schienen und die rothett Hosen karüen in Menge die Höheherab. Lieutenant Lüftl zerrte Leute nach links gegendie Lücke, Feldwebel Eckenweber und Tambour Ungerrissen anderen die Brodsäcke herunter und liefen nachBeauwont, um Patronen zu holen. Jeder in der schwachenCompagnie that in hervorragender Weise seine Pflichtund die Franzosen kamen nicht bis an die gefährlicheLücke heran. Von Unterstützung keine Spur und auchHelvig bezeichnet diesen Moment für die ganze Linie alssehr kritisch.
In diesem Augenblick griff am rechten Flügel dieBrigade Orff ein. Zuerst fuhren die Batterien PrinzLeopold, Grundherr, Söldner auf und die Neunerjägergingen gegen Cravant, wo die Diviston Wittich eintreffenmußte. Die Elfer unter Oberstlieutenant v. Schmidtnahmen mit den Viererjägern südlich an der StraßeStellung, und das Regiment Kronprinz, das die BrigadeRoth verstärken sollte, wurde vorn General v. d. Tannpersönlich unter die Dreizehner und Zehner geworfen, weilman hier weichen mußte. So kam es, daß für den linkenFlügel nichts übrig blieb, daß nicht einmal die Lückezwischen meiner Compagnie und der 3. Brigade aus-gefüllt wurde. Allerdings hatten die Zwölfer und dieBatterie Stadelmann Befehl, gegen Le Mae zu rücken,aber sie waren noch nicht da, und als sie kamen, ver-stärkten sie die Feuerlinie des 3. Regiments, das in demtiefer liegenden Gelände focht. Um die gefährliche Lageder Infanterie zu erleichtern, ließ General v. d. Tanndie Artillerie-Reserve eingreifen. Durch das Auftretenweiterer fünf Batterien entwickeltste sich nun auch aufunserer Seite eine mächtige Geschützlinie und auf demschmalen Fleck Erde , auf dem der Kampf fortwährendhin- und herwogte, vermehrte sich der Höllenlärm. DasAuffahren der Batterien geschah im heftigsten Feuer.Menschengebrüll, Nädergerassel, stürzende Pferde, fallendeMenschen, dazwischen platzende oder in Ricochete-Sprüngeneinhertanzende Granaten, die schon durch den Luftdruckumwerfen — das war das Bild, wenn man umsah. Undvor uns — eine Höhe ununterbrochen in Pulverdampfgehüllt. Auf den Ackerfurchen des Abhanges liegen da-hingestreckte Franzosen, deren Gltedmaßen Todtenstarreund Winterkälte verzerrt haben. Im Straßengraben betmeiner Compagnie gab es, Dank der dünnen Linie, vorder-hand nur wenig Todte, aber wenn man nach rechts zuden Dreizehnern hinüberblickte, sah man sie in Mengeliegen. An die Stämme der laublosen Chansseebäumeprasselt fortwährend das Blei der ChassepotS oder esspritzt uns von den Steinhaufen entgegen. Nun kommtunsere nenaufgefahrene Artillerie zum Schuß — aber siesieht ja heute ihre Gegnerin nicht einmal — und richtigsaust die erste Granate zwischen meine Plänkler hinein.Eine zweite folgt nicht mehr, und aus den Bleimänteln,obwohl sie auch nicht angenehm sind, machen wir unsnichts.
Das brave Eingreifen der Batterien hatte haupt-sächlich den Franzosen die Lust zu weiterem Vordringengenommen. Es war aber auch jetzt die 22. Division ein-getroffen und die Regimenter Nr. 83 und 94 warengleichzeitig mit dem Feinde in Cravant eingedrungen.Rasch wurden die Franzosen zum Dorfe hinausgedrängtund nun stand es besser um unseren rechten Flügel.
