Würzburg traten im vorigen Jahre in Hain ein,auch finden Studenten, die Neigung zu diesem strengenOrden haben, gerne Aufnahme; einen mächtigen Eindruckmacht der Nachtchor der Karthäu'er-Mönche von Nachts 12bis 2 Uhr. Ich habe am andern Tage der Vesper imKölner Dome beigewohnt, aber die Mette der Kalthäuser»Mönche entschieden erhebender gefunden.
In Köln existiert auch eine Niederlassung der„Alexianer - Krankenbrüder" mit großartigem Spitale;berusssreudige, gesunde junge Leute finden daselbst, wieim gleichen Kloster in Aachen , gerne Aufnahme. VonKöln gings über Bonn, Koblenz, Mainz wieder in dieHeimath zurück.
Mögen vorstehende Z-ilen dazu beitragen, die ge-nannten klösterlichen und Missionsanstalten in geneigteErinnerung zu bringen! Gewünschte unentgeltliche Aus-kunft ertheilt der Berichterstatter durch Vermittlung derRedaktion des „Kilians-Blattes" in Würzburg .
-—SSMVk--
Aus dem Leben Antonio's van Dyck.
Wiedererzählt von O. Landsmann.
(Schluß.)
In dem Atelier Rubens angekommen, ging diesergerade auf das Gemälde der Magdalena zu, und dasWerk mit dem Finger bezeichnend, welches er gemacht zuhaben glaubte, rief er:
„Da ist nichts daran, das mir weniger gelungenwäre! Nun wohl, besehen Sie es!«
Aber mit einem Male änderte sich der Ausdruckseines Gesichtes — er stutzte und trat näher an dieLeinwand, dann aber stand er plötzlich zornbebend unterden entsetzten Schülern.
Dieser Augenblick war schrecklich; man hätte jedemder jungen Leute zur Ader lassen können, ohne daß einTropfen Blut geflossen wäre.
„Wer hat es gewagt, unerlaubt in mein Atelierzu dringen?"
Keiner wagte eine Antwort.
„Ihr macht mir mit Eurem Schweigen die Gallekochen . . . Antwort! Wer von Euch hat sich erlaubt,mein Gemälde zu beschädigen und dann zu verbessern?Nun, keiner spricht ein Wort? . . . Warum nennt derSchuldige sich nicht? . . . Was fürchtet er? . . . Daßich ihm grolle? ... Ich werde ihn vielmehr umarmen,denn was er da gemacht hat, das ist erhaben, ich er»kläre ihn von heute an als meinen Nachfolger, er wirdunser Aller Meister werden, das sage ich, der ich Rubens heiße! Wohlan sein Name?"
„Van Dyck !" riefen alle Schüler, indem sie aus-einander traten, um Antonio freien Platz zu machen.
„Van Dyck !" wiederholte Rubens, indem er seinenSchüler bei der Hand ergriff. „Bravo , mein jungerFreund! So wahr Gott lebt, Du kannst mich heute ver-lassen — ich habe Dich nichts mehr zu lehren . . .nichts . . . nichts mehr. Du mußt nach Italien reisen,mußt dort die großen Meister studiren, in Rom , inFlorenz , in Venedig. Ich habe Dir nur mehr einenRath zu ertheilen, und das wird der letzte sein . . .Es gibt Leute, welche sich einbilden, daß das Porträtden Pinsel deS Künstlers entehre. Das ist unwahr,ein wohlgelungenes Porträt hat sein Verdienst und diesesVerdienst wird daS Deine sein. Ich erkläre Dich schonjetzt als den Meister deS Porträts. . ."
Als der alte Nuys Alle so zufrieden aus dem Atelierdes Meisters gehen und den Meister selbst sich vertraulichauf die Schulter van Dyck'S stützen sah, sagte er für sich:
„Meine Mahnungen von gestern haben Wirkunggehabt; der Patron macht ihnen Komplimente über ihreArtigkeit. . . Die guten jungen Leute! Ich werde ihnenniemals wieder den Schlüssel verweigern . . , gewißnicht!"
Van Dyck zählte damals siebzehn Jahre und wardgeboren im Jahre 1599. Sein Vater, ein Glasmaler,gab ihm den ersten Unterricht im Zeichnen und verbrachteihn dann zu dem bekannten Meister Heinrich van Palen,der ihn infolge der großen Fortschritte, die er machte,in die Schule Rubens ' schickte.
Bevor van Dyck Rubens verließ, um sich nachItalien zu begeben, wollte er ihm seine Dankbarkeit be-weisen und verfertigte deßhalb drei historische Gemälde,die er ihm schenkte. Rubens schmückte damit die bestenGemächer seiner Wohnung, und es freute ihn, sie alsdie schönsten Stücke seiner Sammlung bezeichnen zukönnen.
Obschon würdig, zu den größten Malern gezählt zuwerden, ließ van Dyck keineswegs den Gedanken fallen,die großen Koloristen in Venedig zu studiren und dieWerke Tizian's und Paul Veronese's zu kopiren; er ar-beitete auch in Rom und Genua , worauf er wieder insein Vaterland zurückkehrte, wo er durch ein großes Ge-mälde, den heiligen Augustin in Extase vorstellend, Be-wunderung erregte. Dieselben Erfolge begleiteten ihnin England, wohin ihn Karl I. , ein fürstlicher Freundder Kunst, berufen hatte. Mit Aufträgen überhäuft,sah er sich wider seinen Willen genöthigt, sich auf dasPorträt zu beschränken; er erhielt Alles, was er wollte.Indessen bereicherte er sich nicht, denn er hielt offeneTafel, hatte eine zahlreiche Dienerschaft und öffnete seineBörse seinen Freunden und denen, welche sich für solcheausgaben; auch hatte er eine eigene Kapelle, welche ihmTafelmusik machte. Er heirathete die Tochter einesLords, aber sie brachte ihm keine andere Mitgift in'sHaus, als eine hohe Abkunft und eine große Schönheit.Karl I. sagte einmal zu ihm, er wünsche ihm alles Gute,aber es wäre besser, der Künstler in ihm vergäße etwas,die Rolle des Prinzen zu spielen. Van Dyck gab ihmRecht und versprach ihm, sich zu bemühen, seinen weisenRath zu befolgen Aber van Dyck vergaß diesen Rathund setzte sein verschwenderisches Leben nach wie vor fort.Wenige Jahre später starb er an der Schwindsucht, undzwar im Jahre 1641, im Silier von 43 Jahren. SeineWittwe rettete eine beträchtliche Summe aus den Trüm-mern seiner Habe.
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Zaren-Hochzeiten.
I» Altrußland waren, so entnehmen wir einerSchilderung der „Neuen Freien Presse ", die Zaren-Hoch-zeiten von prunkvollen Feierlichkeiten. Ceremonien undseltsamen Gebräuchen begleitet. Die Wahl der Braut trafder Zar selbst aus einer großen Anzahl von Mädchen,die zu diesem Zwecke aus den Städten und Dörfern indas Zarenschloß zu Moskau versammelt wurden. Einederartige Brautwahl für den Zar beruhte auf einem by-zantinischen Brauche, den die russischen Zaren im 16.und 17. Jahrhundert nachahmten. Abgesandte dcs ZarSbereisten alle Städte des Reiches, wo sie sämmtliche Mäd»