Ausgabe 
(14.8.1894) 66
Seite
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Schwalbenschwänze" leiden, nicht von vornherein die FreudeamJordan" zu verderben, sei gleich bemerkt, daßFranz " derEinzige seiner Species lovo oitato ist und seine Unterkellner

lauter sittsame schwäbische Jungfrauen sind, angefangen vonder Philippine, die uns im zweiten Stockwerk des Kurhausesbediente und in der Kapelle des Kurortes des Sonn- und Feier-tages gar fürtrefflich ihre treffsichere Stimme in den Dienst dermusiea saora stellt, bis zu all den anderen Jungfrauen, die imKur- und Badehaus, in Feld und Wirthschaft eifrig ihrer Pflichtobliegen und alles in größter Ordnung und Sauberkeit erhalten

wie sich all das geziemt für ein Etablissement, das den ehr-würdigen Franziskanerinnen von Reutte (Württemberg ) gehört.

Nach mannigfachen Schicksalen, die derJordan" im Laufeder Jahrhunderte hatte, war die Heilstätte schließlich Dankder Munificenz des fürstlichen Hauses Wolfcgg in den Besitzdieser Congrcgation übergegangen (1887) und Gottes Segen ruhtsichtlich auf diesem Besitz, der unter der Leitung der dermaligenFrau Oberin eine ungeahnte Verschönerung durch Neubautenund prächtige Gartenanlagen erfuhr. Da ist neben dem altenBadehause mit seinem neuangebauten Flügel, der parterre dievorzüglich eingerichteten Baderäume und im 1. Stock Fremden-zimmer enthält, ein stattliches, mit neuzeitlichem Comfort reichausgestattetes Kurhaus. In demselben befinden sich im Hoch-parterre u. A. die Amtszimmer des Badearztes und im 1. Stockein hübscher Lesesaal mit Balkon Vom Parterrecorridor gelangtman in den Pavillonbau mit geräumigem, elegantem Speisesaalfür jene Kurgäste, welche die Verpflegung I. Klasse gewählthaben.*) Daneben befindet sich ein zweiter Saal mit Billard.Das Kurhaus liegt auf einer Terrasse des schon erwähnten Wald-hügels, welcher durch reiche Teppichgärtnerei geschmückt ist undmit dem darunter liegenden großen Garten darin prächtigeRosencultur und den grünenden, von Hügeln weithin be-grenzten Gefilden des Umlach- und Rißthales dem Auge einengar lieblichen Anblick bietet. Ueber die Gefilde hin schweift derBlick auf die nahegelegene Pfarrei Ummendorf (Bahnstation),wo der geschichtsgelahrte und weitgereiste Pfarrherr Dr. Hofelein einem ehemaligen Schlosse residirt und mit größter Liebens.Würdigkeit den Jordan-Gästen die Schätze seiner Sammlungenzeigt. Links von Ummendorf winkt der Kreuzberg freundlichherüber, auf dem eine Schöpfung Dr. Hofele's eine kleineKuppelkirche thront, eine vielbesuchte Stätte der Andacht. EinKreuzweg" mit geschnitzten und gemalten Stationen führt zurGrabkirche hinauf, welche mit hübschen Gemälden von den Kunst-malern Fugel und Locher (München ) geschmückt ist. Auf deranderen Seite der Thalweitung grüßt von der Höhe das Dörf-chen Rissegg herab, in dem einst der jetzige Hr. Bischof vr. Haffnervon Mainz als Vicar von Biberach aus die Seelsorge versah.

Ein uraltes Kapellchen mit Holzvorbau reiht sich nach Westenan das Kurhaus an. Es genügte dem Bedürfniß längst nichtmehr und ist diesem nun durch einen prächtigen Neubau abge-holfen, den dieSchwestern" in den letzten Jahren aufführenließen. Nach den Plänen des Herrn Domvicars Dengler vonRegensburg erstand das neue Klostergebäude mit stattlicherFront, das im westlichen Theil die Behausung der Schwestern,im östlichen die Kirche enthält und beide Theile unter einemDache in ebenso praktischer als stilistisch glücklicher Werfe vereint.Der Stil ist romanisch und das Innere der Kirche, die poly-chrom ausgemalt ist, überaus stimmungsvoll. Am 7. Juli d. I.wurde zum ersten Male das hl. Opfer in diesem schönen Gottes-hause gefeiert.

