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blitzend" vor der ersten Kampfreihe der Kaiserlichen sicht-bar ward, da brach's mit Macht auch von der Seiteher in den Feind. Herr Heinrich von Bayern hatte inseinem Lager durch Dedi, einen kleinen HildeshcimerKunstschüler, so überall still durchzuschlüpfen gewußt hatte,Kunde erhalten von der Bedrängniß des KaiserlichenVetters. Er fuhr mit seinen Mannen wie ein Sturm-wetter zwischen die Reihen der aufrührerischen Römer.
Diese legten sehr rasch besänftigt die Waffen nieder,baten demüthig um Frieden und versprachen dem Kaiserunerschütterliche Treue.
So schien Aufruhr und Zwietracht beschwichtigt.
Unterdessen bestieg Otto aber einen Thurm derPfalz und rief die Aufrührer folgendermaßen an:
„Höret die Worte Eures Vaters. Seid Ihr meineRömer? Um Euretwillen habe ich mein sächsisches Vater-land und meine Verwandten verlassen, aus Liebe zuEuch die Sachsen und alle Deutschen, ja mein eigenFleisch und Blut hintangesetzt. Habe ich Euch nicht indie entferntesten Theile der Welt geführt, wohin EuereVäter, als sie den Erdkreis beherrschten, niemals denFuß gesetzt haben? Euern Ruhm und Euern Namenhabe ich bis zu den Grenzen der Erde verbreitet. Euchhabe ich Allen vorgezogen, um dadurch den Haß Allerauf mich zu laden. Und nun wolltet Ihr zum Dankdafür von mir abfallen. Nachdem Ihr meine liebenFreunde grausam erschlagen habt, wolltet Ihr mich ausder Stadt verjagen. Wie konntet Ihr mich ausschließenwollen, mich, der mit väterlicher Liebe Euch umfassetund niemals Euch aus seinem Herzen verbannen wird?!"
In tadellosem Latein hatte der Kaiser die Wortegesprochen. Wie ein schönes bleiches Marmorbild ausMeisterhand geschaffen stand er vor den schönheitsempfäng-lichen Römern.
Zu Thränen wurden die Empörer gerührt, ja sieschleppten die Häupter des Aufstandes halbtodt in denThurm dem Kaiser zu Füßen.
So war diese Empörung niedergekämpft. In derSeele des Kaisers aber war ein Stachel zurückgeblieben.Tiefe Verstimmung und Enttäuschung über das Miß-lingen seiner Pläne, über den Undank der Römer hattesich seiner bemächtigt. Er beschloß, zugleich mit demgeliebten Bischof Bernward die ewige Stadt zu ver-lassen und ^draußen ein Lager aufzuschlagen.
Bernward, den nichts mehr in Rom zurückhielt,war nun auf seine Heimkehr bedacht.
Südlich von Sanct Peters Basilika, außerhalb derStadt, aber mit ihr durch einen Säulengang verbunden,prangte über dem Grabe des Apostelfürsten Paulus dieihm geweihte Basilika, ein wunderbar herrlicher Bau.Ehe Bernward von der heiligen Stadt Abschied nahm,lenkte er noch einmal zu diesem weihevollen Gotteshauseseine Schritte. Hier wollte er seinen heißen Dank aus-sprechen für die Gnade, so der Allgütige ihm auf derReise gewährt hatte, wollte er Schutz für die Heimfahtterflehen. Aber auch reiche Geschenke des Kaisers, kost-bare Reliquien, sollte er daselbst in Empfang nehmen.
Herr Thangmar nur und seine Schüler Heribertund Klaus durften ihn begleiten. Letzterer, halb ge-nesen, wollte um keinen Preis auf seinem Lager bleiben,als Heribert ihm mittheilte, welches Glück ihm gebo-ten werde.
