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Jsmanning, Bogenhausen und Ha-dhansen, welche Ort-schaften dabei in Flammen aufgingen, der Stadt undsandte, da er wahrscheinlich einen Hinterhalt oder Angriffbefürchtete, zunächst eine Abtheilung in die Stadt, welchedie hauptsächlichsten Gebäude besetzte. Alsdann hielt er,am Gasteig von dem Rathe empfangen, der hiebet knie-fällig die Schlüssel der Stadtthore übergab, mit demehemaligen Kurfürsten von der Pfalz, des: Pfalzgrafen August von Neuburg, den Herzigen Bernhard und Wil-helm von Weimar , dem Herzog von Holstein, seiner be-rittenen Leibgarde und dem Hooronischen Infanterie-Re-giment — die übrige Armee narschirte um. die Stadtund bezog vor dem Schwabmger Thore (der Gegendzwischen Brienner- und Leopoldstraße) ein Lager, dasin der Folge vor das Neuharser Thor verlvgt wurde —durch das Jsarthor, das Thal, den Markt (jetzt Maricn-platz), die Wein- und obere Schwabingcrgass» seinen Ein-zug in die Stadt, nahm mit seinen fürstlichen BegleiternQuartier in der Residenz, während Gener al Horn denAlbertini'schen Palast bezog, andere Generale in Privat-quartier kamen und das genannte Neg'.ment auf demMarkte bivouakirte. — Scfort nach dem Einzüge be-setzten schwedische Trupper die Stadtthore und hielten„also starke Wacht, daß Nemand ohne, schwedischen Paß-zettel aus- oder eingelassen wurde. Die bewaffneteBürgerschaft, welche vorher Wache gehalten, mußte aufBefehl des Königs nicht nur ihre Waffen, sondern auch„ein „Schizenröckhel" aus das Nathhaus abliefern. Je-des Kloster erhielt eine Sicherheitswache von 4 Mann,welche jedoch so übertriebene Forderungen in Betreffihrer Verpflegung stellten, daß dia Klagen der also „Be-schützten" tagtäglich einliefen. DaS städtische Zeughauserhielt eine Wache von 15 Mann.
Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt, am 19. Mai,wurde die gesammte Geistlichkeit in das Jesuitenkolleginm,die Bürger aber auf den Anger berufen und ihnen alldamitgetheilt, daß „ihr khinigliche Maystätt für Mordt,Prandt und Blinderung 3 mal hunderttausend Rcichs-daler bcgere." Nach dem Grundsätze: „gern sagt derBauer, wenn er muß," gab die Bürgerschaft ihre Zu-stimmung zu der Forderung, kam aber alsbald zu derEinsicht, daß — namentlich in Anbetracht des Umstandcs,daß die Vermöglicheren aus ihr, auf die Nachrichtdaß in Bayern ein Einbruch der Schweden drohe,bereits im April Leib, Hab und Gut nach Oester-reich in Sicherheit gebracht hatten, wofür man sie beiAustheilung der Kontribution höher belegte und sogarmit Sperrung ihrer Gewerbe bedrohte — „sie nit alsovermöglich war, doch hat jeder nach seinem vermögengeben, hat mancher seinen lang zusammengesammeltschaz hersürgesucht, es seind auch von denen khirchen bei200 khölch, von denen bürgern silberne weibcrgnrtl, sil-berne, wol güldene Becher und Pokal neben gelt in desBurgermaisters Haus zugetragen worden, ist nichtsdesto-weniger die Bürgerschaft nach diesem geben noch offt er-mähnt und der statt starkh getrohet worden, wo nitdie begörte summa erlögt werde, daß ebenmäßig dieserStatt wie Magdenbnrg ergehen solle, hat derohalben offein Bürger 3 oder 4 mal noch gelt zugetragen, also dasihnen öffentlich an dem Anger von ihrer Obrigkheit istangezaigt worden, daß st alsoviel auf die Bürgerschaftnit vertrauet haten, so haben auch nach langen bittensogar die armen Wittiben, khnecht und Hauß Magd Gellt
gebracht, damit man nur des feindes los würd."')Wenig bekannt ist auch, daß der Stadt trotz derVersicherung Gustav Adolf's Brandlegung drohte: DieFeinde ließen nämlich alles Holz von der Lände nachder Stadt bringen und im Zwinger aufrichten; es wurdemit Pulver und Stroh vermengt, und Kriegsknechte mitbrennenden Lunten erwarteten den Befehl zum An-zünden.^)
Auch was von der vielgerühmten schwedischen Manens-zucht geschrieben wird, dürfte, soweit München in Be-tracht kommt, nicht allzu wörtlich zu nehmen sein.