Erwähnen wir noch das Wirthschaftsgebäude mit dem Speise-saal für die Kurgäste der II. Pensionsklasse und die stattlichenOekonomiegebäude mit herrlichem Milchvieh und 6 prächtigenPferden für den landwirthschaftlichen Betrieb und die Kuranstalts-Equipagen, so haben wir alle die Gebäude aufgeführt, welchezusammen dasJordanbad" bilden. Doch sei noch einer langengedeckten Wandelbabn gedacht, in welcher sich auch eine Kegel-bahn befindet. Die Wandelbabn ist heizbar und da auch Bade-und Kurhaus mit Centtaldampfheizung versehen find, so eignetsich Jordanbad auch sehr für Kuren im Winter und hat auchthatsächlich schon die letzten paar Winter Kurgäste gehabt.

(Schluß folgt.)

Eine Front-Ansicht des Jordanbades gibt unser heutigesnach einer Photographie hergestelltes Bild, das aber, wie diePhotographie, leider die hübsche, terrassenförmige Lage nicht recht

*) Die Preise sind für Verköstigung (Frühstück, Mittag-und Abendtisch excl. Getränke) I. Klasse 3 M., II. Klasse 2M.,für Wohnung (bessere Zimmer) 13 M.

zur Geltung bringt. Wer sich eingehender überJordan"orientiren will, dem empfehlen wir aus Wörl's Reisehandbücherndas HeftchenFührer durch Jordanbad und Um-gebung" (Verlag von Wörl in Würzburg. Preis 50 Pfg.).

-S2LWÜ-S-

Giu Freund in der Noth.

(Zu unserem Bild Seite 508 und 509.)

Es waren einmal drei Vierfüßler, gar arge Bösewichte vonHunden, der Mops, der Schnauz und der Dackl, das waren rechtlose Gesellen, die es besonders auf die kleinen Hündchen abge-sehen. Wo immer nur der Zufall eines in ihre Nähe führte,ging die Hetze los. Wehe dem Thierchen, daß sich ihr Hänseln,Scherzen und Necken nickt gefallen lassen wollte, da gab's schließ-lich auch noch Stöße, Püffe und Bisse. So wäre es heutefast auch dem kleinenAuch" gegangen. Aber da kam zur rechtenZeit noch Amh's alter Freund, derHektor, der den Bösewichtennicht wenig Respekt einflößte Da steht nun das verblüffte Klee-blatt und getraut sich nicht mehr zu mucksen. Amy aber istnicht wenig froh, daß er seine Peiniger mit einem Male los-geworden, und mit Recht, denn der Hektor fürchtet die drei losenBurschen alle zusammen nicht.

--^-SlNS--

Allerlei.

Fatal. A.:Warum ist denn die Verlobung desProfessors zurückgegangen?" B.:Nur wegen seinerschrecklichen Zerstreutheit. Will er da seiner Braut eineSchachtel mit einem schönen Nosenbouquet senden, ver-gißt aber das Bouquet hineinzulegen und schickt bloßdie leere Schachtel mit der Inschrift: Dein Eben-bild!"

*

Studio sin der Wirthschaft zu einem Philisters:. . . Was, Ihnen sind die Studenten zu gering? MeinHerr, wenn ich will, so dreht sich die ganze Weltum mich!"

*

Aus der Kaserne. Feldwebel:..Also Siesind an der Universität ... wie sagten Sie doch?"Einjähriger:Jmmatrikulirt!" Feldwebel:Na ja,ganz richtig! . . . Wir sagen da ganz einfach geimpft!"

Bescheidener Wunsch. Der kleine Fritz szumOnkelj:Ach, Onkel, wir haben morgen Kindermasken-fest ... sei so gut und leih' mir Deine rothe Nase!"

- I«-

Aitder-Käthser.

Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 62:

Weiß. Schwarz.

, S. L5 06 (06) f K. V6-05

2. B. L2-LL j- Matt.

--EZS-