Jahres von jeheröfter das hl. Meßopfer dargebracht wird. Diese Kapellewurde geweiht am 30. Oktober 1748. Im gedachtenJahre wurde nämlich ein Altar aus der Pfarrkirche indie Gottesackerkapelle transferirt. Dieser sehr hübsche, alt-gothische Altar, aus Holz verfertigt vom Bildhauer Gg.Lederer zu Kaufbeuren im Jahre 1519, darstellend diegöttliche Dreifaltigkeit, wie sie theilnimmt an der KrönungMaria's, hat nicht unbedeutenden Kunstwerth.

2. Hinterstein.

Fünf Kilometer von Hindelang entfernt, liegt insüdöstlicher Richtung das Filialkirchdorf Hinterstem. Von