Ausgabe 
(10.8.1894) 65
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von Hunderten von Frauen in tiefer Andacht zum Tischedes Herrn treten zu sehen, oder zu beobachten, wie sieetwa bei dem Requiem für eine arme Arbeitersfrau, diedem Vereine angehört hatte, den Wachsstock »n der Hand,den Mutiern voran zum Opfer ging!

Dock es würde zu weit führen, wollten wir unsin weitere Einzelheiten einlassen; es sei daher nur nochkurz erwähnt, daß die Verstorbene auch an der Sp tzeder F-rauengrnpve zum hl. Carolas in.Hohenems deskatholischen Schulvereins seit der Gründung (1890) stand.

Wir haben nun nur noch über die langwierige,schmerzliche Krankheit zu berichten, welche die unvergeß-liche Gräfin, noch nicht 50 Jahre alt, ach viel zu frühe!dahinraffen sollte. Wie so viele, deren vorzeitigen Todman in den letzten Jahren zu beklaaen hatte, wurde auchsie ein Opfer der so unheilvollen Influenza. Es istdieser modernen Pest eigen, daß sie selbst in der Regelgelinde austeilt und häufig gutartig zu verlauten scheint;allein sie hat heimlich Krankheitskeime, die in dem Orga-nismus ruhten und ohne sie vielleicht immer geschlummerthätten, entwickelt und gefördert. So auch hier! Es zeigtesich ein tieferes Herzleiden, das die Aerzie von Beginnan für verhängnißvoll erklärten, und das auch so unheil-voll enden sollte. Nichts veimochte die Kunst und Be-mühung der Aerzte! nichts die sorgfältigste Pflege! Seltenwird eine Kranke mit so viel Liebe und ausdauernderOpfcrwilligkeit gepflegt und besorgt worden sein, als dietheure Verblichene. An der Sp'tze stand die unvermäblteSchwester des Grafen, Gräfin Anna von Waldburg,welche auf die Kunde von der Erkrankung ihrer liebenSchwägerin sofort an ihr Krankenlager eilte und es durchbeinahe 9 Monate bei Tag und Nacht kaum jemalsverließ; hicbei wurde sie auch auf das Aufopferndste unter-stützt durch den Grafen selbst, durch die lieben Töchter,durch die opferwillige Krcnzschwester Briqitta, die Dienst-boten; allein alle Blühe, Liebe und Sorgfalt konntendem Tode seine Beute nicht entreißen, wenn auch dieTage der lieben Kranken verlängert wurden.

Daß es wahr ist, daß sich der Christ vor Allem imLeiden erprobt, das hat sich hier bestätigt. Was dieGi äfin in diesen 9 Monaten, die sie beinahe immer Tagund Nacht im Krankenstuhle sitzend verlebte, gelitten hat,das weiß Gott allein! Ihre wahrhaft heldenmüthigeGeduld erlaubte ihr keine Klage auch bei den größtenSchmerzen; ihr stets heiterer Sinn verließ sie auch inder Krankheit nicht. Sie hörte nicht auf an Allem An-theil zu nehmen und leitete sogar ihr Hauswesen vomSckmcrzenslager aus; selbst ihre Liebe zur gewohntenThätigkeit blieb aufrecht, und so lange als es ihr Zustanderlaubte, beschäftigte sie sich zeitweilig mit weiblichenHandarbeiten. Unerschütterlich blieb ihr Vertrauen aufihren Heiland, auf die hehre Gottesmutter und den hl.Joseph; hegte sie auch gerne Hoffnung auf Genesung,und sprach sie es auch manchmal aus, daß es ihr wohlschwer falle, so frühe den theuren Gatten, die liebenKinder zu verlassen, so unterließ sie es doch nie. in tieferErgebenheit ihren gewohnten Spruch:Wie Gott will!"beizufügen.

