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Allerlei.
Alle jene wunderlichen thierischen und pflanzlichenStoffe, die der Chinese zu sich nimmt, kommen in kleineStücke zerschnitten auf den Tisch und werden dadurchsowohl wie durch farbige Saucen und vielfache Würzenganz unkenntlich. So sind z. B. die sehr beliebten nächt-lich schattirten Scheiben von seltsam barschem Geschmack,die bei einem größeren chinesischen „Tschau-Tschau"(Essen) gleich einen der ersten Gänge bilden und in einerschwarzen Sauce angerichtet werden, hartgekochte Eier, die,4-5 Jahre lang unter der Erde aufbewahrt, einen derEntwicklung alter Käse ähnlichen Umbildungsprozeß durch-gemacht haben. Haifischflossen und als Salat zubereitetejunge Bambussprossen verursachen dem chinesischen Magendurchaus nicht, wie fast jedem europäischen, entsetzlicheBeschwerden, dürfen vielmehr als auserwählte Leckerbissenbei keiner Festtafel fehlen. Die in einer blauen Sauceschwimmenden Nudeln stellen sich bei näherer Betrachtungals gesalzene und getrocknete Regenwürmer heraus, wäh-rend die Bestandtheile eines mit Bouillon servirten Hachä'sgroße und kleine Raupen sind. Man denke sich ferner dieLage eines europäischen Gesandten, dem der chinesischeMinister bei einem von ihm gegebenen diplomatischen Fest-essen eine scharfgebratene Ratte, wie sie die Chinesen sogern essen, auf der Spitze eines Eßstäbchens als vorzüg-liche Delikatesse anbietet! Ein „Tschau-Tschau" bestehtaus wenigstens 35 Gängen, und die Gäste wie die ser-virenden Lakaien haben, da Teller und Stäbchen fort-während gewechselt werden, mit dem Angebot und Ge-nießen der Speisen alle Hände voll zu thun. Der Durstwird mit leichtem, etwas erwärmtem Wein gestillt. DieChinesen sind keine leidenschaftlichen Zecher, auch reizendie meisten Schüsseln nicht zum Trinken. Eine MengeSüßigkeiten bilden das Dessert, wozu Marzipan gehört,angefertigt aus Zucker, Mandeln und — Schweineschmalz.Wie bei allen asiatischen Völkern, denen die Reize derbunten Reihe bei Tische unbekannt sind, nehmen dieFrauen und Töchter an den Tafelfreuden ihrer Väterund Gatten nicht Theil. Doch kommen Ausnahmen vor,wenn seltenen Gästen besondere Ehren erwiesen werdensollen. So bei einem Mahle, zu dem der berühmte Land-schaftsmaler Professor Eduard Hildebrandt , als er aufseiner Reise um die Erde in Shanghai weilte, von einemreichen chinesischen Kaufmann geladen war. Außer Hilde-brandt waren noch drei deutsche Herren zugegen. Dendrei Ehefrauen des Gastgebers nebst den fünf Töchternwaren ihre Plätze hinter den Gästen angewiesen. Zwischenden einzelnen Gängen, die stets aus mehreren Speisenbestanden, ließen sich die Damen auf dem Schooße derGäste nieder und suchten diese durch kunstlose Mandolinen -klänge zu erheitern. Auf Hildebrandt hatte die gewichtigsteder Mütter Platz genommen, ohne daß dieser geneigt ge-wesen wäre, die Ehre solcher Niederlassung gehörig zuwürdigen. Rechtzeitig — erzählt er — kam mir ein ret-tender Gedanke. Ich erinnerte mich, wie bei einem Gala-Diner in Bangkok (Siam ) Seine Majestät König Mong-kut von Siam Allerhöchstselbst mit seinen großen schwei-ßigen Händen in die Schüsseln gegriffen, aus Reis, Fleischund Sauce einen mächtigen Knödel zusammengekleistertund in den Mund seiner Lieblingsgäste, also auch in denmeinigen und in den des englischen Gesandten, geschobenhatte, daß ich beinahe an dieser fürstlichen Gnadengabeerstickt wäre. Wie, wenn ich nach dem Vorbilde SeinerMajestät von Siam meine liebenswürdige Besitzerin durch
