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fluß nach Fontarabte, echt spanisches altes Stäbchen mit300V Einwohnern, die Bevölkerung auffallend schön.In Jrun betreten wir das eigentliche Spanien ; — hierWagenwechsel; die Stadt mit 5520 Einwohnern auf einerAnhöhe hat eine hübsche Kirche, — einstündiger Auf-enthalt. Die Bahn verläßt nun das Meer für kurzeZeit und führt durch gebirgiges, anmuthtges Land; durchzwei Tunnels nach Pasages, Städtchen in herrlicher Lagean einer Meeresbucht, und nun gelangen wir nach SauSebastian am Golf von Biscaha, mit 20,000 Ein-wohnern, mit Hafen und Festung, liegt reizend auf einemIsthmus zwischen 2 Buchten am Fuße eines isolirten,mit Fort gekrönten Hügels Orgullo, 130 rn hoch, nachSüden von fruchtbarem, romantischem Flußthal und hohenGebirgen umgeben; eine prächtig gebaute Stadt, zu derwir vom Bahnhof aus per Trambahn fuhren. Die BuchtLa Concha, mit beliebten Seebädern, ist von schmuckenHäusern und Vergnügungslokalen umgeben. Im Sommerresidirt hier die königliche Familie. In der Stadt nimmtdas Rathhaus, Casa de lo Ayuntamiento, eine ganze Seiteder Plaza Nueva ein, die von Portikus mit elegantenSchauläden und Häusern mit eisernen Balkönen um-geben ist. Abends promenirt hier die vornehme Welt;ein großer baumbeschatteter Promenadeplatz ist in allenspanischen Städten anzutreffen. Auffällig ist uns dieschöne Galakleidung der spanischen Soldaten; — dieSennoras sind durchweg mit Mantillas versehen, aufdem Kopf ein spitzenbesäetes, feines Tuch, in Seide ge-kleidet; der Menschenschlag freundlich und zuvorkommendgegen Fremde. Die St. Marienkirche ist ein eleganterRenaissancebau, — eine zweite Kirche, ist ziemlich dunkelgehalten, bietet nichts Bemerkenswerthes. Auf der Höhedes Monte Orgullo liegt, */z Stunde entfernt, das Kastellmit Pracht-Panorama auf das Atlantische Meer undnach Spanien hinein, wozu man einen Erlaubnißscheinauf der Kommandantur holen muß; ein Soldat istFührer auf die höchste Plattform mit herrlicher Aussicht.Vor der Stadt besichtigten wir die Arena für 10,000Zuschauer; die Stierkümpfe finden alle 14 Tage stattvom Juli bis September. Nicht zu vergessen ist dasvortreffliche Diner zu billigem Preise, mit starken spanischen Weinen.
Von Sau Sebastian führt die Bahn nach Madrid ;wer morgens 8 Uhr hier abreist, gelangt bis 9 Uhr nachTolosa, dann über Zumarraga, Alsasna, Vitoria, Mirandade Ebro Abends 5 Uhr nach Burgos , 9 Uhr nachValladolid, andern Tags Abends 5 Uhr nach Madrid .
