Ausgabe 
(20.11.1894) 94
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dem Menschen. So wenig reicht aus, um glücklich zusein. Nur der ist arm, der im großen Welttreiben aufdem Erdenrund kein friedsam Plätzchen gefunden hat,um sich niederzusetzen.

Sie sangen vierstimmig zur Clothildens Spiel diewunderliebliche Melodie:Es ist ein Reis entsprungenaus einer Wurzel zart." Das Lied gab ihnen ein Vor-gefühl vom nicht allzufernen Christfest. Und die vierglücklichen Menschen dachten an der Engel Sang:Ehresei Gott in der Höhe und Friede auf Erden allen, dieguten Willens sind." Sie hatten nur den einen Wunsch:Daß es lange so bleibe!"

Hier ist es gut sein," sprach Heribert, der unver°merkt in das nicht verschlossene Haus eingetreten war.

Freudig hießen Alle den späten Gast willkommen.

Kunstschätze Italiens , Roms sehen und kennen zu lernen,das war mehr, als Klaus jemals erhofft und erträumthatte. Er war außer sich vor stolz-demüthtger Glück-seligkeit.

Sein Gastherr Diethelm trat vor, bot ihm die Handund sprach freudig:

^So nimm meinen Segenswunsch, Du beglücktesMenschenkind! Unser heiliger Altfried behüte und schirmeDich auf der Reise."

Dank Euch für den guten Wunsch," sagte Klaus.

Da kam quch die milde Hausfrau auf ihn zu,Wehmuth im Blicke.

kIch habe niemals einen Sohn gehabt," also sprach

> Frau Gisela.Doch heute ist es mir, lieber Klaus,als ob ich einen Sohn in die weite Welt entlassen sollte.Mein Segen geleite Dich!"

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Die Dosen der heil. Ttisadelh.

Der strahlte vor Glück und platzte sogleich mit seinerBotschaft hervor:

Lieber Klaus, ich soll Dir vermelden. Du darfstgleich mir unsern bischöflichen Herrn nach Wälschland,nach Rom begleiten. Schnüre Dein Bündel. In wenigTagen reiten wir."

Die Wirkung dieser Worte war außerordentlich.

Fassungslos starrte Klaus den Freudenboten an:er vermochte kaum zu glauben, daß ihm solches Heilwiderfahren solle. Dann plötzlich aber sprang er inwahrem Taumel auf, warf sich jubelnd an des Freun-des Brust und umhalste ihn stürmisch. Ja, er Hütte dieganze Welt umarmen, alle Menschen glücklich sehenmögen. Erlesen zu sein, unter des gelehrten BischofsFührung, unter der Leitung Herrn Bernwards, den erschwärmerisch verehrte, wie keinen anderen Menschen, die

Klaus vom Nheine dankte herzlich und schaute sichum nach der stillen Clothild.

Die war bleich und stumm geworden wie ein Mar-morbild, und ebenso unbewegt.

Er schritt auf sie zu und beugte sich zu ihr nieder.

Habt Ihr allein keinen Segensspruch, keinen Wunschfür mich?" fragte er bewegt.

Die Maid schaute traurig empor, und Klaus sahihre großen blauen Augen in Thränen.

Mir geht's wie der Mutter," sprach sie einfach.Ich habe keinen Bruder gehabt, und doch habe ich dieEmpfindung, als ob ein Bruder mir in das Wälschlandzöge. O möge der liebe Gott Euch beschützen!"

Klaus aber hatte kein Verständniß für ihre gefühl-volle Trauer.

Das wird er, Jungfrau Clothild; ganz gewiß wird