Ausgabe 
(4.12.1894) 98
Seite
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Pfui doch!" rief van Dyck;dadurch würden wirden armen Ruys beschuldigen, er würde vielleicht davon-gejagt werden, und wir hätten uns die Verschuldung desUnglückes eines Greises vorzuwerfen."

Aber was thun wir dann?" fragte Dieperbeckemit trostloser Stimme.

Erwarten wir unser Schicksal und tragen wir es,denn wir haben es verdient," antwortete van Dyck.

Meine Freunde, ein Vorschlag!" rief der Jüngereder Gesellschaft.Wir haben das Uebel verursacht, wirmüssen es auch wieder gut machen: Einer von uns setzesich an's Werk und arbeite; ich wage es, wenn ihr wollt."

Du, Cohen?" sagte sein Nachbar mit Ueber-raschung;Du kannst ja kaum einen Pinsel halten, meinarmer Bursche."

Der gute Willewird das Uebrigemachen,James," ant-wortete Cohen.

Wie wenn dergute Wille das Talentvertreten könnte!" ver-setzte Diepenbecke.

Dennoch ist der Vor-schlag Cohen's nichtzu verwerfen. Einervon uns, und zwarder Tüchtigste, soll sichan'sWerk machen unddie Verbesserung vor-nehmen."

Und wer ist derTüchtigste?" fragtensich Alle, einanderbetrachtend.

Einstimmig nann-ten Alle Antonio vanDyck .

Ich?" sagte vanDyck, erstaunt überdie Aufgabe, die ihmseine Kameraden auf-erlegten.

Ja Dul" wieder-holten sie Alle;Dubist der Tüchtigste.

Du hast drei Stun-den vor Dir; Muth,

Freund, rette unsl"

Bestürzt ergriff van Dyck mit der einen zitterndenHand die Palette, welche man ihm reichte, setzte sich vordas Gemälde, wühlte die entsprechenden Pinsel, und indem Augenblick, ein so schönes Werk zu berühren, hielter noch inne.

Welche Vermessenheit I" sprach er, das Auge zweifelndauf seine Kameraden geheftet, die ihn umstanden.

Vorwärts, vorwärts, van DyckI" erwiderten sieihm, indem sie ihn mit den Händen stießen;alle unsereHoffnung ist in Dir, Du allein kannst den Schadenwieder gut machen, vorwärts also!"

Mit klopfendem Herzen gab endlich van Dyck dendringenden Wünschen seiner Freunde nach. Nach zweiStunden fieberhafter Arbeit, wo Geist und Herz gleichangestrengt schafften, war das Werk vollendet, und van

Dyck erhob sich schweißtriefend von seinem Stuhle. Eine der größten Schwierigkeiten war besiegt; abermorgen, was wird Rubens sagen, wenn er den Betrugbemerkt?

Daß keiner der Zöglinge in dieser Nacht die Süßig-keit des Schlafes kostete, ist wohl leicht denkbar.

Ack, ich bin ganz zufrieden mit Euch," sagte Ruyszu dem Zöglinge, welcher ihm den Schlüssel überreichte;seit ungefähr zwei Stunden befand ich mich im Neben-zimmer des Ateliers und ich habe von Euch so weniggehört, als wenn Ihr nicht dort gewesen wäret; das istmusterhaft, Ihr seid brav wie die kleinen Heiligen vonGyps."

Keiner lachte über den naiven Ausdruck des altenDieners, Jeder begab sich sorgenvoll von bannen. Die-selbe trübe Mienewar ihnen auch amfolgenden Tage eigen,als sie sich an dieArbeit machten.

Der Eintritt Ru-bens' in die Schulemachte einen angst-vollen Eindruck, aberdas Antlitz des Mei-sters war sonnig.

Er weiß nochnichts," sagte Einerleise zum Andern,und sie beruhigten sichfür den Augenblick.

Rubens ging vonStaffelei zu Staffelei,indem er den Einenermunterte, dem An-dern einen Rath gab,einem Dritten einenVorwurf machte.

Plötzlich richtete ersich an seine sämmt-lichen Zöglinge.

Meine Herren,"sagte er,ich willIhnen mein Gemäldezeigen, ein Kirchen-gemälde, welches ichsür die Kapelle einesKardinals mache; fol-gen Sie mir."

Ein Schauer durchlief die Adern eines jeden Zög-lings, dessen ungeachtet erhoben sie sich und folgtenstillschweigend ihrem Meister. (Schluß folgt.)

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Zu unseren Bildern.

Graf Hart»,a,in von Fugger,Regierungspräsident der Oberpfalz und von Regensburg .

Unsere Leser empfangen beute das Bildniß des neu ernann-ten Regierungspräsidenten der Oberpfalz und von Real nsburg,Grasen Hartmann von Fugger-Kircbberg-Weißenhorn. Er wurdegeboren am 29. Juni t829 zu Schloß Oberkirchberg an derJller als sechster Sohn des Reichsraihs Grafen Fr. Fuggerund dessen Gemahlin Johanna, geb. Freiin v. Freyberg. GrafHartmann wurde in der kal. Pagerie zu München erzogen undoblag seinen juristischen Studien an den Universitäten vonBerlin und München . Er erh elt seine erste Staatsanstellung

Reisensbnrg.

Original-Ausnahme van Gustav Baader, Photograph in Krumbach. tDervielsältigungörechl vorbehalten.)

WM-r.

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