Ausgabe 
(10.1.1896) 3
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erworbenes Zutrauen bewirkten, daß Osficiere und Ge-meine, die bereits unter ihm gedient hatten, in Schaarensich wieder einfande», als die Werbetrommel für denfast vergötterten Feldherrn erscholl. Die von ihm aus-schließlich ernannten Obersten, Rittmeister und Hauptleuteschössen sogar gegen Anweisung auf gewisse Quartier-bezirke noch Gelder vor. Von Gemeinen war der Zulaufum so größer, als jedem Mann täglich zwei PfundBrod, zwei Maß Bier oder eine Maß Wein, dazu demFußgänger vier Gulden monatlich, dem Reiter neunGulden nebst dem Futter für die Pferde gereicht werdenmußten. Wie viele Bauern geriethen da nicht in Ver-suchung, lieber von ihren Nachbarn sich auf diese Artverpflegen zu lassen, als selbst einen Soldaten zur vor-geschriebenen Bedienung im Hause zu haben!

Am Hofe sah man recht gut ein, daß ein solchesHeer nur von seinem Schöpfer regiert werden konnte,und hatte von Anfang an keinen Andern, als den Herzogals Commandanten im Auge gehabt. Kaiser Ferdinandzweifelte auch nicht, den Widerstand desselben durch weit-gehende Zugeständnisse hesiegen zu können. Er erklärtesich bereit, zu den bezüglichen Verhandlungen Bevoll-mächtigte an den Herzog zu schicken, und dieser schlugals Zusammenkuuftsort das böhmische Schloß Groß-meseritsch vor.

Am Tage nach der Ankunft Georg Selkow's inder Heimath war in Stadt und Burg Großmeseritschalles in der größten Bewegung. Ueberall wurde geweißt,gekehrt und gescheuert und namentlich Jagd auf dieHähne gemacht, die man insgesammt ohne Gnade um-brachte. Die Mütter ermähnten ihre Kinder, in derNähe des Schlosses ja nicht zu schreien, und die Säug-linge wurden in die abgelegensten Kammern versteckt.Die Furcht blickte aus allen Gesichtern. Selbst derSchloßhauptmann schien seiner Sache nichts weniger alssicher zu sein. Wiederholt fragte er bei Georg an,welche Zimmer er für den Herzog, welche für dessenGemahlin, besonders aber, welchen Raum er für denAstrologen Scni und dessen Zauberapparat bereit haltensollte. Der junge Mann ging Leßlie zwar bereitwilligmit Rath und That an die Hand, konnte sich jedochnicht versagen, jede dieser Gelegenheiten für seinen über-müthigen Spott auszunutzen. Alles ging drunter unddrüber. Man schien mehr auf einen gefürchteten feind-lichen Heerführer, als auf den Herrn des Hauses zuwarten.

Der dritte Tag, an welchem der Herzog auf demSchloß eintreffen sollte, kam endlich heran. An derGrenze des Weichbildes, im Hof und am Burgthorewaren Ehrenpforten errichtet mit Inschriften, welche dieVerdienste und Heldenthaten Wallenstein's priesen. DerWeg war bis zum Städtchen hinunter mit frisch ge-mähtem Gras und theilweise sogar mit Blumen bestreut.

Eine Menge Packpferde und Saumthiere warenschon seit frühem Morgen gekommen, und immer nochrückten neue Colonnen heran.

Ein paar Stunden vor der Ankunft des Fürsten hatten sich die Geistlichen, die Schuljugend, sowie dieEinwohnerschaft der Stadt festlich gekleidet im Hof an-gefunden und in einer langen Doppelreihe vom Burg-thor bis zum Eingang in das Schloß aufgestellt. Leßlieund Pater Vincenz befanden sich an der Spitze des Zuges.

Die Thurmuhr des Städtchens verkündete die ersteNachmtttagsstunde, als zwei Staffettenreiter mit ihren

blitzenden Sternen an blausetdener Schleife auf schaum-bedeckten Rossen in den Burghof sprengten. Sofort be-gann die Glocke der Schloßkapelle zu läuten.

Der Herr! Der Herzog!" ging es in der ver-sammelten Menge von Mund zu Mund. Die Hüte undMützen flogen von den Köpfen, und Alles blickte erwartungs-voll nach dem Thore.

Endlich erschien der Zug. Zwölf Trompeter undsechs Pauker eröffneten ihn, ohne jedoch ihr Spiel er-tönen zu lassen. Ihnen folgten paarweise vier Stall-meister und sechs Leibjäger. Hinter diesen erschien hochzu Pferd ein mittelgroßer Mann mit braunem Haar unddurchdringenden Augen, dessen strenge Miene kund that,daß er in der Schule des Lebens manch ernste Erfahrunggemacht hatte. Dennoch konnte man den GestchtsauSdruck,welchem der starke Schurr- und Knebelbart einenkriegerischen Zug verliehen, nicht unangenehm nennen,und die ganze Erscheinung rief unwillkürlich das Gefühleiner mit Scheu verbundenen Ehrfurcht hervor. Eingroßer Spitzenkragen umrahmte den Hals, und ein Büffel-koller, über welches eine rothe Schärpe herabhing, wardurch eine breite Schwertkoppel zusammengehalten, währendman die von ungeheuern Lederstiefeln fast verdecktenUnterkleider kaum zu sehen bekam. DaS war AlbrechtEusebius Wenzel von Wallenstetn, der Herzog vonFriedland. (Fortsetzung folgt.)

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Vor fnlisuit-Mnzig Jahren.

Von Friedrich Koch-Breuberg.

(Fortsetzung.)

Während dieser Vorkommnisse hatte das Gros der1. Brigade das Vorrücken fortgesetzt und erreichte, ob-wohl mehrfach in der Flanke belästigt, den Rand deSPlateaus, auf welchem die Gehöfte Grande- und Petit-Chartre liegen. Ein dichter Nebel hatte das Eintretender Dunkelheit beschleunigt, und Freund und Feindgeriethen sich unfreiwillig nahe. Das 1. Bataillon desRegimentsKönig " war zuletzt noch in die erste Linie amrechten Flügel der Zweierjäger vorgezogen worden und warauf ein französisches Bataillon geprallt, das so in Unord-nung gerathen war, daß man glaubte, es wolle sich ergeben.Unterlieutenant Krieger vom Leibregiment, der sich hier be-fand, war mit nur einem Mann in die rathlosen Reiheneingedrungen und machte allein 17 Gefangene. Aberauch die beherzteren Franzosen glaubten, die Bayern zum-Niederlegen der Waffen auffordern zu müssen. Es.wurde hin- und hergeschrteen, dann krachte eine Salve die Franzosen hatten sie abgegeben und zogen sichzurück. Leider war der Commandeur Hofmann desBataillons tödtlich verwundet worden.

Um 5 Uhr war auch die Brigade Orff am linkenFlügel angelangt, aber es war zu dunkel, um mit Er-folg noch einzugreifen.

Die 2. Division war von General v. d. Tann betBaccon zur allenfallsigen Unterstützung der DivisionWittich zurückgehalten worden. Patrouillen der Königs-Chevaulegers hatten dann gemeldet, Poisioux und SchloßLe Coudray seien besetzt. Von Norden her hörte mannicht mehr schießen, und so wurde die 3. Brigade gegenVillccry, wo sich ebenfalls der Feind gezeigt hatte, ge-sendet.

Um 3 Uhr war die Avantgarde dort eingetroffenund hatte die Batterie Neu das Feuer eröffnet-