„Ich bewundere Euere Umsicht und Euere väterliche >Fürsorge," sprach Heinrich.
Von des Bischofs väterlicher Sorge für seinenSprengel sollte der Kaiser noch mehr erfahren. Garmanche verdrießliche Angelegenheit des Stiftes und derUnterthanen trug Bernward Herrn Heinrich vor. Dieserversprach Abhilfe zu schaffen, wo er könne, die StadtHildeshrim zu ehren, und zumal alles zu thun, umHildesheims Rechte auf Gandersheim zu schirmen.
So waren sie in eifriger Zwiesprache weiter ge-schritten. Da deutete Bernward auf ein stattlichWohngebäude:
„Glaubt mir, daß dieses Haus die glücklichstenMenschen in Hildesheim umschließt," sagte er lächelnd.
„So ist eS Meister Dtethelms Heim," rief derKaiser rasch. „Laßt uns eintreten."
Das war in der That eine Glückseligkeit schierohne Maß und ohne Grenzen in dem kleinen Familien-kreis l Der Ritter von der Jsenburg saß in der Mitteseiner Kinder und hielt deren Hände so fest wie ineinem Schraubstock, und die Eltern Kloihilds labten sichmit glückstrahlenden Augen an dem Bild.
„Nein, Kinder, ich lasse Euch nicht hier zurück,"rief Graf Hans so laut, daß es im Hausflur vernehmlichwar. „Ihr geht mit auf die Jsenburg. Da bringeich meiner Hausfrau gleich eine Tochter mit dem ver-lorenen Sohn. Die wird Augen machen! Und Du,Klaus, bleibst als mein Erbe auf der Burg. Habelängst gewünscht, daß einer da sei, der nach dem Rechtenschaut, wenn ich mit dem Kaiserlichen Herrn auf Reisengehe oder ins Feld ziehe. Malen kannst Du ja auchauf der Burg."
„Hoffe, Graf Hans, Ihr überlaßt uns den Sohnauch einige Zeit, auf daß er unsern Dom, den wir inBamberg zu errichten gedenken, so schön ausmale, wieden Hildesheimer, " so mischte sich Plötzlich der Kaiser indie Rede und trat mit Bernward vollends ein.
Der Jsenburger ließ sich nicht verblüffen.
„Darüber können wir ja später noch reden," gaber zur Antwort.
Kaiser Heinrich reichte der tief erröthenden, vorGlück und Ehre ganz verwirrten Klothild die Hand.
„Unsern Glückwunsch, Jungfrau Braut! EuernVerlobten haben wir als tüchtigen Künstler kennen gelernt."
Und zu Diethelm, der kaum wußte, wie ihm ge-schah, wendete er sich lachend mit den Worten:
„Sorget für einen guten Trunk, Meister. Wirwollen auf das Wohl Eueres Hauses und auf das derJsenburger die Pocale aneinander klingen lassen."
(Fortsetzung folgt.)
--—S-NA-S--
Reiseerlebnisse
auf einer Tour durch Deutschland , Ku-eemburg,
Frankreich, Delgien, England und Holland .