Ist ja schon der Umstand charakteristisch, daß GustavAdolf für seine „Glaubenskümpfer" auf dem Marktezwei Galgen zur Warnung errichten ließ, was aber nichtviel geholfen zu haben scheint, denn „zwei tapfere schwe-dische Soldaten griffen in des Bicrbräuers Moser Be-hausung den leithenambt von Wolfratshausen nächtlicher-weile in seiner Kammer an und nahmen ihm seineKleider," ein „Regiments Drummelschlager" setzte demLebzelter Pfringer in der Dienersgasse den Degen andas Herz, damit er sich mit etlichen Neichsthalern ran-zionire; am 21. Mai zog ein anderer Soldat im Thaleinen Jungen aus?) Zwar wissen wir, daß mehrereeinzelne Soldaten wegen unrichtiger Begriffe vom Eigen-thum mit dem Tode bestraft wurden, wie z. B. dasStadtkammer-Memorial eines enthaupteten und vier ge-henkter Soldaten erwähnt — allein was die Einzelnenbüßen mußten, das übte der große Haufe der Feindeungestört aus, — König Gustav Adolf an der Spitze,unter dessen Augen die Residenz nicht geschont, sonderngeplündert wurde: die prachtvoll ausgeschmückten Ge-mächer wurden verwüstet, die kostbaren (Gobelin-) Tapetenvon den Wänden gerissen, die Möbel zerschlagen, dieBilder und werthvollen Gegenstände weggenommen, wo-rüber Kurfürst Maximilian I. in verschiedenen Briefenaus dem Jahre 1633 bittere Klage führte. In derResidenzkapelle wurde das Pflaster aufgerissen, um nachSchätzen zu graben, bei welcher Gelegenheit Gewalt-thätigkeiten vorfielen und ein Mann erschlagen wurde.Wäre es möglich gewesen, so hätte Gustav Adolf sogardie ganze Residenz nach Stockholm versetzt.') Das Zeug-haus — in welchem der Schwedenkönig auf die ver-rätherische Mittheilung eines seinerzeit entlassenen Hof-bediensteten hin 140 Geschütze, von denen eines mit30,000 Dukaten „geladen" war, wie er spöttisch sagte,„die Auferstehung feiern ließ," — sowie die nahegelegenenLustschlösser, so namentlich Schleißheim, wurden trotzschriftlicher und lebendiger Lalva Zunräia,, vielleicht so-gar von der letzteren selbst, geplündert. Das nämlichewiderfuhr noch so manchem anderen oder Privatgcbäude,dessen, was gerade keine Plünderung zu nennen war,im Grunde aber doch auf das Gleiche hinausging, z. B.daß die Feinde das Holz an der Lände, das Salz inden Städeln und Anderes, was der Bürgerschaft gehörte,sich von dieser freiwillig gezwungen wieder „abkaufen"ließen, nicht zu erwähnen.
Es war eben in den Augen der schwedischen Sol-daten nichts zu gering, was sie, um Geld daraus zu
') Aus dcr Chronik eines unbekannten Franziskaners inWestcnricdcr's Beiträgen VII, 307.
-) Obcrbaver. Archiv IV, 17.
°) Aus der erwähnten Franziskanerchronik in Westen-rieder'S Beiträgen VII. 31-t r.
«I Qbcrbaver. Archiv X, 17.
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