Da richtete Bernward sich empor, faltete die Händeund betete:
„Diesen Kindern gib, o allmächtiger Gott, DeineGnade, daß sie in Deiner Liebe gestärket werden und zudem Lichte gelangen, welches ewig ist. Gib ihnen, o Herr,die Kraft, daß sie dermals mitWeisheit und Bescheidenheitihre Unterthanen im Friedenregieren mögen. Gib ihnenDeinen Geist, also zu leben,daß sie das ewige Reich er-langen."
Benno lag fassungslos vorSchmerz auf den Knieen undbarg schluchzend sein Gesicht inbeiden Händen.
MitAnstrengung tasteteBern-ward nach dem Weinenden, lösteihm sanft die Hände und er-mähnte ihn:
„Du siehst, mein Sohn, daßwir nur durch das Feuer derTrübsal zu Gott gelangen, dero-wegen nimm meine Ermahnungan und beherzige meine letztenWorte. Fliehe und verachtediese Welt wie eine ansteckendeund giftige Seuche. Halte Dichallein zu Gott . Damit Du aberdieses leichter ausführen mögest,und damit Dein noch weichesAlter, dem die Laster leicht Ein-
Graf A. Uamagata, Generaloberst.
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drücke machen, durch Anderer Bosheit nicht verdorbenwerde, so weiche nimmer von der Seite dieses DeinesLehrmeisters." Er deutete auf Herrn Wiger, den daneben-stehenden Lehrer der Domschule, und fuhr fort:
„Wenn Du mich liebst, so bezeige selbigem, alsDeinem Vater, in allen Stücken Gehorsam." Dann er-
griff er auch Herrn Wigcrs Hand: „Lieber Freund,Euerer Sorge empfehle ich dringlich das Seelenheil meinesBenno."
Diese Mahnung ging Beiden tief zu Herzen. Ja,auf Benno machten die Worte des Scheidenden solch nach-haltigen Eindruck, daß er — essei hier eingeschaltet und vor-bemerkt — später im KlosterSt. Michael sich dem geistlichenLeben widmete und seiner Tu-genden halber von den Bene-dictinern zum Abt erwähletwurde. Kaiser Heinrich IV. be-rief ihn alsdann an das Col-legiatstift zu Goslar als Propst,worauf nach einiger Zeit ihmdie Bischofs-Mitra zu Meißen aufgesetzt wurde, die er vierzigJahre lang mit großem Ruhmder Heiligkeit trug.
Biscbof Bernward hatte schonin Benno's zarter Jugend dieherrlichen Eigenschaften er-kannt , welche in dem Knabenschlummerten, und dessen künf-tige Größe und Heiligkeit mitprophetischem Blicke vorausge-sehen. Nach der an den ge-liebten Knaben mit väterlicheLiebe gerichteten Ermahnungwendete er sich noch einmalzu den anwesenden Mönchen
Graf H. Ito, Ministerpräsident.
von St. Michael, um ihnen in bewegten Worten seineletzten Wünsche vorzutragen. (Schluß folgt.)
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Goldkörner.
Verschwendete Zeit ist Dasein, gebrauchte Zeit ist Leben.
Vou"g.
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