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(Nachdruck verboten.)
(Mit Illustrationen nach Photographien von I. Heimhuberin Sonthofen und Jmmcnstadt.)
1. Fischen.
Fischen wird schon sehr früh erwähnt. Nach Bau-mann*) schon im Jahre 860 unter dem Namen Vis-irinAuir. In einem Vertrage v. I. 905 I^lcino; ineinem solchen von 1182 kisoina; ferner ViMlii i. I.1433; tUlconAg, 907.
Fischen gehörte zum Alpgau, zu dem es von 912an ständig gerechnet wird und als dessen Cente, d. i.Untergau, es sich sogar bis 1806 erhält. Vom Jahre1179—1182 hatte das Kloster Füssen sein Präsentations-recht zur Kirche Fischen gegen den Edlen Adilbert vonNettenberg, der die Vogtei über diese Kirche ausübte, zuverfechten. Die Fischinger Kirche wurde 1126 eingeweiht.
Einige Zeit vor 1170 hatte das Kloster zu Kempten das Eigenthumsrecht an die Kirche zu Fischen. Auch dasberühmte Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen hatte zuFischen Besitzungenvon ungefähr 1100bis1479.AmSchlussedes Mittelalterswaren die Grafen vonRotenfels im Besitzder Herrschaft überFischen. Nach Rudolfvon Habsburg warRotenfels und da-mit Fischen an dieHerren von Schellen-berg gekommen, dieaber im 14. Jahr-hundert ihre Besitzun-gen im Allgäu ver-äußern mußten; da-mit kamen Rotenfelsund Fischen an dieTettnanger Linie desMontfort' schenHauses, dessen Sprossen sich seit 1440 geradezu „Grafenvon Montfort zu Rotenfels" nennen.
Die Pfarrei Fischen, die jetzt 1800 Seelen zählt,war seinerzeit sehr ausgedehnt. Wie schon oben bemerkt,wurde die Kirche schon 1126 eingeweiht, das Benesizium1446 gegründet. In die Pfarrei Fischen, die zum Bis-thum Konstanz zählte, gehörten sogar einige Dörfer desWalserthales (z. B. Mittelberg). (Eine andere Anzahlgehörte zu Oberstdorf und damit zum Btsthum Augs-burg. ) Diese Gemeinden des Walserthales trennten sichjedoch von Fischen mit Zustimmung der Herren vonHeimenhofen, welchen der Kirchensatz zu Fischen zustand,und des Fischener Pfarrers, welche Trennung BischofBurkard von Konstanz im Jahre 1391 bestätigte. AuchTiefenbach gehörte zu Fischen, trennte sich aber wegender großen Entfernung und der damit verbundenen Be-schwerden mit Genehmigung der Grafen von Montfort zu Rotenfels und des Fischener Kirchherrn Sigmund vonHeimenhofen als eigene Pfarrei von Fischen i. I. 1499.
Die Namen der jeweiligen Pfarrer sind bekannt von1390 an; der erste ist Bertholdus Wisches.
Nach diesen historischen Daten über das Fischen derVergangenheit wollen wir übergehen zum Fischen derGegenwart.
Fischen liegt so ziemlich in der Mitte zwischen Sont-hofen und Oberstdorf und darf sich rühmen, von allenKennern des Allgäu's als der schönstgelegene Ort desoberen Jllerthals gepriesen zu werden. Es ist ringsumvon einem Bergkranz umgeben, nach Süden hin ist fast; die ganze Allgäuer Bergkette sichtbar, nach Osten hin derhöchstens von dem eine Viertelstunde westwärts entferntenhochgelegenen Maderhalm etwas umfassendere großartigeBlick auf das Gaisalpthal mit Entschen- und Wengen- kopf, Rubi- und Nebelhorn, im Westen Riedbergerhornund die Bolsterlangerberge, und im Norden bildet denAbschluß der Rigi des Allgäu's, der 1741 Meter hoheGrünten. Schöne Spaziergänge in der Nähe, schattigeWege vom Verschönerungsverein angelegt. AusgezeichneteBahnverbindung sowohl nach Oberstdorf wie Sonthofen.
Fischen selbst liegt 758 Meter über dem Meer, istein großes, schönes Dorf mit etwa 500 Einwohnern und
über 70 Häusern,deren Nettigkeit undSauberkeit von innenwie von außen sehrwohlthuend berührt.Fischen besitzt eine be-deutende mechanischeWeberei, die lautereinheimische Mädchenoder solche der nächstenUmgebung beschäftigt,Handel und Gewerbeist sehr vertreten, guteGasthöfe („Kreuz",„Löwe", „Alpen-rose"), in denen derFremde auch beigroßenAnsprüchen mitKost und Verpflegungzufrieden sein kann.Auch inPrivathäusernist in der letzten Zeit viel zur Bequemlichkeit der Fremdengeschehen. Badegelegenheit bietet das 10 Minuten ent-fernte Mineralbad Au.
Die schöne Lage Fischens, der angenehme und dabeiim Verhältniß zu vielen überflutheten Sommerfrischen dochruhige Aufenthalt dringt denn auch in immer weitereKreise. Fischen, das vor wenigen Jahren noch fast keinenFremdenzufluß kannte, sieht von Jahr zu Jahr die Zahlseiner Sommergäste wachsen und hat auch in dieser Saisoneine namhafte Mehrung zu verzeichnen.
Wer von Jmmenstadt aus per Bahn nach Sonthofen fährt, erblickt einige Male durch Lücken des die Jller um-gebenden hohen Gebüsches das Pfarrdorf Burgberg, garlieblich in einer durch den Grünten gegen Südwesten ge-bildeten heimlichen Ecke gelegen.
Der Ort Burgberg zählt z. Z. circa 700 Seelen.Bis zum Jahre 1750 war Burgberg eine Filiale — wohldie größte — von Sonthofen. Damals schon wohnten in80 Häusern 450 Menschen. In diesem Jahre stifteten derHochw. Hr. Joh. Bapt. Bechteler, hochfürstl. augsburgi-
Fischen.
*) Dr. F. L. Baumann, Geschichte des Allgäus.