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scher geistl. Rath und Fiskal, des löbl. CollegiatstiftesSt. Gertrud in Augsburg Canonicus, ein geborenerSonthofener, und der Pfarrer und Kapitelskammercr vonBurggen, Hr. Licentiat Tiberius Bach, ein ehemaliger Sont-hofener Kaplan, in Burgberg ein Benefizium. Erstererschenkte 7000, letzterer 1000 fl. zu diesem Zwecke. Esgeschah dies, um einerseits die Arbeitslast der beiden Sont-hofener Geistlichen zu vermindern, dann aber namentlich,um dem Wunsche der Burgberger , „welche schon VilleJahre hero nichts eifriger gesucht, als daß in diesem orthein aigener Ouratus aufgestellt werden möchte", zu ent-sprechen. Doppelt nothwendig sei diese Benefiziumsstiftung,da beim Erzgraben und Holzfällen Unglücksfälle vorkom-men könnten und dies die Nähe eines Geistlichen sehrwünschenswerth erscheinen lasse. Kirche und Benefiziaten-wohnung herzustellen, übernahm die Gemeinde Burgberg ,und verpflichtete sich überdies noch, einen Widdum zumUnterhalte für 2—3 Stück Vieh und das nöthige Brenn-holz dem Benefiziaten zu erstellen. 1752 erhielt Burgberg den ersten Benefiziaten in der Person des Hochw. HerrnThomasNeuberg, wel-cher dieseStelle vierzigJahre inne hatte und1792 hochbetagt einesplötzlichenTodes starb;so berichtet die linksder Kirchenthüre überseinem Grabe ange-brachte Gedenktafel.
Schon 1795 suppli-cirten die Burgbergerum Errichtung einerPfarrei, welchem An-suchen, obwohl es sehrgut begründet war —
Burgberg müsse schonfrüher eine eigeneSeelsorgstelle, wennnicht gar eine Pfarreigewesen sein, gäbe esja im Oesch seit Altersher viele Pfarrfelder, im Orte selbst einen gut gestiftetenMeßner mit eigenem Haus — Seitens des OrdinariatesAugsburg auf Andringen des damaligen Pfarrers Hör-mann von Sonthofen keine Folge gegeben wurde. Endlich1803 war das Streben der Burgberger von Erfolg ge-krönt. Das Benefizium wurde mit der uralten PfarreiAgathazell vereinigt, und so entstand die Pfarrei Burg-berg-Agathazcll. Agathazell, Häusser und Ortwang, jederOrt ungefähr 60—70 Seelen zählend, wurden Filialender neuerrichteten Pfarrei. Als erster Pfarrer ist Andr.Metz genannt. Damals zählte die neue Pfarrei bereitszwischen 7- und 800 Seelen, während sich zur Zeit dieSeelenzahl auf nahezu 1000 beläuft.
1835 wurde, um an Sonn- und Feiertagen eineFrühmesse zu haben, eine Kaplanei gestiftet, die aber desherrschenden Priestermangels wegen gegenwärtig leidernicht besetzt werden kann.
Die Lage Burgbergs ist, wie bereits oben angedeutet,sehr schön, das Klima mild, da Nord- und Ostwindekeinen Zugang haben. Wenn Wohnungen vorhanden wären,würde sich Burgberg wie wenig andere Orte zu kurzemSommeraufenthalte eignen. Zum Mindesten aber lohnetesich das Besteigen des Grünten gar sehr. Unerklärlicher
Weise wurde dieser Berg, der bayerische Rigi genannt,eine Zeit lang Seitens der Fremden viel zu wenig be-rücksichtigt; in den letzten Jahren aber hat sich die Sacheerfreulicher Weise gebessert. Möge kein Besucher des oberenJllerthales es versäumen, den nicht sonderlich beschwer-lichen Anstieg des Grünten zu wagen; die Aussicht isteine sehr lohnende, sowohl in's Gebirge als auch in'sLand. Ziemlich nahe der Spitze befindet sich ein prächtigesHotel, wo für Speise und Trank, gute Quartiere undüberhaupt alle Bequemlichkeiten aufs beste Sorge getragenist. In Burgberg selbst gibt es mehrere nette Gasthäuser,von denen namentlich das zum „Löwen" angelegentlichstempfohlen werden kann.
—SÄ8X8SS-
Erinnerungen an Jordanbad.
(Hiezu das Bild Seite 507.)
II. Dreiviertel Stunden südsüdöstlich von der Württem-bergischen Oberamtsstadt Biberach, an der Bahnlinie Ulm—Friedrichshafen, liegt an einem sichten- und buchenbewachsenen
Hügel überaus idyllischhingelagert das Jordan-bad, dessen Geschichtezwar auf mehr als sechsJahrhunderte zurück-reicht, das aber erst inneuerer Zeit weithinKlang und Zugkraft er-halten hat, wildem eszu einem „Kneippbad"eingerichtet worden ist.
Wohl wird auch nochdie alte Mineralquellebenützt und aus ihremeisenhaltigen Wassermittelst eines „Verede-lungs"-Verfahrens einsehr angenehm schmeck-ender Säuerling aew on-nen; aber diese Quelle,die der Sage nach einemaus Palästina heimkeh-kehrenden Kreuzzugs-Ritter Heilung gespendetund von ihm in from-merErinnerung mit demNamen „Jordan" benannt worden sein soll, spielt keine Rollemehr. Das Agens, das heute das Jordanbad belebt und zumZielpunkt hellbedürftiger Menschen macht, ist reines Quellwasser,gesammelt in Hochrefervoirs im schattigen Hügelwald, das mit6 Grad Frische in reicher Menge das prächtig eingerichtete Badspeist und in unverfälschter „Methode Kneipp" den Badegästenapplicirt wiid — nach den Anordnungen des ausgezeichnetenBadearztes Herrn Dr. msä. Stützte, eines der ersten, oderwenn wir nicht irren des ersten medizinischen Jüngers, der sichder Hydropathie nach Kneipp'schen Ideen zuwandte. Seine vor-sichtige und doch sichere Behandlung der Leidenden, die aufmerk-same und eingehende Sorge, d,e er jedem Einzelnen zuwendet,gewinnen ihm sofort das Vertrauen der Badegäste, und — auchdas mag erlaubt sein zu sagen — die wahrhaft überbescheidenenAnsprüche, die seine Deseroitenrechnungen an die Kasse der Gästemachen, beweisen, daß ihm sein Beruf etwas mehr ist, als eineQuelle des Erwerbes.
Also zum Jordanbad I Nachdem wir in Ulm die Fahrt unter-brochen und das prächtige, aber in seinen Gesammtmaßverbält-nissen doch nicht ganz befriedigende Münster besichtigt hatten,fuhren wir mit der „schwäbische Eisebahn" durch die wiesbau-reichen Gefilde des Rißthales nach der alten, freundlichen Reichs-stadt Blberach. Dort erwartete uns der comfortable Bade-Hotel-wagen, der in kurzer Zeit unser somalisches Dasein „nach demJordan" (so lautet der ortsübliche Ausdruck) spedirte.
„Franz", der würdige Oberkellner mit grauen Haaren undBarttoilette L Is. F> anz Josef, geleitete uns sofort zum Badearzt,der auch über die Unterbringung der Gäste verfügt. Um jenenMenschenkindern, die an einer unheilbaren Aversion gegen
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