Ausgabe 
(3.8.1894) 63
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Gleichgewichtslage in's Schwanken geräth, an dem derstolze Wille sich beugen muß vor der physiologischen Noth-wendigkeit, und von diesem Tage an nimmt die ge-kränkte Natur schwere Rache für die erlittene Unbill.

Die Strafe erfolgt durch das, womit man gesündigt:der Schlaf, um den man so ^ange den Organismus be-trogen hat, flieht das müde Auge, ängstigende Träumemachen die kurze Ruhe, die das überreizte Gehirn endlichdoch gefunden hat, zur Qual, ein ganzes Heer nervöserErkrankungen bedroht den Genuß des Daseins, und derlebensfrische, erfotgessichere Mann wird zum ängstlichsorgenden, daseinssatten Hypochonder. Daß auch schwerereGewcbserkrankungen des Gehirns und Rückenmarks mitLähmungen, Krämpfcn oder ausgesprochener Geistes-störung als Folge von ungebührlich ausgedehnten Nacht-wachen sich einstellen können, erwähne ich nur nebenbei;es sind der düsteren Züge in diesem Bilde ohnedieß genug.

Der Versuch mancher, den Nachts entgangenen Schlafam Tage nachzuholen oder wenigstens durch das Mittags-schläfchen in etwas zu ersetzen, kann vom hygieinischenStandpunkte aus nicht gebilligt werden.Das Ver-wechseln des Tages mit der Nacht, indem man jenenzum Schlafe und diese zur Arbeit oder Belustigung be-stimmt, muß, wenn es längere Zeit getrieben wird, übleFolgen hinterlassen. Nie kann der Schlaf am Tage soruhig fein als in der Nacht; er wird durch das Licht,die größere Wärme, das Getöse der Geschäfte beunruhigtund mehr zu einem träumenden Schlummer als zu einemstärkenden Schlafe." Hartmann 1. o. S. 115. Auch vonFcllenberg-Ziegler sagt:Der Schlaf am Tage ist nurein Nothbehelf und wirkt nie so wohlthätig und restaurirendwie der normale ruhige Nachtschlaf, den er nicht ersetzenkann."

Am naturgemäßesten wäre es eben, wie der schoncitirte Stöhr meint, mit den Vögeln zur Ruhe zu gehenund gleich ihnen das erste Grauen des Tages wach zubegrüßen; allein der Zwang, den wir uns als Gliedereiner Gesellschaft, die längst mit den reinen Instinktenstreng naturgemäßer Lebensweise gebrochen hat, anthunmüssen, macht solche hygieinische Forderungen unausführ-bar. Doch sollte man wenigstens ein paar Stunden vorMitternacht für den Schlaf gewinnen. Die Volksmeinunglegt darauf einen hohen Werth, und nicht mit Unrecht.Die Gewohnheiten der Londoner Aristokratie, die kurzvor Mitternacht ihre Salons eröffnet und dann am an-dern Morgen bis tief in den Tag hinein der Ruhepflegt, sind hygieinisch durchaus verwerflich. Der Tagmit seiner Fülle von Licht und Thätigkeit gehört demWachen, und wenn auch die nothwendige Dauer derRuhe in vollem Maße beibehalten wird, so wird dochimmer nach kürzerer oder längerer Zeit für die vernunft-widrige Umstellung der Tageseintheilung der schlimmeLohn folgen.

Welches ist denn nun eigentlich, um zum Schlüssezu eilen, die nothwendige Dauer der Ruhe S Wir wollenkeineswegs den Siebenschläfern das Wort reden.Ueber-maß an Schlaf entzieht dem Leben eine große Mengeerweckender Reize und bringt dadurch Kälte, Trägheitund Schwäche in dasselbe. Alle Verrichtungen gehennur schleichend von Statten, der Körper wird aufgedunsenund nnbehilflich, die Seele dumm. Der Langschläferberaubt sich des schönsten Theiles seines Lebens, seinermenschlichen Würde und stellt sich einem Heere vonKrankheiten bloß." Hartmann I. o. S. 116.

Wenn wir aber im Allgemeinen 8 Stunden Schlaffordern für einen Erwachsenen, so bezeichnet diese Zahlkein Uebermaß, sondern das von der Natur Geforderte.Wie physiologisch nachgewiesen ist, hat der normale er-wachsene und arbeitende Mensch durchschnittlich 8 StundenSchlaf oder doch wenigstens Bettruhe nöthig, um neueKräfte zu sammeln." v. Fcllenberg-Ziegler 1. o. S. 5.

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AlLeriei.

Zehn Rauchregeln. Dieselben sind zusammen-gestellt von Or. E. Keibel und lauten wie folgt: 1. Rauchenie eine Zigarre weiter, die nicht zieht oder nicht luft-dicht ist, kurz eine solche, die nicht brennt, denn untersolchen Umständen geht viel Nikotin in den Rauch überund damit auch in den Körper des Rauchers. 2. Rauchein der Pfeife nur ganz leichten Tabak; schwerer Tabakentwickelt namentlich in Pfeifen, wo der Luftzutritt meistungenügend ist, viel Nikotin. 3. Hüte dich vor dunklenZigarren; sie enthalten, da sie eine starke Gährung durch-gemacht haben, viel Ammoniak. 4. Da erfahrungsgemäßimportirte Havaunazigarren am schädlichsten wirken, sorauche man dieses Kraut nur selten, höchstens 12 Stückam Tag und dann stets nach Tisch. 5. Rauche nie eineZigarre bis zum Ende. Je kürzer die Zigarre wird,desto schwerer wird sie. Hüte dich auch vor dem Schluckendes Rauches, den der Magen wird durch das scharfeNikotin gereizt. 6. Rauche womöglich keine Zigarre, dieausgegangen und liegen geblieben ist, von neuem an.7. Wenn irgend möglich, so rauche aus einer Pfeife mitrecht langem Rohre, man sei aber peinlich sauber mitdem Rohre, weil sich sonst darin mit der Zeit viel Nikotinansetzen würde. 8. Rauche weder Zigarre noch Zigaretteohne reinliche Zigarrenspitze; durch Kauen und Zerbeißender Zigarre gelangt viel Nikotin in den Speichel; zudemkönnen durch Zigarren gewisse Krankheiten wie z. B.die Schwindsucht, übertragen werden. 9. Kein Menschsoll vor seiner vollständigen körperlichen Ausbildung, alsoetwa vor dem 20. Lebensjahre, rauchen. 10. WederZigarre noch Zigarette, noch Pfeife rauche man, ohneLust dazu zu haben.

Kirchthürme ohne Uhrwerk sind auch in Deutsch-land auf dem Lande keine Seltenheit. Mehrere französischeLandpfarrer wußten dem Mangel eines Schlagwerkes ander Kirchenuhr oder dem gänzlichen Mangel der letzterenauf ebenso einfache als sinnreiche Art dadurch abzuhelfen,daß sie an der Glocke im Kirchthurm einen Hammer an-bringen ließen, der durch einen Elektromagnet, welchermittelst elektrischer Leitung mit einer beliebigen Wand-uhr im Pfarrhause verbunden ist, in Bewegung gesetztwird, so oft die Uhr im Pfarrhaus zum Schlage aushebt.Die ganze Einrichtung verursacht nur geringe Kosten undist so einfach, daß sie von jedem Fachmann, der sich aufdie Anlage elektrischer Klingeln versteht, hergestellt werdenkann.

Vorsichtig. Richter:Was ist eigentlich Ihre Be-schäftigung?" Angeklagter:Akrobat!" Richter:Schließen Sie 'mal sofort das Fenster, Gerichtsdienerl"

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