Ausgabe 
(7.12.1894) 99
Seite
773
 
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herzigen Schwestern brave gesunde Jungfrauen Aufnahmefinden; Anfrage ist zu stellen an Hochw. Hrn. DomkapitularSchmitt daselbst.

Bon Luxemburg aus begaben wir uns nach Arlon (Belgien). Arlon hat eine große Erziehungsanstalt derJesuiten , sowie eine Anstalt der Maristcnschulbrüdermindern Bruder Marias"; die Pension für die Aus-bildung beträgt nur 400 Frs. 320 Mk., und sindNachfragen zu richtenan den Bruder Sigisbert, Direktordes Noviziates Arlon Belgien ."

Bon Arlon aus erreicht man leicht Mariathal,Anstaltder weißen Bäter" sowie Clairfontaine, einegroße Anstalt der Vater vom hl. Herzen Jesu zur Aus-bildung von Weltpriestern für Süd-Amerika, fernerDiffert mit einer über 160 Zöglinge zählenden Missions-anstalt der Maristen, darunter viele Bayern .

Im benachbarten Longwy (Frankreich ) Festung,1870 von den Deutschen eingenommen wurde ein kurzerBesuch abgestattet und hiebe! die auch sonst in Frankreich gemachte Wahrnehmung wiederum bemerkt, daß diekiusoiens" sehr verhaßt, dieLavurois" aber ganzgut in Frankreich angesehen sind.

Von Longwy ging es über Arlon nach Brüssel ;»ie Eisenbahn fährt über Ham-sur-Lesse , bekannt durchseine herrlichen Grotten, die es zu einerfränkischen Schweiz "gestalten, Poix, Samt Hubert mit herrlicher Kirche, diedie Reliquien des hl. Hubertus, Patrons der Jäger, birgt,dem in einem Walde nahe bei Brüssel ein Hirsch miteinem Kreuze zwischen dem Geweih erschien und so seineBekehrung veranlaßte.

Der zweitägige Aufenthalt in Brüssel gefiel außer-ordentlich; Brüssel hat bezüglich der Großartigkeit derAnlage viele Aehnlichkeit mit Paris ; mein guter Führerdurch Brüssel ist Woerl'sBrüssel", wie überhauptWoerl's Neisebücher und Städtesührer, L 50 Pf., dietrefflichsten Dienste leisten.

Von Brüssel weg führte der Weg nach Loewen mitfreier katholischer Universität und dem großartigen6o1!s-Arum ^.mörioauum", wo begabte Jünglinge auf Kostender amerikanischen Bischöfe zu Priestern herangebildetwerden; unter den derzeitigen Zöglingen befinden sichauch einige Bayern .

Von da aus wurde Antwerpen besticht und dergroßartigen Weltausstellung zwei Tage gewidmet; inAntwerpen befindet sich eine Anstalt derMissionäre vomhl. Herzen IM", bekannt durch die sogenanntenMonat-hefte"; brave Knaben aus Deutschland finden Aufnahmeim Missionshaus? des genannten Ordens in Freilassing bei Salzburg .

Wenn man auf der Weltausstellung die Vertreterder verschiedensten heidnischen Nationen in allen Gesichts-farben antrifft, so sieht man ein, daß es ganz gerecht-fertigt ist, wenn die ganze civilisirte Welt ihre Aufmerk-samkeit dem Missionswesen zuwendet.

Von Antwerpen aus wurde mit dem sog.Harwich -Boote" ein Ausflug nach England unternommen undLondon besucht, woselbst 2 Tage Aufenthalt genommenwurde; die sechsmillionenstadt mit ihrem regen Geschäfts-lcben, der großartigen Centrale, derCity", dem Tdwer,Morus usw. ihr Leben Hingaben für den katholischenGlauben, woselbst sich auch der Kronschatz befindet, dergroßen Paülskirche, der neuen London -Brücke, der unter-irdischen Eisenbahn, dem großartigen britischen Museumund anderen Sehenswürdigkeiten bietet bei einem Besuche

von nur zwei Tagen Stoff genug zur Beschäftigung. Das katholische Leben in London entw ckelt sich inder erfreulichsten Weise. Die verschiedenen klösterlichenGenossenschaften wirken in recht segensvoller Weise; fürdie Seelsorge der Italiener wirken in London undHöflings die Pallottiner , an letzterem Orten auch einBayer, Namens k. Stefan Weber aus Böttigheim ,ein Zögling des Berichterstatters.

