Ausgabe 
(4.12.1894) 98
Seite
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Meinung, sagen Sie, meine Herren, welche Meinungdenken Sie, daß sich mein Herr von meinem Charakterbildet? Gestern beschuldigte er mich des Muthwillens,mich, der hinkt und überdies am ganzen Körper von

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einem schrecklichen ^Rheumatismus gequält wird . . .nein ... in Wahrheit, meine Herren, Sie spielen mitmeines Güte, ... ich werde die Thüre nicht öffnen."Und alle zugleich riefen:

O bester Ruys! o lieber Ruysl geh', laß Dicherweichen! Komm, ein Packet Cigarren gegen denSchlüssel! Komm, meine schöne Meerschaumpfeife gegenden Schlüssel!"

Und dann vernahm mannur mehr den einzigen Ruf:

Den Schlüssel! DenSchlüssel! Den Schlüssel!"

Während Ruys sich, in dieEnge getrieben, dieOhren ver-stopfte, bemerkten dieZöglingeden Bart eines Schlüssels ausdes Dieners Tasche hervor-lugen; sie entwendeten ihnund öffneten die Thüre desAteliers; dies war so schnellgeschehen, daß Ruys noch denRiegel knarren hörte, als dieHälfte der Zöglinge schon ein-getreten war.

Meine werthen Herren,"sagte dann der arme Diener,der Reihe nach bald auf deneinen, bald auf den anderenblickend,aus Mitleid mitmir achten Sie hier jedesDing, betrachten Sie, aberberühren Sie nichts, ....Heim, Sie versprechen mires, nicht wahr?"

Aber keiner antwortete;der eine besah ein Gemälde,der andere einen Entwurf,wieder ein anderer prüfte dienoch frischen Farben auf derPalette; mehrere standen grup-pirt vor einer Staffelei undbewunderten ein angefangenesBild, das die heilige Magda-lena und die heilige Jung-frau, am Fuße des Kreuzesstehend, vorstellte.

Während dieser Betracht-ung herrschte die feierlichsteStille. Die jungen Leute soruhig, so ernst sehend, hörteRuys zu sprechen auf; erwandte sich gegen die Thüre,um hinauszugehen, als plötz-lich ein Gedanke ihn seineSchritte zurücklenken ließ under sich einem der jungen Leutenäherte, dessen Gesichtszügedas Feuer der Jugend unddes Genies zugleich aus-drückten.

Herr van Dyck," sagteer ihm in's Ohr,ich baueauf Sie, Sie sind der recht-schaffenste der fleißigste, derSchule, haben Sie ein Auge auf diese jungen Ueber-müthigen, versprechen Sie mir das?"

Und nachdem van Dyck mit freundlichem Lächelndas Jawort gegeben hatte, entschloß sich der alte Diener,