Ausgabe 
(4.12.1894) 98
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für Kusel in der Pfalz und wurde bereits am 21. Juli 1858zum Regierungsassesfor befördert. Von 1862 bis 1868 wirkte erals Bezirksamtmann in Neuburg a D., um von diesem Jahreab als Regierunasrath und dann als Direktor abwechselnd inden Kretsregierungen der Rhcinpfalz und Oberbayerns seineDienste dem Staate zu widmen. Graf Fugger war lange Zeitin hervorragender Weise parlamentarisch thätig. Schon als Be-zirksamtmann verirat er den Wahlkreis Donauwörth im Land-tage, und bis 1881 finden wir den Grafen Fugger als hervor-ragendes Mitglied der Rechten in der bayerischen Abgeordneten-kammer; dem deutschen Reichstage von 1877 bis 1881 gehörteer als Zentrumsmitglted an. Bet den Neuwablen von 1881 zoger sich von der parlamentarischen Arena zurück. In den letztenJahren hatte er vielfach an Stelle des wegen Krankheit oft be-urlaubten Freiherrn v.Pfeufer die Prästdialgefchäfte zu führen.

Aas Denkmal König Ludwigs II. in Murnau .

In Murnau , am Fuße der Berge, ließ die Liebe der bayeri-schen Obeiländer zu König Ludwig II. , demihrigen", einwürdig-s Denkmal erstehen. Die Anregung zur Errichtungeines solchen gab Postdalier Bay rlacher dortselbst. Durch freieLievesspenden kam das am 26. August 1894 unter dem Zu-drang von mehr als 10,000 Festtbeilnehmern in dem oberbayeri-fchen Markt Murnau freilich enthüllte Monument zu Stande.Josef Hautmann, d-r jahrzehntelang den heivorragendsten An-theil an der plastischen Ausgestaltung der königlichen Entwüifehatte, ist der Stöpfer der Kolossalbüste aus weißem Marmor,die sich in lebensvoller Aehnlichkeit von dem Hintergrund ausnatürl-chem Fels abhebt. Sie ruht auf einem gleichfalls mar-mornen Sockel, der das bayerische Wappen trägt, nebst deneinfachen Worten, mit denen diegetreuen Landeskinder ihremunvergeßlichen Ludwig" dies bescheidene, aber nicht unwürdigeDenkmal widmen.

Das neue Drichstagsgebäu-e.

Am 5. Dezember wird der Reichstag wieder zusammentretenund zwar diesmal in einem neuen, prachtvollen Palast. Ueberein Dezenium waren Tausende von Händen unausgesetzt thätigan der Ausführung des Riesenbaues, der bestimmt ist, d>rVolksvertretung des Deutschen Reiches, dem Reichstage, einwürdiges Heim zu bieten. Endlich ist das Prachtgebäude zurVollendung gediehen und wenn die deutschen Volksboten sichwieder in der Hauptstadt des Reiches vereinigen, werd n sieunter festlichem Gepränge ihren Einzug in den neuen Parla-mentskälen halten und weiter berathen über des Volkes Woblund Wehemöge ihre Thätigkeit im neuen Hause dem Reichezu stetem Segen gereichen.

Bereits im Jahre 1873 ließ der Reichstag 24 MillionenMark aus der französischen Kriegsentschädigung nebst den an-wachsenden Zinsen für die Errichtung eines großartigen deut-schen Pailamentsgebäudes bereit stellen. Kleichzezng wurdeeine Konkurrenz für einen entsprechenden Plan eröffnet, ausWelcher nach schwieriger Entscheidung der Baumeister PaulWallst, von Geburl ein Rheinländer, als Sieger hervorging.Ihm wurde auch die Bauleitung, sowie die künstlerische Ueber-wachung anvei traut.

Der Bau gestaltet sich in seiner Hauptgrundrißlage alsein großes Rechteck, besten Miitelpunckt naturgemäß das Herzdes ganzen Haufes der ringsum von weiten Gangen umgebeneSitzungssaal ist. Ueber ibm erhebt sich die Kupvel von Glaszwischen goldschrmmernden Rippen, darüber die gleichfalls go>d-glänzende Laterne, ein von Säulen umstellter Bau und überder Laterne als Abschluß des Ganzen, die goldene Kaiserkrone.Die Hauptfi ont, die >30 Meter lang ist, entwickelt sich palast-artig in scharfer Betonung der inneren räumlichen Theilungauch nach außen hin. Die Mitte dieser Fa^ade nimmt diekräftig vertretende Säulenhalle ein, deren Kapitale überMannshöhe haben. In dem breit gelagerten Feld des mäch-tigen Glbels treten Skulpturen hervor, die ihre Steigerungbis zur Kuppel hin in den massigen Ecklösungen und ,n derBegaS'schen Germaniagruppe finden. Charakteristisch wirkenjedoch die thurmartigen Eckbauten mit offenen Galerien undfigurengeschmückter Balustrade. An äußerem Schmuck ist derneue Retchstagsbau überhaupt außerordentlich reich, aber dieMaße des Gebäudes so gewaltig, daß die bildnerischen Zierdennirgends als überladen erscheinen. Ein hoher Sockel in schwererFügung schließt das Gebäude nach unten ab. In Mitten allervier Seiten sind die Eingänge angeordnet und zwar ist der,welcher auf unserer Abbildung ersichtlich ist, der mehr repräsen-tative Eingang, welcher wohl nur bei besonderen Anlässen be-

nutzt wird. Den gewöhnlichen Eingang für Abgeordnete undPublikum bildet das Südportal.

