Ausgabe 
(21.12.1894) 103
Seite
808
 
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daselbst historisch verbürgte Fälle von Menschenfresser:vorkamen, worauf endlich die Geiseln nach unsäglichenLeiden worunter der Hunger keine geringe Rolle spielte am 1. April 1635 ledig gesprochen wurden. Sietraten am 2. April die Reise in ihre Vaterstadt an, inwelcher sie Tags darauf ankamen. Hier war ihr ersterSchritt zur Stiftskirche U. L. Frau, um der Himmels-königin für die Erhaltung des Lebens und die Rettungaus so vielen Fährlichkeiten und Drangsalen zu danken.

Aus dem jährlichen Bittgänge nach Ramersdorf aber,wo die am 21. Juni 1632 gelobte Tafel aufgehängtwurde, entstand durch die Bemühungen des damaligenSpitalpfarrers zu hl. Geist, Michael. Hermann, dasRamersdorfer Verbündniß zi/heilig Geist",welches seine Gottesdienste theils zu Ramersdorf, theilsin der hl. Geistpfarrkirche hat und gerade in diesen Tagenso recht zum Beitritte einladet, damit wieder, wie einstin früheren, besseren Tagen, jährlich wenigstens eine Pro-zession wallen kann zu dem Gnadenbilde der heil.Maria in Ramersdorf.

ALLsrLei.

Wer in den Münchener Bahnhof einfährt, ist über-rascht durch die große Anzahl von Bierwagen, welchezum Einrangiren in die Güierzüge auf den freien Ge-leisen stehen. Nach einer Zusammenstellung derNeuest.Nachr." beträgt die Zahl der in Bayern befindlichen,zum Theil den Brauereien selbst, theils der bayerischenStaatsbahn gehörigen Biertransportwagen jetzt 1190.Hievon besitzen Münchner Brauereien 765, nach diesenkommt die zweitgrößte Exportstation Kulmbach mit 157Bierwagen, dann Nürnberg mit 106, Erlangen mit 47,Würzburg mit 27, Bamberg mit 18, Fürth mit 12,Augsburg mit 11, Planegg mit 9, Weihenstephan mit8 Bierwagen. Außerdem exportiren noch die Orte Kitz-ingen, Aibling, Ansbach, Aschaffenburg, Aschau , Markt-leuthen, Breitengüßbach, Münchberg , Negensburg, Reuth,Nosenheim, Spalt, Staltach, Tutzing, Straubing undZirndorf , jedoch nur in geringerem Maße; die Ictztbe-nannten 16 Orte besitzen zusammen 30 Bierwagen.Man erkennt aus dieser Zusammenstellung, wie dasMünchener Bier unter allen bayerischen Bieren hervorragt.Nach allen Großstädten Europas versenden die hiesigenBrauereien ihre Erzeugnisse, insbesondere ist das Münchener Bier in Berlin, ebenso in Paris, Hamburg, Bremen ,Danzig, Königsberg, Frankfurt, Brüssel, Marseille , Lyon,Nancy, Mailand, Genf, Rom, Florenz, Venedig, Turin ,Luzern, Zürich, Bern, Basel, Straßburg, Köln, Dresden ,Leipzig, Mannheim, Mainz, Amsterdam und Rotterdam ,in allen kleineren norddeutschen und sächsischen Städten,in Galizien, Serbien, Rumänien, Rußland, Polen undauch in Wien und sonstigen durch gutes Bier selbst aus-gezeichneten Städten zu finden, natürlich auch in allenStädten Bayerns. Den größten Export hat die Münchener Spatenbranerei; dieselbe benutzt zur Verfrachtung ihr«Bieres 145 Bierspezialwageu mit je 300 Centner Trag-kraft; nach dieser Großbrauerei kommt die Löwenbrauereimit 121, hierauf die Firma Pschorr mit 87, dann Leisi-bräu mit ebenfalls 87, das Bürgerliche Brauhaus mit 66,Augustiner mit 64, Hackerbräu mit 52, MünchnerKindlbräu mit 34, Schmederer mit 25, k. Hofbräuhausmit 17 Wagen; die übrigen kleineren Brauereibetriebe,wie Bergbräu, St. Anna, Eber!, Petuel, Mathäfer, Tho-

