Ausgabe 
(4.12.1894) 98
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766
 
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zu gehen. Für einige Augenblicke war die Aufführung,welche sie pflogen, thatsächlich eine musterhafte: vertieftin das, was sie sahen, nur an die Kunst denkend, diesie pflegten, besprachen sie sich ruhig miteinander, sei esüber die Farbentöne oder die Darstellungsweise.

Welch' grober Meister ist Rubens !" sagte der eine.

Und eine so glänzende Laufbahn!" fügte ein an-derer hinzu.

Wißt Ihr, meine Freunde," versetzte ein dritter,daß es selten ist, sich den Künstler in dem großen Herrnund den großen Herrn in dem Künstler auf einmal vor-zustellen, wie es bei Rubens der Fall ist?"

Mein Vater," sagte van Dyck,erzählte mir ein-mal, daß, als Rubens Gesandter in Wien war, bei Tischdes Fürsten Kaunitz, Ministers des österreichischen Reiches,ein Herr, die Gemälde Rubens ' rühmen hörend, zu seinemTischnachbarn sagte:Dieser Rubens ist also ein Ge-sandter, dem es gefällt, Malereien zu machen?" Casa-

wo sie sich befanden, und ohne Rücksicht auf die vor-handenen Meisterwerke warfen sie mit dem Ball auf-einander, rannten hin und wieder, balgten einanderab, umschlangen sich gegenseitig mit den Armen undrangen; kurz, keiner konnte sagen, wie es kam, daßDiepenbecke, von einem angestoßen man wußte nicht,von welchem, plötzlich stolperte und fiel gegen was?gegen die Staffelei Rubens '! Die Staffelei stürzte um,die Leinwand mit, und Diepenbecke kam seiner ganzenLänge nach auf die Leinwand zu liegen.

Er stand wieder auf, ein Schrei des Entsetzensentschlüpfte Aller Lippen; die schöne Magdalena war amArme verwischt, und die Muttergottes hatte die Wangeund das Kinn nicht mehr.

Eine Stille der Bestürzung war an Stelle der lär-menden Fröhlichkeit der Zöglinge getreten.

O meine Freunde, was haben wir gethan!" riefensie, indem einer den andern mit Schrecken ansah.

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nova antwortete:Excellenz täuschen sich, Rubens istein Maler, dem es gefällt, Gesandter zu sein."

Während dieses Gespräches entfernte sich Richardvon der Gruppe und bemerkte in einem Winkel einenelastischen Ball, der ohne Zweifel von einem von ihnenam Abende vorher vergessen worden war; er hob ihn auf,und ohne an etwas anderes zu denken, als Bewegungenmit seinen Armen zu machen, welche die Arbeit amMorgen schlaff gemacht hatte, schleuderte er den Ball indie Luft, indem er ihn geschickt wieder auffing, je nach-dem er fiel.

Einmal fiel er zu Boden.

Du bist ungeschickt!" rief derjenige, dem er zuFüßen gefallen war, indem er den Ball aufhob und ihnauf Richard warf, der jedoch dem Wurfe auswich, denBall ergriff und wieder antwortete. Das Spiel kam inGang.

Jeder wollte daran theilnehmen, und vornehmlichDiepenbecke, der hierbei eine ungewöhnliche Fertigkeitentfaltete. Schließlich kam es so weit, daß sie vergaßen,

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Wir sind verloren," sagte Richard.Ohne Zweifeljagt uns der Meister morgen Alle aus der Schule."

Das wird sicher geschehen," sagte ein Anderer;ichwerde indessen auf die Kündigung nicht warten, ich geheim voraus."

Und ich auch!" fügte ein Weiterer hinzu.

Und wohin gehen die Herren," fragte van Dyck,einen zweiten Meister wie Rubens zu finden? Nein, esgibt keine Wahl, wir müssen uns gänzlich seinem Zornaussetzen, wir müssen bleiben."

Zumal er so weichherzig ist," sagte Diepenbecke.

Er ist nicht von großer Sanftmuth," warf einAnderer ein.

Mich macht sein Blick allein zittern," sagte Richard.

Und der Klang seiner Stimme, wenn sie zornigerals gewöhnlich, erstarrt mich," bemerkte van Dyck traurig.

Mein Gott, waS thun, was thun?" sagten Allemit bestürzter Miene.

Stellt jedes Ding an seinen Platz," sprach Richard,und wir begeben uns, ohne etwas zu sagen, fort."