einen phantastisch komponirten Kloß zu zerstreuen trach-tete, da mir doch jede Unterhaltung mit ihr durch Un-kenntniß der Sprache abgeschnitten war? Das Herz deSMenschen ist ein Drachennest, ich gestehe unumwunden,daß ich mit teuflischer Schadenfreude meiner Alten die-selben Qualen zu bereiten trachtete, die mir einst dieGabe des siamesischen Königs verursacht hatte. Aus ge-sottenem Reis, Hachs von Regenwürmern und Jahrelang vergraben gewesenen Eiern fertigte ich einen hand-lichen Bissen, der eben so schwer zu kauen wie zu ver-schlingen sein mußte, und schob ihn Madame mit tücki-schem Lächeln in den Mund. Mein Zweck war erreicht.Die Artigkeit an sich wurde zwar sehr gut aufgenommen,doch erwies sich bald, daß meine Gönnerin der Bewäl-tigung des höllischen Bissens nicht gewachsen war. Krampf-haft strengte sich die Unglückliche an, das formlose Kom-positum niederzuwürgen, plötzlich sprang sie auf und ent-fernte sich, um — nicht wiederzukehren.
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Wie man vor 50 Jahren auf der Eisen-bahn fuhr, ist nach der «St. Z." bei der Feier deSfünfzigjährigen Bestehens der Görlitz- Dresdener Eisenbahnerörtert worden. Danach waren von den Personenwagendamals nur die Wagen erster Klasse ganz geschlossen; dieWagen zweiter Klasse hatten zwar eine feste Bedachung,waren aber an den Seiten nur mit Letnwandvorhängenzum Auf- und Zuziehen versehen. Die Personenwagendritter Klasse waren ganz offen. Die Reisenden dieserWagenklasse waren daher vielfachen Belästigungen durchdie Witterungsverhältnisse, durch Staub und durch Rauchund Funken der Lokomotive ausgesetzt. In den Zeitungenwurden seiner Zeit für Reisende auf Eisenbahnen Halb-Masken von Gaze, das Stück für 20 Pfg., als Schutzgegen Asche und Staub, sowie Dampfwagenbrillen vonGewerbetreibenden zum Kauf angeboten. Mit der Schnellig-keit des Fahrend war es damals auch nicht weit her;besonders verursachte das Wasserfassen der Lokomotive er-heblichen Zeitverlust. Ein alter Dresdener Gesangvereinbestellte zu einer Sängerfahrt nach Bischofswerda einenBruderverein von Nadeburg auf den dortigen Bahnhof.In dem Schreiben an diesen Verein heißt es wörtlich:„Kommt Alle an die Bahn, namentlich Krause, Lachmannusw. sollen kommen; während die Lokomotive Wasser saust,können wir einen Schafskopf ableiern. Zwölfmal 'rumkommen wir allemal!"
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KrittzmogripH.
1 2 5 9 2 bekannt aus einem Trauerspiel,
2 8 9 6 1 brauchen Modedamen viel.
3 4 6 5 am Teich zu finden und am Wald,
4 5 2 1 ein großer Held in kleiner Gestalt.
5 6 7 8 was Mensch und Thier stets hat.
6 3 9 8 2 5 bekannt als Insel und als Stadt.
7 2 7 7 9 als frommes Wesen verehrt,
8 2 1 7 mit scharfer Spitze bewehrt,
9 5 6 4 sowie auch die Anfangsbuchstaben
Sind Namen, wie sie die Mädchen haben.
Auflösung des Kreuz- und Quer-Räthsels in Nr. 69:
Ra
sen
Ha
be
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