741
Bilder aus Steiermark, Körnten nnd demKüstenlande Kram.
Von C. Mayer.
(Schluß.)
VIII.
Römerbad—Graz—Prebichl.
Nömerbad, in dem wir an diesem angestrengtestenTag unserer Tour Erquickung und Ruhe fanden —wirhatten an einem Tage die Bahnfahrt von Trieft bishierher gemacht mit Einschluß des mehrstündigen Besuchesvon Divaca und den St. Canzians-Höhlen —, verdientin mancher Beziehung Beachtung. Die stattlichen Ge-bäude der Kuranstalt heben sich von ihrem Hintergründe,dem reich bewaldeten, vielzackigen Senoschegg, malerischab; rechts auf der Höhe, einem Ausläufer des BergesCosiza, sehen wir das reizende Dorf St. Margarethenmit dem spitzen Thurm über dem niedlichen Kirchlein;die rauschende Sann mit ihren Windungen und Strom-schnellen belebt das Bild. Die Slovenen deS Sannthales,wohlgebildet, schlank, mitunter schwächlicher Gestalt, sindfast durchgehends blond und von blasser Gesichtsfarbe.Gegen geringes Entgelt, in Form eines Brückenzolls, isteS Jedem gestattet, im Curgarten und unter dem schattigenLaubdache des Parkes auf den reinlichen Kieswegen sichzu ergehen; südliche Vegetation — echte Kastanien, Manna,Esche, Maulbeerbaum — findet sich zwischen dem ein-heimischen Baumwuchs; reicher Ozongehalt würzt diebalsamische Luft. — Das vielbesuchte Bad, dessen Thermenfchon den Römern bekannt waren, erfreute sich schondamals großer Berühmtheit, wie alte Denksteine aus jenerZeit bekunden. Dankerfüllte Worte auf denselben, wie:„den hohen Nymphen gewidmet 0 Ladinus Vsranus"
— „den erhabenen Nymphen geheiligt Natino §initus"
— „das Gelübde ist gelöst freudigen Herzens OajngVoxonius", verewigen in schlichter Einfachheit die großeHeilkraft des Bades. Römischen Ursprungs ist auch dieGrundlage des großen, marmorausgclegten Badebassins,dessen hellblaue dampfende F-luth in reichem Strahl ausLöwenrachen fließt, und in dem sich die Heilung suchendenGäste zu gewissen Stunden einfinden; eben so hübschund gut ist bei Schwerkranken für Separatbäder gesorgt.
Doch die Zeit drängte nun, und rasch legten wirdie Fahrt durch das poesieumwobene Steirerland zurück,das Heim eines frisch-fröhlichen, liederreichen Völkchens,und lachend wie deren Angesicht ist auch ihr Ländchen,unmuthig in frischen Farben erblühend. Ob unser Augedie großartige Alpennatur mit ihrer in allen Reizenprangenden Pflanzenwelt streift, ob es in fruchtbareEbenen, blumenreiche Thäler und weinumgürtete Geländetaucht, ob es die gewerkschaftsreichen Städte und Ort-schaften umfaßt oder zu den Malerisch gelegenen Burg-festen und Schlössern hinangleitet, allüberall Freude undFröhlichkeit, Gedeihen und Wachsthum.
Wir erreichen Graz, die reizende, Villen- und park-umkränzte Hauptstadt, deren Häuserreihen, überragt vomstattlichen Schloßberg mit seinem Uhr- und Glockenthurm,zu beiden Seiten der Mur sich freundlich gruppiren.Die nähere Beschreibung von Graz umgehe ich, sie alshinlänglich bekannt voraussetzend, und erwähne nur, daßNiemand versäumen soll, auf schattigem Wege hinauszu-wollen zum bewaldeten Plateau des Schloßberges, umdie wundervolle und berühmte Aussicht zu genießen überdie lebensvolle Stadt und die liebliche Umgebung, welche
duftig umlagert ist von üppigen, leuchtenden Villen undmit blinkenden Kirchlein geschmückten Hügeln. Unter denSehenswürdigkeiten ist als Unicum das LandeszeughaiEhervorzuheben, in welchem eine äußerst interessante undreichhaltige Sammlung aller denkbaren Waffen und Ver-theidigungsmittel vorhergehender Jahrhunderte zu sehenist — von der kostbaren, edelsteinverzierten und elfen-beinausgelegten Wehr der Turnierritter und Jagd-liebhaber bis zum plump und schwer gearbeiteten Rüst-zeug der Landsknechte und Söldner.
