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für die Theologen besondere Akademieen (Priester-Semi-nare) errichtet, welche mit der eigentlichen Universität inderselben Stadt in gar keiner Verbindung stehen. Auchhaben viele Universitäten nicht sämmtliche Facultäten.So hat die Universität Odessa keine medicinische Facultät,Tomsk keine juristische, philologische und naturwissen-schaftliche; die St. Petersburger Universität hat keineeigentliche medicinische Facultät. Dafür gibt es aber inSt. Petersburg eine eigene medicinische Akademie usw.Ebenso bestehen für die russischen Universitäten keine ein-
für Volksaufklärung (des Ministers für öffentlichen Unter-richt) der Zutritt zu den Vorlesungen gestattet werden.Die Rectoren haben in dieser Hinsicht niemals das ent-scheidende Wort zu sprechen. Was sonst noch die Auf-nahme-Bestimmungen anbelangt, so bestehen hinsichtlichder Jmmatriculation von jüdischen Studenten an sämmt-lichen Universitäten ganz besondere Vorschriften. An derSt. Petersburger Universität werden durchschnittlich nurfünf Procent jüdischer Studenten zugelassen, im Tech-nischen Institut in St. Petersburg nur ein Procent
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W. Gräbhein: Der Rest vorn Fast.
heitlichen Aufnahme-Bestimmungen. Obschon zahlreicheMädchen-Gymnasien vorhanden sind, deren Schülerinnennach abgelegter Reifeprüfung das Recht zum Universitäts-Besuch haben, so sind doch gegenwärtig in Rußland denAbiturientinnen von Mädchen-Gymnasien alle Universitätenverschlossen. Früher wurden an der medicinischen Aka-demie in St. Petersburg, ebenso in Moskau , junge Mädchen,welche das Abiturienten-Examen bestanden hatten, zu denVorlesungen zugelassen.
Sogenannten Hörern (Hospitanten), sowie Ausländernkann nur in Folge besonderer Erlaubniß des Ministers
Juden und in der Ingenieurschule (für Brücken- undEisenbahn-B.au) gar keine Juden. In Odessa, Warschau und Tomsk werden augenblicklich zehn Procent Judenzugelassen, aber auch nur solche, welche mindestens mitder Note 4 vorn Gymnasium kommen (in Rußland istdie Censuren-Scala eine andere als beispielsweise inDeutschland ). Handelt es sich dabei um russische undpolnische Juden, so werden die Ersteren bei der Aufnahmebevorzugt.
Hin und wieder wird aber doch der Procentsatz derbet den Universitäten zulässigen jüdischen Studenten über-