Ausgabe 
(7.8.1894) 64
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hundert Aerzte und Geistliche gegen den unbefugten Ver-kauf von Heilmitteln durch Troguisten und Kräuter-händlcr, doch erst im 16. Jahrhundert wurde durch könig-liche Verordnung verfügt:Wer Specerist ist, ist nichtApotheker, wer Apotheker ist, ist auch Specerist". Dem-entsprechend bildeten dann beide Classen eine Innung,aber mit getrennter Vorstehcrschaft.

In Deutschland waren bis zum Beginn des 14.Jahrhunderts noch keinerlei Anstalten vorhanden, die sichals Apotheken in unserem Sinne anführen ließen. Erstam Schlüsse des eigentlichen Mittelalters sehen wirWort und Begriff der Apotheke als eirer öffentlichenVeranstaltung im Interesse der Gesundhcilsverhältniffcdes Publikums auftauchen.

Was man bis dahm mit dem Worte Apotheke be-zeichnete, stellte nichts weiter dar, als einen Kramladen,ein Magazin der unterschiedlichsten Handelsartikel. Im

Medicin, die alsRaths- oder Stadtphysici" diesemihrem neuen Amte vorstanden. Auch die Apotheker warenStaatsbeamte mit fester Besoldung. Sie mußten nacheinervon dem hochedlcn Rathe der freien Reichs- undHandelsstadt Bremen " 1532 ausgestellten Urkunde eidlichversprechen,daß sie für alle ihre Kräuter und Heilmittelder Herren Geld zu ihrem Besten getreulich anrechnenund alle Abende in den Kasten stecken, auch das Pharma-copolium bei Tag und bei Nacht pflichtschuldig in Obachtnehmen wollten".

Außer ibrem Gehalt wurden die staatlich angestelltenApotheker noch mit manchen Rechten und Privilegienausgestattet. Sie waren von vielen bürgerlichen Lastenfrei, hatten keine Accise zu entrichten, keine Nachtdienstezu thun u. s. w. Auch richtete man ihnen zu ihrer Be-quemlichkeit neben ihrem Laboratorium sogenannteWurzel-gärten" ein, damit sie die zur Bereitung von Heilmitteln

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Jahre 1343 endlich, zur Zeit,als ein großes Sterbenunter den Menschen herrschte", richtete der Rath derfreien Reichsstadt Frankfurt am Main ein unter seinerAufsicht und seiner Polizeiordnung stehendes Magazinzur Bereitung und zum Verkauf von Arzneimitteln herund nannte diese Niederlagedes Hochedlcn RathesApotheke". Das war das erste derartige Unternehmenin Deutschland. Dem Beispiel Frankfurts folgten dannbald Augsburg, Prag, Prenzlau, Nürnberg, Stuttgart ,Ulm und Leipzig (1409). Im Jahre 1488 erst wurdevom Kurfürsten Johann Cicero , dem ersten der Hohen-zollern, der seinen bleibenden Wohnsitz nach der MarkBrandenburg verlegte, unsere heutige ReichshauptstadtBerlin mit einer Apotheke bedacht.

Die Ucberwachung dieser neuen Apotheken oderküarinaeopolia." (Arzneiläden), wie man sie amtlichgern nannte, übertrug man promovirten Doctoren der

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erforderlichen Kräuter selbstaufziehen" konnten. Eineeigens dazu eingesetzte Ralhscommission, dieApotheker-herren", nahm jeden Monat die Einkünfte der Apothekeentgegen und unterzog sie alljährlich einer Revision. WerApotheker werden wollte, mußte v'cr Jahre in einerApoth-ke lernen und dann eine Prüfung bestehen. Dieamtliche Grundlage der pharmaceutischen Kunst bildetebis 1637 eine von einem im 13. Jahrhundert zu Ale-xandrien lebenden griechischen Arzte verfaßte Anweisungzur Bereitung von Heilmitteln. Auch sonst waren vieleaus dem Arabischen stammende Werke im Gebrauch, undgleich der Heilkunst stand auch die Pharmacie mit derAstrologie in engster Verbindung.

Den besten Einblick in das Apotheker- und Medi-cinalwesen früherer Zeiten gewähren uns die Apotheker-ordnungen, die im 16. und 17. Jahrhundert von denstädtischen und staatlichen Behörden erlassen wurden. Wir