So betrat Bischof Bernward und sein kleines Ge-folge eine Vorhalle mit vierfachen Säulengängen und
einem rauschenden Springbrunnen. Durch daS mittlereder sieben Thore, welche in das Innere führten, ge-langten sie in das Heiligthum. Welch ein AnblicksVom hehren Eindruck überwältigt blieben sie bewun-dernd stehen:
Viermal zwanzig gewaltige Marmorsäulen schreitenin langen Zeilen durch die Basilika, theilen den Raumin fünf Schiffe und tragen die schönen, reich geziertenBogen. Aus Cedern vom Libanon ist die Decke gebaut,sonnenähnlich überkleidet, mit goldenem Schimmer. Dar-stellungen aus der heiligen Geschichte des alten undneuen Testaments zieren die hohen Wände. Beim Ab-schluß des Mittelschiffes erhebt sich ein goldstrahlenderTriumphbogen über dem mit prächtigem Baldachin über-schatteten Hochaltar. Ueber den von Niescnsäulen ge-stützten, mit goldglänzender Mosaik besetzten Triumph-bogen erscheint das Brustbild Christi, neun Strahlengehen vom göttlichen Haupte aus, und ein in allen Far-ben spielender Lichtkreis umfließt es. Bei den Ansätzendes Bogens stehen die beiden Apostelfinsten. HeiligerErnst, himmlische Majestät und Erhabenheit spricht ausderen Zügen.
Die Besucher sinken in Andacht nieder. Dannfolgen sie dem Führer, den der Kaiser dorthin geschickthat, zur Gruft des heiligen Timotheus . Der Sarg öffnetsich auf Vernwards Wunsch, und der Bischof nimmtunter brünstigen Gebeten den rechten Arm des Mär-tyrers für seine Kirche in Empfang.
Auch Herr Thangmar , nicht zaghaft, nimmt einenerklecklichen Antheil von Reliquien für die HildesheimischeKirche mit, und der Kaiser schenkt dem thatkräftigenHerrn mit Freuden alles das, was er nach seinem Hil-desheim zu bringen wünscht. Dann werden die Reliquienin weiße Seide gelegt und die Umhüllung sorglich ver-siegelt. —
Wenige Tage später, es war am Sonntage Lx-8ur§s yuura, dem 16. Tage des Thaumonats, da ver-ließ Kaiser Otto zugleich mit Herrn Bernward dieStadt Rom.
Zu Paterno am Berg Soracte ließ Otto halten,ließ er das Lager für seine Truppen aufschlagen. Erselbst nahm seinen Wohnsitz dort in der festen Burg.Diese Pfalz lag auf einem durch eine tiefe Schlucht vondem Soracte getrennten Hügel; hochstämmige Eichen um-gaben sie und erinnerten an den deutschen Wald.
Hier in der stillen Einsamkeit vertraute Kaiser Ottoalle Sorgen und Kümmernisse, so ihm bisher bedenklicherschienen, auszusprechen, dem verschwiegenen Herzen seinestreuen Lehrers an, und weiser Rath wurde ihm zu Theil.Der Bischof redete jetzt dem Kaiser, wie dereinst demKnaben, mit zärtlichen Worten und lehrreichen Ermahn-ungen freundlich zu. Er rief ihm seine Pflichten in'SGedächtniß, mahnte ihn, alle Laster zu fliehen, und riethihm, alle Widersacher mit Geduld und Freundlichkeit zubeurtheilen und vornehmlich nicht zu hartnäckig auf seinemSinne zu bestehen.
Darauf beschenkte der Kaiser den innig Geliebtenzum Abschied mit auserlesenen Gaben: Für seinen blühen-den Diöcesanort Goslar gab er ihm die Ueberreste desheiligen Märtyrers Exsuperantius, auf daß sie dort inder volkreichen Stadt beigesetzt würden. Aber auch eineMenge Aufträge an Bischöfe und an Neichsfürsten legteOtto bei der Heimreise seines geliebten Lehrers in dessenHände.