Der hochw. Hr. Dr. Verres, Vertrauensmann desSt. Raphaelsvereins, wohnhaft Whitechapel, Union Street,nimmt sich eines jeden Deutschen liebevoll an; übrigenssei an dieser Stelle jedem, der nach Amerika auswandernwill, der St. Naphaelsverein dringendst empfohlen; dieRedaktion des Kilians-Blattes gibt gerne hierüber Aus-kunft. Deutschen sei empfohlen:Private Hotel C. Merrit,14 Upper Woburn Place, London 0." Nach sehrangenehmer Seefahrt wurde Antwerpen wiederum erreicht,der Nest der Ausstellung besichtigt und der Weg nachRotterdam angetreten.

Bei der Besichtigung von Rotterdam leisteten, wiein Antwerpen , Herr Plog und Herr Zöller, Vertrauens-männer des St. Raphaelsvereins, die trefflichsten Dienste,ebenso in Amsterdam Herr Huf und dessen liebenswürdigerNeffe Leo.

Nicht genug kann der Eifer der holländischen Katho-liken beim Besuch des Gottesdienstes und in Ausschmückungund Neubauung ihrer Kirchen anerkannt werden; mögenauch die Jansenisten, deren Gottesdienst ganz dem katho-lischen ähnlich ist, wie wir bei einem Hochamte bemerkten,recht bald sich mit der katholischen Kirche wieder vereinigen;wie wir erfuhren, befindet sich z. Z. einer der 2 janse-nistischen Pfarrer Rotterdams in Rom .

Bezüglich Rotterdams, Haags, des Seebads Schcven-ingen, Amsterdams und Utrechts, das wir ferner noch besich-tigten, geben die betreffenden Woerl'schen Städtesührer die besteAuskunft. Bezüglich Englands sei noch nachgeholt, daßsich in der Nähe von London , in Mill-Hill, eine großeMissionsanstalt der von Sr. Eminenz dem hochwürdigstenHerrn Kardinal Baughan von Wcstminster gegründetenSt. Josephs-Genossenschaft befindet; die vierte Anstaltdieser Genossenschaft wurde in jüngster Zeit in Brixen (Tirol) gegründet, und sei hiemit jungen Leuten, dieBeruf zum Missionsleben haben oder die in der Erreichungihrer Absicht, Priester zu werden, durch irgend welcheHindernisse in ihrem Vaterlande abgehalten sind, bestensempfohlen. Auch die Missionäre vom hl. Geiste, diesogenanntenschwarzen Vater", wirken in England sehrsegensreich; das Mutterhaus derselben befindet sich in Paris,rue äs Lomonä.

Auf der Rückreise wurde von Venlo aus demMissionshause Steyl , woselbst mein Freund, der hochw.Herr apostol. Provikar k. Schäfer von Deutsch Togo (West-Afrika ), sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheitbefindet, ein Besuch abgestattet; eine große Anzahl Bayern befinden sich daselbst, Studenten und Laienbrüder; eswurden daselbst eben Exercitien für die Priester der DiözesenMünster und Köln abgehalten. Die Exercitien hielt derhochw. Hr. Jesuitenpater Hucklenbroich aus Exaetcn inHolland, dem Noviziate des Jesuitenordens in Holland .Dieser gänzlich erblindete Herr dürfte allen Thcilnehmernan den Exercitien in Fulda , Sept. 93, bekannt sein.

Ueber Venlo, München-Gladbach und Düsseldorf wurde der Karthause Hain bei Nieder-Rad ein Besuchabgestattet. Zwei hochw. Püttes des Karmeliterklosters