Die langen Nachtwachen, die gebotene Unthätigkeitbenützte sie zur Verdoppelung ihrer gewohnten Andachls-Lbungen. Unaufhörlich betete sie den Rosenkranz für diearmen Seelen, stets ihre lieben Angehörigen auffordernd,sich mit ihr nach Kräften im Gebete zu vereinigen.Seit Beginn der Fastenzeit unterließ sie an keinem Tage

die Kreuzwegandacht; ja noch am Tage vor ihrer Auf-listung verrichtete sie diese schöne Andacht gemeinschaftlichmit der Familie.

So hat sie denn ihren Weg der Schmerzen mit demLeidenswege des göttlichen Heilandes vereinigt; am letztenAbendmahle hatte sie oft während ihrer langen Leidenszeittheilgenommen; nun begleitete sie den Erlöser auch aufseinem Gange nach Golgatha. Hat derselbe seinem un-freiwilligen Begleiter, dem reckten Schäckcr, nur wegeneines einzigen Augenblickes aufrichtiger Reue sofort diePforten des Paradieses geöffnet, so sind wir wohl zuder Hoffnung berechtigt, daß er seine treue Dienerin,freudige Bekennen» und willige Nachfolgerin alsbald indie Glorie des himmlischen Reiches eingeführt habe.

Dinstag den 6. März Vormittaos ^/zll Uhr ent-schwebte ihre Seele der irdischen Hülle und ließ denschmerzgebeugten Gatten, die weinenden Kinder zwar intiefster Trauer und Betrübniß zurück, aber nickt tröst os,denn indem sie dem Beispiele der Verklärten folgen werden,hoffen sie auf ein einstiges freudiges Wicderscben.

Der entseelte Körper wurde im großen Saale deSPalastes aufgebahrt. Da rubtc sie nun, um eben voneinem Walde von Zicrgewäcksen, noch im Tode dasfreundliche Läckeln auf den bleichen Lippen, so fr-edlich,als ob sie schliefe. Den ganzen Tag wallfahrtete dieBevölkerung zum Katafalke, um die allverehrte Gräfinnoch einmal zu sehen, >ür chre Ruhe zu beten und sie,wie üblich, mit dem hl. Weihwasser zu be-prengen.

Die Bestattung fand Donnerstag den 8. März statt;dieselbe gestaltete sich zu einer ebenso herzlichen als im-posanten Kundgebung für die Verstorbene und das ganzegräfliche Haus. Der hockwürdigste Generalvicar vonFeldkirch, Bnchos Dr. Zobl. celebrirte in eigenerPerson das Requiem und nahm die Einsegnung undBeerdigung vor. Die hohen Verwandten der HäustrOettingen und Woldburg, Freunde und Bekannte derFamilie, zahlreiche Geistliche, die Honoratioren der Um-gegend hatten sich Ungesunden. Rührender als alles daswar die herzliche spontane Theilnahme der großen Ge-meinde Hohcncnis; obgleich der jetzigen Generation dieeinstmalige Verbindung von Gntsherrschaft und Gemeindenur mehr als Sage vorschwebt, so bctbeiligte sich dochdie Gemeindevertretung in corpore officicll an der Leichen-feier; die Veteroncnvereine, die Feuerwehr, kurz alle Kor-porationen und Vereine, vor allen andern der Mütter-verein, und nahezu die ganze Bevölkerung begleiteten diehohe Verstorbene zur Ruhestätte. Unabsehbar war derZug der Trauernden.

Zahlreiche Kränze bedeckten den frischen Grabeshügek,darunter einer, den die Gemeinde Hohenems pietätvollam Fuße des Sarges niedergelegt hatte.

Am 14. März fand in der Pfarrkirche der ansehn-lichen benachbarten Gemeinde Lustenau der Graf istauch hier Kirchenpatron ein feierlicher Trauergottes-dienst für die Seelenruhe der Dahingeschiedenen statt,dem die hohe Familie anwohnte. Die Gemeindevertretungin oorxors war erschienen, der Veteranenverein aus-gerückt und zahlreiche Gläubige sandten ihre Gebete fürdie gute Gräfin zum Himmel. Ihr Andenken wird sürimmer im Segen bleiben!