Ausgabe 
(31.8.1894) 71
Seite
551
 
Einzelbild herunterladen

>

551

Wirth, Gott sel's 'dankt, ka Roll'. Fragt's mt ntti hab' meine Gründ'!"

Mit diesen kurz angebundenen Worten begab er sichtn'S Gehöft.

Ltesel! Liefe!!" rief er da.

Das Schützenliesel kam gelaufen.

Sag' dem patscheten Bedienten oben, daß er fürseinen Herrn die Sachen bald zusammenpacken soll; dennder Graf reist wieder ab."

Wie? Was?" rief das Schützenliesel erstaunt undwurde zuerst blaß und dann blutrother reist ab?Er hat ja noch gar nix g'sagt davon? So auf einmal,so übereinander?"

Ja, 'S is Zeit, i hab' ihm den guten Rath ge-geben; Tirol is a großes und schönes Land. Er sollsich die andern Gegenden auch ansehen."

Vater, Du Du hast ihm g'sagt, er möcht'wieder weg?"

Ja, i hab's ihm g'sagt!"

Aber, Vater, warum denn? Weswegen denn ?"

Frag' mi net, Diarndl, ich hab' meine be-sonderen Gründ'!"

Und damit war's basta; das Schützenliesel durftenicht weiter fragen, wollte sie ihren Vater nicht in Wuthbringen. Sie ging, seinen Befehlen nachzukommen. Dannaber stürzte sie hinaus in's Freie, ihrem gepreßten Herzendurch Thränen Luft zu machen. Dort oben, beim Kreuz-weg, da ist eine kleine Marienstatue, dorthin eilte siemit Sturmcsschritten, und nachdem sie sich vergewisserthatte, daß Niemand weit und breit in der Nähe sei, dawarf sie sich hin auf ihre Kniee und erzählte laut derMarienstatue von ihrem Kummer und Herzeleid:OMaria, sei nit bös, aber i kann uit anders, ich hab' ihnhalt gar so gern, denn er is ja so lieb und guat undkennt kan Hehl und kan Falsch. O Maria, heut' gehter fort von uns, und ich werd' ihn im Leben nie mehrwiedersehen! Nimm ihn in Deinen heiligen Schutz! Undauch zu Dir, heiliger Nikolaus, seinem Schutz- und Namens-patron, bete ich o schütze ihn!"

Liesel, Liefe!!" ertönte eS plötzlich, und als wär'er aus dem Boden gestampft, gleich einer heiligen Er-scheinung, stand er vor ihr, derjenige, für welchensie soeben laut gefleht hatte.

Das Liesel schrie laut auf, und schnell erhob sie sich.

Ihre vorher so schmerzerfüllten Züge verriethen plötz-lich Unwillen.

Pfui, Du hast g'lauscht!" sagte sie zu dem Gra-fen;das war nit schön; das war nit fein dieSchand' hätt'st mir ersparen können!"

Liesel, ist es denn eine Schande, daß Du es aus-gesprochen hast, daß Du mich auch liebst?" Du hastmich dadurch zum Glücklichsten gemacht und giebst mirden Muth, noch heute wegzuziehen von hier. Aber ichwerde bald wieder kommen, wenn Du es willst ?"

Weswegen denn wiederkommen? Was hat's dennfür an Zweck? Hast denn nit g'nug d'ran, daß Dumir meine Ruh' gestohlen hast für lange, lange Zeitvielleicht für eine Ewigkeit?"

Wenn ich sie Dir gestohlen habe, Deine Ruhe,ko will ich sie Dir auch wiedergeben. Ich will wieder-sommen in kurzer Zeit und vor Deinen Vater hintreten:Herr Stahlaner, gebt mir Eure Tochter zur Frau! Ichwill sie Euch nicht wett weg entführen. Wir bleiben hierim schönen Tirol. Auf einem hübschen Platze im Pufter-

thale will ich uns ein schönes Schloß bauen lassen, dasDeiner würdig sein soll, Du Königin der Alm, Liesel!Soll ich kommen? Sprich eS aus: Willst Du die Meinewerden?"

Schau, das is ntt recht von Dir, daß Du mitmir armen Diarndel solchen G'spaß machst Du ahochgeborner Graf mit aner großen Krön', wie ich einedrin in Innsbruck g'sehen hab' und i, a einfachesTirolermadel das Schützenliesel vom Gogelsturz?"

Ich schwör' Dir's hier bei der Statue der heili-gen Jungfrau: es ist mein voller Ernst! Ich bin selbst-ständig; ich habe niemand Rechenschaft zu geben überdas, was ich thue oder unterlasse. Meine Stellung alsDiplomat will ich aufgeben und"

Was ist denn dös, «Diplomat?" fragte das Liese!naiv; es kann nix b'sonders Gnats sein; denn mei Va-ter hat amal g'sagt, a Diplomat, der red't immer dasGegentheil von dem', was er denkt und wenn daswirklich der Fall is, dann denkst halt auch anders, alsDu sprichst. Doch nein, nein. Du hast ja g'schworeuzur heiligen Jungfrau, daß es Dein Ernst ist"

Der Graf klärte sie nun in recht faßlicher Weiseüber die Bedeutung desDiplomat" auf und sprach demwie im Traume neben ihm dahinwandelnden Schützeu-liesel so recht zu Gemüth und Herz.

Ja, ja, i möcht' schon!" sagte sie nach einer Weile;aber mei' Vater, der wird halt nit woll'n; er kann dieFremden, die Ausländer nit recht leiden und Du bistja a Fremder, a Ausländer."

Ich bin ein Franzose; aber in Deutschland, amRheine, da habe ich fast meine ganze Jugendzeit ver-bracht, und da habe ich die Deutschen achten und liebengelernt."

Du bist a Franzos?" rief das Schützenliesel fastbestürzt.DaS is schad', recht schad'!" ergänzte sietraurig.

Und warum das, Schützenliesel?" fragte er sieund betrachtete sie neugierig, als wollte er die Gründeerforschen.

Liesel schwieg, als hätte sie seine Frage nicht ge-hört, und es war ihr recht, als, plötzlich um eine Fels-ecke herumkommend, jemand seinen Gruß:Gelobt fetJesus Christus! " entgegenlief:

In Ewigkeit, Amen!" antwortete das Schützenliesel.

(Schluß folgt.)

---LAWNS---

Goldkösner.

Verdienst seht allemal Wirksamkeit voraus; mit bloßemSpeculiren erwirbt man's ebensowenig, als Einer reich wird,der sich auf einen Berg seht, in dessen Gruben Goldadern sind.

Justus Möser.

Glück! sie nennen dich blind und werden nicht müde, zu schelten.Frag' doch endlich zurück: Könnt ihr denn selber auch seh'n?

Friedrich HebLel.

Gelassen lernt' ich Tadel ertragen,

Wie er beschert ward, fein und grob;

Aber am Herzen fühlt' ich nagen

Der guten Freunde gnädiges Lob.

Paul Hehse.

Siehst du ertrinken wen, rett' ihn vor allen,

Dann frag' ihn erst, wie er hineingefallen. K.

Einem lauteren Menschen ist es viel wonnesamer, einemArmen zu dienen als einem Reichen. Tanker.