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Der geschlossene Wagen, in der» die Kaiserin fuhr, sollein wahres Kunstwerk gewesen sein. In der Kirche nahmdie Kaiserin unter einem Baldachin aus golddurchwirktemSammet Platz. Rechts davon, ein wenig mehr zurück,befand sich eine Erhöhung für das Brautpaar. Als dieHochzeitsgesellschaft in der Kirche Platz genommen hatte,wurde ein feierlicher Mittagsgottesdienst gehalten. NachBeendigung desselben näherte sich der Erzbischof derKaiserin, um den Befehl zum Beginn der Traufeierentgegen zu nehmen. Die Herrscherin verließ ihrenThronsesscl, nahm den Bräutigam und die Braut amArm, führte sie zu der Erhöhung vor dem Altar undstellte sich selbst zur rechten Seite des Bräutigams auf.Darauf trat aus dem Raum hinter dem Altar der Erz-bischof Simon mit zwei Bischöfen, die während der Ver-lesung des Evangeliums goldene Kronen über die Häupterdes Brautpaars halten muhten. Dem Erzbischof wurdendie Trauringe übergeben, und dieser überreichte sie derKaiserin. Letztere steckte dem Brautpaar die Ringe anund segnete es. Nach dieser Trauung fanden 10 Tagelang Bälle, Maskeraden, Feierlichkeiten und Volksbe-lustigungen in reicher Abwechslung statt.
Interessant ist es, mit diesen Hochzeiten diejenigeder Großfürstin Lenia Alexandrowna mit dem GroßfürstenAlexander Michailowitsch , die am 25. Juli dieses Jahresstattfand, zu vergleichen. Es war am Montag um achtUhr, als in Petersburg und Peterhof Kanonenschüsse er-dröhnten, die den Hochzeitstag der kaiserl. Hoheiten an-kündigten. Gegen ^3 Uhr begann die Auffahrt amPeterhof'schen Palast, wo die Hochzeitsfeier vor sich gehensollte. Die Paradezimmer dieses Palastes befinden sichim 2. Stockwerk, und der Eingang dazu ist im mittlerenTheile gelegen. Die große, massive Eichenholztreppe warreich mit den prächtigsten Pflanzen bestellt, und der ganzeVorraum glich einem Tropengarten. Die Wachpostenwaren aus den Palastgrenadieren gewählt und die Leib-garden vom berittenen Grenadierregiment. Als die ganzeGesellschaft beisammen und die Mitglieder der kaiserl.Familie erschienen waren, brachte der Zeremonienmeisterdes Hofes die Trauringe zum Altar. Darauf erhieltenStaatsdamen den Befehl, sich nach dem sogenannten„goldenen Empfangszimmer" zu begeben zur Schmückuugder Braut. Dieses Zimmer, dessen Wände mit gold-durchwirktem Stoff bekleidet sind, war für diesen Zweckschon geordnet. Auf einem mit golddurchwirkter Seidebedeckten Tisch stand der große, historische, in goldenemNahmen befindliche Toilettenspiegel Anna Joannownas,vor dem alle Bräute der russischen Großfürsten zurHochzeit geschmückt werden. Die Großfürstin Xenia warmit einem hermelinbesetzten Mantel und einer kleinenBrillantkrone geschmückt. Der Eintritt der kais. Familiein die Kirche erfolgte aus dem sog. „Himbeersalon"(der an den „goldenen" stößt und in dem das Braut-paar vorher mit einem Heiligenbilde gesegnet worden war)durch eine aus rothem Luch errichtete zeltartige Pforte.Zur einen Seite standen die Hofdamen, alle in russischemSsarafan (ein langes Ueberkleid ohne Aermel) und mitgolddurchwirkten, sammtnen Hofschleppen. Die Frauenunter ihnen trugen den Kokoschnik (russischen National-kopfputz) mit kostbaren Edelsteinen, die Jungfrauen sammtneHofbinden. Auf der anderen Seite bildeten Spalier diehöchsten Hof- und Würdenträger, Senatoren und Staats-sekretäre in ihren glänzenden Uniformen. Die höchstenMilitärchargen und das Gefolge begaben sich nach der
Kirche durch das Parketzimmer, in den Petrowskischen,den weißen und den ersten chinesischen Saal, in welch'letzterem die Stabs- und Oberofstziere sich ihnen anschlössen.Darauf schritten sie durch den Porträtsaal, wo die Stadt-oberhäupter und Vertreter der Kaufmannschaft sie er-warteten, um ihnen zu folgen. Im Standart-, im Ka-vallerie- und im blauen Saal befanden sich die hoffähigenDamen, sämmtlich in russischen Trachten. Der Metro-polit Paladin, gefolgt von den Mitgliedern des heiligenSynods und der ganzen Hofgeistlichkeit, trat aus demRaume hinter dem Altar heraus, schritt dem Kaiserpaarentgegen und empfing sie am Eingang der Kirche mitKreuz und Weihwasser. Als die Hochzeitsgäste sich inder Kirche versammelt hatten, führte der Zar, Alexander III. ,das Brautpaar auf eine mit himbeerfarbenem Sammtbedeckte Erhöhung. Die Trauung vollzog der Hofober-priester Janüischew mit anderen Geistlichen. Nach einemWechselgesange brachten zwei Hofpriester in Bischofsmützenauf goldenen Schalen die Trauringe, die der Oberpriesterdem Brautpaar dreimal ansteckte. Daraus traten dieBrautmarschälle, der Großfürst-Thronfolger Nikolaus unddie übrigen Großfürsten heran, um während der Trauungdie Kronen über die Häupter des jungen Paares zuhalten. Nach Beendigung der Feier begab sich der Zugin derselben Ordnung zurück. Um 6 Uhr fand daSParadeessen statt, um 9 Uhr begann ein Konzert imPetrowski'schen Saale, und gegen 11 Uhr reisten dieNeuvermählten ab.
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Auflösung des Akrostichons in Nr. SS:
Reis, Ostern, Bengel, Jlias, Nabel, Sau, Ozelot, Namen.'Nobiusou.
Auflösung des Bilder-Räthsels in Nr. 94:Zeit HM alle Wundm.