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickter in die weite Welt", so sagt ein Volkslied. Vondiesem Gedanken geleitet, läßt sich Schreiber dieser Zeilenes nicht nehmen, alljährlich zur Zeit, „wenn die Schwalbenheimwärts ziehen", Gottes schöne Welt zu besichtigen,von der Meinung getragen, es sei auch eine Art Gottes-verehrung, die Werke Gottes sich anzuschauen; demgläubigen Reisenden stärkt jede neue Reise den Gottes-
glauben und das Gottvertrauen. Nachdem das Jahr 1893mir das herrliche Italien und Nom (ILEgiger Aufent-halt) zum zweiten Male gezeigt, beschloß ich Heuer ein-mal Frankreich, Belgien, England und Holland , Länder,die ich früher, mit Ausnahme Englands , kurz berührthatte, genauer anzuschauen. Also wurde im Vertrauenauf Gott , in Begleitung von 3 Studenten, bestimmt fürein Missionshaus in Belgien , die Reise angetreten, dieuns aus dem grünen Steigerwalde über Würzburg ,Aschaffenburg und Frankfurt nach dem schönen Wiesbaden brachte. In Wiesbaden wurde die in Restauration be-griffene kath. Pfarrkirche, die eine Zeit lang ungerechterWeise der Handvoll Altkatholiken überwiesen war, besichtigtnebst dem herrlichen Kurgarten; das Museum der Alter-thümer ist sehenswerth. Von Wiesbaden brachte uns dieEisenbahn bis Nüdesheim. Nach Besichtigung des National-denkmals auf dem Niederwalde wurde nach Bingen über-gesetzt und daselbst im Gasthaus zum „goldenen Pflug"Nachtherberge genommen. Daß dem guten Rheinweinezugesprochen wurde, versteht sich von selbst; Bingen istder äußerste Punkt vom Großherzogthum Hessen ; denBesuch der Nochuskopelle sollte Niemand versäumen.
Den Weg von Bingen bis Koblenz macht man, dadiese Strecke die schönste des Rheines ist, am lüften miteinem Rheindampfer; ich habe schon viele schöne Gegendenaus Gottes weiter Erde gesehen, mußte aber gestehen,keine gleicht der herrlichen Weingegend.
Koblenz gegenüber liegt Ehrenbreitstein ; diese Stadtbesitzt ein Missionshaus der Pallottiner -Missionäre (piaLooistas Llissiouuw), Vorstand ist Herr P. Walter,ein geborener Würzburger; auch in Limburg a. d. 8.befindet sich eine Ar.stalt derselben Missionare; jungeLeute, die Beruf zum Missionsleben haben, finden inbeiden Anstalten gerne Aufnahme als Studenten und Laien-brüder; Vorstand in Limburg ist Herr P. M. Kugelmann.
Schreiber dieser Zeilen ist gerne bereit, über diegenannten Anstalten, sowie über alle Missions- undklösterliche Anstalten, die in gegenwärtiger Beschreibungerwähnt werden, Auskunft zu ertheilen. Möchten auchin Bayern bald ähnliche Missionsanstalten entstehen!Zur Zeit bestehen in Bayern nur 2 ähnliche Anstalten,nämlich in St. Ottilien bei Türkenfeld (Benediktiner -Missions-Gesellschaft für Deutsch-Ost-Asrika) und in Gars (Klosterschule der Nedemptoristen), und dazu eine Privat-anstalt des hochw. Hrn. Joh. E. Wickel in München (Vorbildung für die apostolische Lehrgesellschaft in Bonn ).
Das herrliche Moselthal hinab über Kochem (Koche-mer Tunnel 4226 na lang) gelangten wir zum altehr-würdigen Trier ; neben den HauptsehenswürdigkeitenTrierS wurde die Anstalt der barmherzigen Brüder be-sichtigt; junge, gesunde Leute, die Beruf zur Krankenpflege ha-ben, finden daselbst bereitwilligst Aufnahme, auch wenn sie keinVermögen haben; in Trier (Barbara-Ufer) befindet sich auchseit einigen Monaten eine Niederlassung der „weißen Vater",Missionäre für Nord- und Mittel-Afrika; unter den Zöglingenbefinden sich einige Bayern ; Vorstand ist der hochw. S. Pfeffer-mann. Daselbst verkosteten wir den trefflichen Weinvon Maison Carröe, einer Pflanzung des hochseligenKardinals Laviqerie.
Der nächste Punkt unserer Reise war Luxemburg,wo z. Z. eine hübsche Landesausstellung abgehalten wird.Da bei uns in Bayern die Fraucnklöster so stark besetztsind, daß Candidatinnen kaum Aufnahme finden können,bemerkt man, daß in Luxemburg im Kloster der barm-