maß, Union, Kc4osseum besitzen zusammen 67 Bierwagen.Man kann hieraus ungefähr entnehmen, welche großartigeEntwickelung die Biercrzeugung und der Export in München und den übrigen bayerischen Städten und Orten erfahrenhat, welche Menge Geldes hiermit verdient wird, wieviele Arbeiter und Beamte hierbei beschäftigt sind, welcheMenge von Gerste und Hopfen, aber auch von theuerenMaschinen erforderlich ist, und welchen Nutzen hiervonder bayerische Staat und das Deutsche Reich durch Frachtenund Steuern hat. Die Bierwagen haben sämmtlich gleicheConstruction, sind weiß angestrichen und tragen in blauerund schwarzer Farbe die Namen der einzelnen Bter-brauereifirmen. Im Zusammenhange mit der Bierver-sendung steht der immer steigende großartige Verbrauchvon natürlichem und künstlichem Eis. Mehr als 20Centner Eis sind im Sommer durchschnittlick, nach derAngabe derM. Neuest. Nachr.", für jeden Waggon er-forderlich. Täglich gehen direkte Bier-ExtrazügevonMünchen nach Berlin und an den Rhein mit durchschnitt-lich 30 bis 40 Waggons; Hunderte von beladenen Bier-wagen werden mit den beschleunigten sogenannten Ver-bandszügen nach der Schweiz, nach Italien, Frankreich usw. täglich befördert. In 30 Stunden läuft jetzt derBierwagen in geschlossenem Extrabierzug nach Berlin ,wahrlich ein großer Vortheil bei strenger Kälte odergroßer Hitze. Um das Bier noch weiter vor den Ein-wirkungen des Frostes zu schützen, wurden in neuererZeit sehr viele Bierwagen für Dampfheizung eingerichtet,auch Versuche mit Gasheizung mit gutem Erfolge gemacht.Auch besitzen schon ziemlich viele Bierexportwagen dieEinrichtung für die Westinghouse- und Charpenterbremse,so daß sie auch mit Postzügen Beförderung finden können.

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Himmelöschau im Monat Januar.

EkMerkur wird gegen Ende Abcndstern, gehtjedoch schon um 6 Uhr unter.

Venus K obwohl fast voll erleuchtet ist als Abend-stern kaum mehr sichtbar.

Mars F rechtläufig im Widder ist bei eintretenderDunkelheit schon hoch in SO. zu finden; er steht an-fangs bis 2 U. 30 M., zuletzt bis 1 U. 45 M. früham Himmel; sein Licht wird wegen zunehmender Ent-fernung von der Erde und Sonne immer schwächer.

Jupiter H bewegt sich gegen die Ordnung derZeichen und tritt schon nach Aufhören der Dämmerungabds. im Stiere hervor. Er ist sehr hell, hat seinenhöchsten Stand nachts 11 U. und ist die ganze Nachtüber dem Horizont.

- Saturn H, am Fuße der Jungfrau, erscheint an-fangs 2 U. 30 M., zuletzt 12 U. 30 M. nachts amöstl. Horizont.

Am 2. und 3. erscheinen Sternschnuppen mit demAusgangspunkte im Herkules.

In der Nähe des Mondes befinden sich am 5. MarS,am 9. Jupiter , am 18. Saturn.

Am 7. findet eine Bedeckung zahlreicher Sterne inden Plejaden durch den Mond statt, besonders von 6 U.bis 8 U. abds.

Vom 14. bis 26. läßt sich das Zodiakallicht im Wvon 6 U. bis 8 U. beobachten.

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