Der Großherzog, welcher einen Offensivstoß plante,hatte die Division Stolberg und unsere Kürassier-Brigadean den linken Flügel entsendet, weil Messas noch immer
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* von den Franzosen besetzt wär, die 3. Brigade sohin denFeind in der Flanke hatte. Die Mecklenburger warenaber noch immer nicht da, denn auch sie hatten eine»starken Gegner zu vertreiben. Um ^3 Uhr war unsereBrigade Täuffenbach zur Verstärkung der Feuerlinte vor-gesandt worden. Dann sollte der Angriff beginnen. DaSBataillon Nuösch und das Jäger-Bataillon Wirthmanntraten bet der 3. Brigade in'L Gefecht, die anderen Ba-taillone verstärkten die Plänklerlinte der 2. und 4. Brigade.Hinter meiner Compagnie war das Bataillon Bauer desLeib-Regiments erschienen, hatte, im Eifer in das Ge-fecht einzutreten, uns gänzlich übersehen und das Feuereröffnet. Da unser Winken nicht bemerkt wurde, mußteich zurücklaufen, worauf es sich rechts wandte. Die Lückezwischen der 3. Brigade war zwar noch nicht ausgefüllt,aber daran lag uns jetzt nichts, denn es wurde ja an-gegriffen. Vom Straßenknie heraufkommend, hatte sichein Jägeroffizier — ich glaube Baumgärtner — mit einigenLeuten der 3. Brigade zu uns gesellt, und das hattenwir freudigst begrüßt. Man darf sich überhaupt diePlänklerlinte — ein zweites Treffen gab es gar nicht —nicht geordnet denken. Was vor mußte, hatte im heftigstenFeuer und total ungedeckt den Weg zu machen. Da gabeS nicht viel Kommando mehr, da packte jeder Offizierdie Leute, die er erwischte, und stellte sie unter seinenBefehl. Später im Frieden haben wir das oft eingeübt;da ging eS immer recht gut, aber es fiel mir stets derNachmittag von Beaumont ein. Der eisgraue Oberst GrafIsenburg war unermüdlich und war die Seele des Cen-trums. Wie oft hat der kleine, tapfere Herr die laugePlänklerlinie ungedeckt abgegangen und wie oft hat erden Leuten „Muth, Muth!" zugerufen. Dreimal war erauch bei uns und ich zeigte ihm jedesmal die Lücke undsagte! „Bis da hinunter steht kein Mann!" Man hatteeben keinen mehr, denn zwei Compagnien bildeten jetztdie Reserve des ganzen Armee-Corps.
Gegen 3 Uhr griffen die Franzosen von Cernah herCravant an. Sie gingen flott vor und kamen nahe andie Straße heran. Unsere Artillerie am rechten Flügelmußte weichen. Beinahe wäre ein Geschütz verloren ge-gangen. Drei Kanoniere stehen bei ihm und Oberlieutenantv. Lamezan liegt mit zerschmettertem Bein daneben.Schon hat er befohlen, das Rohr unbrauchbar zu machen,da eilt der Batterie-Chef Key! mit einer fremden Reserve-Protze herbei und rettet das Geschütz. Was im Augen-blick Patronen hat, feuert in der Plänklerlinie, und wiederwird der Angriff abgeschlagen.
Nun aber rückten am rechten Flügel die Batterienwieder vor und nun begann dort die Infanterie den An-griff. Er war nicht commandirt, er ergab sich von selbst.Das Bataillon Zech der Elfer eröffnete ihn und dannriß es die Andern fort. Auch wir stürmten den freienHang hinauf und geriethen in ein furchtbares Feuer.Die Franzosen zogen sich über Villechaumont gegen Ville-vert zurück, also standen sie in Massen vor uns. Daßder Angriff auf der ganzen Linie gelinge, das ahntenwir nicht. Das Nächste, was uns jetzt passiren konnte,war das Gefangenwerden. Am Bauch rutschten wir vonScholle zu Scholle außer Gesichtsweite und schließlich ge-lang es, mit wenig Verlusten die Straße wieder zu er-reichen. Unsere Leute hatten keine Patrone mehr undathemlos und auf's Höchste erregt standen wir an deralten Stellung. Da hörten wir das Schnellfeuer, mitdem die Franzosen zurückgetrieben wurden. Jetzt war die