Reckts und links vom Mittelbau sind die Erfrstchungs-und Lesesäle der Abaeordneien. An der Ostfront siegen nachSüden die Räume für den Bundesratb, nach Norden die fürdas Reichstagspräsidmm. Die nördliche Eingangshalle ist alsDurchfahrt gestaltet; von hier aus gelangt man über den erstenHof und eine weitere Durchfahrt unter dem Sitzungssaal bis inden Südhof. Im Untergeschoß befinden sich Post, Telegraphie,Heizung und eine Anzahl anderer Diensträume nebst den Garde-roben und einigen Hallen, die den Abgeordneten für Besuchs-empfänge rescrvirt bleiben.

Die neue Dehandlung der Diphtherie.

Professor Beh ring in Halle hielt kürzlich in einer Ver-sammlung der Naturforscher und Aerzte in Wien einen Vortragüber sein neues Heilverfahren zur Heilung der Diphtherie.Behring injicirt Pferden, welche zu keinem anderen Zwecke ge-b'aucht werden dürfen, steigende Mengen von Dipbtheriegift.Wenn dieselben eine bestimmte Menge Toxin ohne Reaktions-Erscheinungen vertragen, wird denselben durch Aderlaß Blutentnommen und aus diesem mit Antitoxin beladenen Blute dasSerum, das ist die nach der Gerinnung des Blutes übrigbleibende Flüssigkeit gewonnen, welche sodann keimfrei gemachtwird und nun für den Gebrauch reif ist. Die Heilwirkung desauf diese Weise dargestellten Antitoxins ist unzweifelhaft und inletzter Zeit durch zahlreiche Fälle nachgewiesen. Sehr günstigeResultate sind besonders auch vonvr-Roux in Paris bekanntgeworden. Profissor Behring äußerte sich, daß von hundertKindern, welche innerhalb 48 Stunden nach der Erkrankungmir dem Mittel behandelt werden, keine fünf sterben werden.

Reisensburg,

Dorf in Schwaben, Bez.-Amts Günzburg , mit circa 640 Seelen,mit einem dem Frhrn. v. Riedheim gehörigen Schlosse. DieBeste Reisensburg wird das erste Mal in der Mitte des 10. Jahr-hunderts genannt. Bcrchthold nämlich, Sohn des bayerischenPfalzgrafen Arnulf, hatte sich dem Aufruhre der bayerischenLu-tpcldinger gegen König Otto I. angeschlossen; zur Strafebiefür wurde er aus Bayern verwiesen und in die schwäbischeBeste Reisensburg verbannt, welche damals den Schyren ge-hörte. Im Javre 1295 erscheint die Herrschaft Reisensburgals Besttzkhum des Markgrafen von Burgau. Das Geschlechtder Reisensburger erscheint damals nicht mehr in dieser Ge-gend; aber noch im Jahre 1315 wird unter den Adeligen einRudolf von Reisensburg als Z-uge für Kloster Zimmern ge-nannt. Als um das Jahr 1300 die Markgraifchaft Burgauvom Hause Habsburg erworben wurde, fielen auch Schloß undHerrschaft Reisensburg an die neuen Landesherren. Im No-vember 1452 gingen die Herrschaften Günzburg und Reisens-burq mit vielen andern Gütern aus der Hand des Hans vonKnöringen, damals Landvogt zu Burgau , in den PfandbesitzdeS reichen Ritters Hans von Stain auf Ronsberg über.1457 machte Erzherzog Albrecht demselben Hans v. StainReisensburg nebst Zugebör um den Preis von 4000 fl. zueinem Lehen. Damit war Reisensburg von Günzburg getrenntund mit seinen Zugehörden zu einer eigenen burgauischenLehensherrschaft gemacht. Die vonStain blieben im Lehensgenussevon Reisensburg, kamen aber in ihren Vermögensverbältnissenimmer mehr zurück. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts stecktedie Familie so tief in Schulden, daß Kaiser Rudolf II. befahl,es solle die ganze Herrschaft unter Sequester gestellt werden.Im Jahre 1760 gelangte durch Erbrecht Karl von Ehb zuNeu-Dettelsau in den Besitz von Reisensburg. Der letzte Be-sitzer von R-isensburg aus der Familie der Fieiberren vonEyb, Friedrich Karl, starb um das Jabr 1852. Reisensburgwurde nun verkauft, und zwar an den Freiheirn Maximilianv. Riedbeim zu Harthausen, dessen Nachkomm n sich heute nochim Besitze des Schlosses befinden. An dem Schlosse eihebt sichder alte Burgihmm, wohl jenes oastrnm, aus welchem derverbannte Schyre Bercbrbold von Bayern im Jahre 955 zuden Ungarn nach Augsburg eilt-, um seinen Verratb an KaiserOtto auszuüben. Die jetzigen Sckloßgebäude wurden in spä-terer Zeit um den Thurm angeführt, Reisensburg hat einedem hl. Papste und Märtyrer Sixtus geweihte Kirche; dieselbewird schon im Jahre 1162 erwähnt. Das alte Kirchlein wurde1767 abgebrochen und im folgenden Jahre die gegenwärtigeKirche gebaut.

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