Hochbefriedigt von unserem Ausflug nach Spanien kehrten wir von Sän Sebastian wieder in kstündigerFahrt zurück über Bayonne und Pau nach unserem liebenLourdes , um dort noch den letzten Tag unseres Auf-enthalts auszunützen, noch einmal die heiligen Stätten zubesuchen, Einkäufe an Devotionalien zu machen und dieVorbereitungen zur Abreise zu treffen, die auf 11 UhrNachts Dinstag, 17. April, angesetzt war. Wir kamen um10 Uhr Vormittags an, eilten gleich zur Basilika, wo ebendas Hochamt begann und während desselben von einemPilger, Pfr. M., eine hl. Messe celebrirt wurde fürunsern Prinzregenten Luitpold von Bayern und Allerhöchst-dessen Familie, sowie für das ganze Königliche HausWittelsbach, mit welchem Bayern durch fast ein Jahr-tausend verbunden ist; es ist daS älteste HerrschergeschlechtEuropas ; fo haben wir auch unserem bayerischen Patrio-tismus an diesem weltberühmten Gnadenorte Ausdruck
gegeben. Während des Hochamtes leistete unser Sänger-chor, Herren und Damen, wieder Vortreffliches; derselbehat sehr viel beigetragen zur größer« Würde und Feier-lichkeit der Gottesdienste und Andachten, zur allgemeinenErbauung der Pilger und der Fremden, welche immerzahlreicher sich einfanden. Alle holten noch Wasser vonder heiligen Quelle für die Heimath in blechernen odergläsernen Flaschen, erstere enthielten 4—6 Liter. Mehrerebestellten größere Quantitäten im Bureau, von wo jähr-lich viele Tausende von Flaschen mit diesem wunderbarenLourdeswasser in alle Welt versendet werden. Wer Wasseraus Lourdes will, schreibe einfach an den Superior derdortigen Missionäre, dessen Adresse ist: k. ?. Luxsrtsur
äss Llissionnairsg äs l'lmwuoulss Oonssxtüon LI^ouräss (Lautss-I'^rsnsss); 6, 10, 20, 30 Flaschen,die dann gegen Nachnahme zugesendet werden; zu ver-güten sind nur die Flaschen und die Fracht, sowie derZoll; das Wasser und das Einfüllen sind gratis; wernur ein paar Flaschen bedarf, kann sich auch an dieAuer'sche Buchhandlung in Donauwörth , oder an M. undA. Kerle, München , Amalienstraße 16, wenden. Es ist einaußerordentlich frisches Wasser, das die Quelle gibt. Bei-gelegt werden gedruckte kurze Gebete, die bei Anwendungin Krankheiten oder an kranken Gliedern gebetet zu werdenPflegen.
Taufende Kranke in verschiedenen Ländern, die wegenkörperlicher Schwäche oder Armuth und zu weiter Ent-fernung nicht selbst nach Lourdes zur Quelle kommenkonnten, suchten von dort sich Wasser zu verschaffen; vonallen Seiten treffen Berichte ein über merkwürdige Hei-lungen, die durch die Kraft dieses hl. Wassers und dasVertrauen zu Maria bewirkt wurden. Man lese nurdie „L-nnalss äs Uotrs-Oains äs lucmräss; LsrtrairäI?ujo, imxrirnsur äs 1a> Qrotts", — in deutscher Aus-gabe bei L. Auer in Donauwörth , die in monatlichenLieferungen erscheinen und berichten über die verschiedenenVorgänge an der Grotte: Prozessionen, Festlichkeiten, dieNamen berühmter Pilger und die wunderbaren Heilungen,welche an der Quelle selbst oder durch das nach aus-wärts versandte Wasser vollzogen werden; nur jene Hei-lungen werden aufgenommen, die von den Aerzten alswunderbar angesehen werden. Man kann angesichtsdessen unmöglich daran zweifeln, daß die Quelle selbstund all diese Heilungen einem übernatürlichen Einflüsse,der Mutterliebe Mariens gegen ihre bedrängten Kinderauf Erden, zu verdanken sind. Einer der ersten ChemikerFrankreichs, Fichol in Toulouse , hat das Wasser chemischuntersucht und gefunden, daß es nur die Bestandtheiledes gewöhnlichen Trinkwassers und nicht eine einzigeSubstanz enthalte an Mineralien, welche ihm besondereHeilkraft mittheilte. Wo auf der ganzen Welt ist dieQuelle, welche gleich der von Lourdes Blinde sehend,Taube hörend, Gelähmte plötzlich gehend macht, welcheSchwerkranken durch einen einzigen Tropfen ihres Wassersvöllige Genesung gibt!
Dinstag Nachmittags eilten Alle wieder von einerKirche zur andern und zur Grotte, wo der Rosenkranzgebetet wurde, um nachher noch längere Zeit dort zubeten für sich und Andere in der Heimath, nochmal alleAnliegen der Gebenedeiten vorzutragen und sich für Lebenund Sterben ihrer Fürbitte zu empfehlen. Sie ist immerbelagert zu jeder Tageszeit von betenden Pilgern auSFrankreich, Spanien, England, Amerika, Italien, Deutsch-land , Oesterreich. Die größere Zahl gehörte de» vor-