Der Juristentag war wegen der in Hamburg aus-gebrochenen Choleraepidemie abgesagt, was wir in Laibacheiner Zeitung entnahmen; allein voraussetzend, es möchtemehreren Juristentagbesuchern gleich uns ergangen sein unddieselben ihre Neisedispositionen schon getroffen und zumTheil ausgeführt haben, verfügten wir uns in den alsVersammlungslokal bestimmten Saal des Hotel Adler;es war allerdings nur ein kleines Häufchen der Männerdes Rechts und der Wissenschaft, die sich dort zusammen-fanden, aber desto vergnügter war die größtenteils aus-erlesene kleine Schaar.
^ Noch sei auf der Heimfahrt einer kurzen Strecke,als einer Perle des steirischen Landes, Erwähnung ge-than. St. Peter - Freyenstein, wunderhübsch auf hohemFelsen thronend, an dessen Fuß das hübsche Dorf mitdem schäumenden Wehr des Baches — in der Fernevon Neuschnee bedeckte Häupter, leitet die romantischeBahnfahrt ein. Sie geleitet uns vorüber an Trafoiachmit dem Schlößchen auf der Höhe und dem Blick übergrüne Matten nach dem prächtigen Hintergrund derThäler, — vorüber an Fridauwerk mit dem dicken,rauchenden Hochofen, dem Vorwerke der größten öster-reichischen Eisen-Industrie. In steter Steigung erreichtdie Bahn das rauchgeschwärzte Vordernberg, dessen Be-wohner fast durchweg in den Eisenwerken beschäftigtsind oder der Knappschaft des Erzbergeö angehören; wirbefinden uns gleichzeitig am Fuße des massigen Gebirgs-stockes, dessen nacktes Gerippe im Glänze spärlicher Abend-sonnenstrahlen vielgestaltig gegen Himmel ragt; der grünePolsterberg, der Hochthurm, der dunkelgefärbte Neichen-stein, die bleichen Kalkzinnen der Gries-, der Vordern-berger-, der Leoner- und Frauenmauern entfalten nachund nach das herrlichste Bergpanorama, dessen Hoch-gebirgsnatur noch erhöht wird durch den in den letztenTagen stark gefallenen Neuschnee. Hier beginnt die hoch-interessante Bergbahn, eine Sehenswürdigkeit ersten Rangesim steirischen Lande, in gleichem Maße hervorragend durchdie Gestaltung der Landschaft, die sie durchzieht, wie durchihre technische Anlage, indem hier das Abt' sche System— Adhäsions- und Zahnradbahn — wie wir belehrtwurden, eine eigenartige Anpassung an die örtlichen Ver-hältnisse erfahren hat. Wir bestiegen den bequemenWagen, dessen Construction, reich an Glasfenstern, dieAussicht in keiner Weise behindert. Ueber Viaducte,tiefe Einschnitte und hohe Anschüttungen keucht der Zugden Prebichl hinan; an jeder Faltung und Biegung derstarken Steige gewinnt man neue Einblicke in reizendeWaldlichtungen und moosweiche Bergwiesen mit wunder-netter Vertheilung der Häuser um die eingefriedete Kirche,sowie auf die in nächste Nähe sich senkenden, herrlichenBergspitzen. An der Straße, kaum hundert Schritte vonStation Prebichl, umfängt uns die neuerbaute gast- undtouristenfreundliche Alpenherberge „Zum Reichenstein"von Heinrich Spitäler, ein sowohl durch zuvorkommende