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das von den Franzosen erwidert wurde. Das 1. Jäger-Bataillon und die Zwölfer waren noch nicht in's Gefechtgetreten, als der Befehl eintraf, das Feuer einzustellenund nördlich zu marschiren. Bald darauf zurückgeholt— war es auch hier Nacht geworden. Dieser 7. Dez.ist meinen Erinnerungen nach einer der unsympathischstenTage des ganzen Feldzuges. Wir hatten die Haupt-kräfte der Franzosen vor uns, und obwohl sie geschwächtschienen, waren wir doch selbst zu sehr in der Minder-zahl, um ihnen gehörig auf den Leib zu rücken. Diedeutschen Hecresihcile waren aber auf Meilen ausetnander-gezogen; hätten sie zusammenwirken können, so wäreder folgende Tag nicht mehr so blutig geworden. WirBayern verloren an diesem Tage 8 Officiere und 94Mann. Müde und frierend bezog man engste Quartiere,die keine Erholung gewährten.
Das Armee-Corps v. d. Tann concentrirte sich am6. Dezember bei Grande-Chartre und stand nach 10 Uhrin Bereitschaft. Schon während des Anmarsches hatteman von Villermain her Kanonendonner vernommen,auch war von unseren Chevaulegers-Patrouillen gemeldetworden, daß der Feind in ziemlicher Stärke in süd-westlicher Richtung stehe. Der Großherzog war persön-lich anwesend und beabsichtigte auf der ganzen Linieoffensiv vorzugehen. Wir Bayern bildeten das Centrum,die Division Wittich war rechter Flügel, jetzt aber beiVillermain engagiert, und die Mecklenburger hatten sichgar bei dem langen Dorfe La Bruöre verschanzt. Hieltder Feind den Flügel-Divisionen gegenüber gehörigStand, konnte es Abend werden — kurz, wir Bayern waren heute vorderhand auf uns selbst angewiesen. AlsNachricht über die Fortschritte der 22. Division eintraf,wurde die 2. Division R. v. d. Tann — GeneralSchumacher war in die Heimath zurückgekehrt — ineine Gefechtsstellung nördlich von Beaumont befohlen.Die ganze Stärke der Division betrug nur 4400 Feuer-ewehre.
Es war mühselig zu marschiren auf dem hartge-frorenen Boden, den eine dünne Schneedecke noch un-gangbarer machte. Vor uns lag Beaumont, ein Dorfaus schönen Bauernhöfen bestehend. Zur Linken in demGelände gegen die Loire hin war alles mit Weinbergenübersät, die rothbräunlich aus dem monotonen Weiß sichabhoben. Von Nordwesten kommend, zog sich endloseine Chaussee dahin. Bald lag sie höher, dann ver-schwand sie wieder und machte südlich zwei Kniee. Jen-seits der Straße eine kahle Anhöhe mit langgestrecktemMücken, und die gehörte jedenfalls dem Feind.
Das Generalstabswerk spricht sich über diesenschwersten Tag der Bayern , dessen Erinnerung die.Söhne der Bavaria mit höchstem Stolz erfüllen muß,leider recht kurz aus. Es hätte die aufopfernde Thätig-keit von Hunderten unbedeutender Unterführer erwähnenMüssen, und das kann man nicht fordern. Auch dergenaue Helvig, der mir vorliegt, vermag kein übersicht-liches Bild des blutigen Ringens zu geben. So willich es denn versuchen, an der Hand des Letzteren alsAugenzeuge zu sprechen.
Wir waren aufmarschtrt, und vorwärts unseresrechten Flügels hatten die Batterien Kriebel, Zöhnleund Barth Stellung genommen. Jetzt sah «an, wiean der jenseitigen Höhe feindliche Plänkler herabeilten.Schon hatten sie die Straße überschritten und nähertensich Beaumont. Rasch wurde das Bataillon Endreß der
Dreizehn» im Dorfe vertheilt, und es gelang, denFranzosen Halt zu gebieten. Beaumont war ausgedehnt,wrßhalb noch das Bataillon Schönhueb dahin entsendetwurde. Bisher hatte man keine feindliche Artillerie ge-sehen, aber am Höhenrand stiegen die Dampfwolken auf,und hinter demselben stand sie gegen unser Infanterie-Feuer wohlgedeckt.
Die Brigade Roth war anfänglich südöstlich mar-schirt, hatte dann geschwenkt und rückte jetzt auch in dieGefechtslinie ein. Ihre Batterie Neu war aufgefahrenund hatte das Feuer eröffnet. Das 1. Jäger-Bataillonund das Bataillon Schleich deS 3. Regiments gingengegen die Straße vor, während daS 3. Bataillon Veithsich Le Mae näherte und sich dort festsetzte. Unterdessenhatte das Feuer der Dreizehner die Franzosen veranlaßt,an die Straße zurückzugehen und dann auch diese zuverlassen.
Von nun bildet die 4. Brigade den rechten, die3. Brigade den linken Flügel der Stellung der Bayern an der Straße, denn es waren die Bataillone Schönhuebund Leythäuser durch den Ort entsendet worden, umsie zu besetzen. Auch die 11. und 10. Compagnie derZehner waren an den linken Flügel der 4. Brigade vor-geschickt worden. Als ich die Letztere zum Orte hinaus-führte, schlug eine Granate mitten in sie hinein. Trotzdemkamen wir geschlossen bis an das erste Haus von Beaumont,von wo ich den Lieutenant List! mit 2 Zügen in den Chaussse-graben schickte. Lieutenant Erber lag schon im freien Feldehinter seinen Leuten, und dessen Compagnie-Führer Daserstand mit mir am Ausgange des Dorfes. Wir ließennicht schießen, denn die Franzosen verschwanden nach undnach auf der Höhe. Vor uns war der Hang ganz freiesAckerland, nach rechts und links aber war er mit Wein-bergen bewachsen. Die Straße hatte gegen Beaumont hineine dichtere Besatzung aus Zehnern und Dreizehnern, wirdagegen konnten die ziemlich lange Strecke bis zur Bri-gade Noth nicht ausfüllen, sahen überhaupt Niemand vonihr, weil die Chaussee hier sich senkte. Wir schickten ebenPatrouillen und hofften, daß die Franzosen die Lücke garnicht bemerkten. Hatte doch die 3. Brigade an ihremlinken Flügel eine noch viel längere Lücke, denn jetzt umMittag begannen die Mecklenburger erst die Vorbewegunggegen Beaugency . Das feindliche Artillerie-Feuer, welcheswir unthätig auszuhalten hatten, war unglaublich heftigund richtete sich sogar gegen unsere dünne Plänklerlinie.So schlugen hart an den Füßen des Lieutenants Erbermehrere Granaten in dasselbe Loch ein. Mit 5 schwachenBataillonen hatten die Bayern eine 2000 Schritte langeStellung genommen, aus der einzelne Abtheilungen so-gar gegen die Weinberge vordrangen und sich dort mitden Franzosen herumschössen. Es war sehr fraglich, obwir uns gegen einen Angriff halten konnten, zumal dasganz wahnsinnige Feuer des Gegners auf Uebermachtschließen ließ. Deßhalb wurde um ^1 Uhr die BrigadeOrff gegen Beaumont vorgeholt und es machte sich rechtgut, daß sie in dem Granatenhagel mit klingendem Spielausmarschirte.
Im Uebereifer hatte man versucht, von der Straßeaus Vorzugelangen. Wir auf freiem Feld gaben es baldauf, denn jeder Schritt war sicherer Tod, aber wir hattenuns doch schon vor 1 Uhr in eine solche Schießerei ein-gelassen, daß es, wie auf der ganzen Linie, viele leerePatrontaschen gab. Zu allem Ueberfluß verdichteten sichgerade jetzt die feindlichen Plänklerkctten, Colonnen er»